Aktualisiert: 17.04.2021 - 18:45

Was passiert mit den Raten? Familienrecht, Teil 11: Kreditverbindlichkeiten von Eheleuten

Teil 11 unserer Familienrecht-Serie befasst sich mit dem schnöden Thema Kreditverbindlichkeiten: Was passiert mit Raten, die vom einstigen Ehepaar noch zu zahlen sind? Was ist mit gemeinsamen Konten? Lesen Sie hier die Antworten der Expertin.

Foto: Shutterstock / Estrada Anton

Teil 11 unserer Familienrecht-Serie befasst sich mit dem schnöden Thema Kreditverbindlichkeiten: Was passiert mit Raten, die vom einstigen Ehepaar noch zu zahlen sind? Was ist mit gemeinsamen Konten? Lesen Sie hier die Antworten der Expertin.

Wird eine Ehe aufgelöst, folgt in der Regel ganz schnell das einst gemeinsam eingerichtete Konto. Aber was, wenn noch ein Kredit abgezahlt wird? Was ist mit den ausstehenden Raten? Und was ist ein Oder-Konto? Das erfahren Sie in Teil 11 unserer Familienrecht-Serie.

Es klingt immer so schön romantisch: Wer heiratet, legt künftig ganz viel zusammen – Haushalte, Freundeskreise, Ausgaben und Konten. Nicht selten werden dann auch Kredite gemeinsam aufgenommen. Und um die muss sich ein Paar kümmern, auch wenn die Ehe in die Brüche gegangen ist. Das hat dann leider nicht mehr viel von Romantik...

Stehen noch Kreditraten aus, muss geklärt werden, wer in welcher Höhe dazu beiträgt. Gemeinsame Konten wurden ja bestimmt sehr schnell aufgelöst – doch wie ist das bei einem Oder-Konto? Das Familienrecht regelt auch diese trockenen finanziellen Themen: Da den Überblick zu behalten und alles zu verstehen, ist allerdings nicht einfach. Genau deswegen haben wir eine Rechtsanwältin um Rat gefragt, die sich bestens damit auskennt. Anette Führing ist Fachanwältin für Familienrecht und spricht mit BILD der FRAU über das Thema – im heutigen 11. Teil der Familienrechtserie geht's um wichtige Fragen und Antworten rund um Kreditverbindlichkeiten aus der Ehe.

Familienrecht, Teil 11: Das sollten Sie zum Thema Kreditverbindlichkeiten von Eheleuten wissen

Das Familienrecht regelt unter anderem die Rechtsverhältnisse der durch Ehe, Lebenspartnerschaft, Familie und Verwandtschaft miteinander verbundenen Personen. Anette Führing weiß, dass vor dem Familiengericht häufig Entscheidungen getroffen werden, die für Frauen, die von einer Trennung betroffen sind, weitreichende Folgen haben können.

Häufige Fragen, vor allem von Frauen, rund um Kreditverbindlichkeiten, die aus der einstigen Ehe noch bestehen, sowie die Antworten darauf hat die Fachanwältin für BILD der FRAU aufgelistet.

  1. Ich habe mit meinem Ehemann während der Ehe einen Kredit über 50.000 Euro aufgenommen und davon unter anderem ein Familienauto für 30.000 Euro gekauft sowie 20.000 Euro für Urlaub, Möbel etc. ausgegeben. Jetzt trenne ich mich von meinem Mann.


    Da beide Eheleute den Kreditvertrag abgeschlossen haben, haften sie beide gesamtschuldnerisch für den Kreditbetrag gegenüber der Bank. Die Bank kann damit sowohl von Ihnen als auch von Ihrem Ehemann den gesamten Kreditbetrag bei der Fälligkeit verlangen.

  2. Mein Mann zahlt die Kreditraten in Höhe von 500 Euro.


    Solange die Ehe in ruhigem Fahrwasser ist, machen sich die Ehegatten bei der Aufnahme eines Kredites in der Regel keine Gedanken darüber, wer tatsächlich die Kreditraten bezahlt oder von welchem Konto die Kreditraten abgebucht werden. Die Zahlungen an die Bank werden als Beitrag zur ehelichen Lebensgemeinschaft gewertet.

  3. Er will von mir die Hälfte der Kreditraten...


    Bei der intakten Ehe ist entscheidend, wie sich die Schuldentilgung darstellte. Mit der konkreten Handhabung ergibt sich im Zweifel eine stillschweigende Abrede darüber, wer die Schulden im Innenverhältnis tragen soll. Dies war Ihr Mann. Beide sind sie davon ausgegangen, dass stillschweigend keine Rückzahlung der Hälfte der Raten verlangt wird.

  4. Ist das nach der Trennung auch noch so?


    Mit der Trennung ist der Grund für diese stillschweigende Abrede entfallen. Jetzt kommt es unter anderem auf die Abreden zwischen den Ehepartnern an.

  5. Mein Mann und ich haben keine Vereinbarung darüber getroffen. Er nutzt jedoch das Familienauto für sich allein.


    Die alleinige Nutzung des Autos für seine Zwecke zeigt, dass er das Interesse an dem Fahrzeug hat und somit auch zwischen Ihnen beiden im sogenannten Innenverhältnis, allein für die Zahlung der Kreditverbindlichkeiten an die Bank zuständig ist.

  6. Er will jetzt von mir die Hälfte der Kreditraten.


    Da nur er von dem Fahrzeug profitiert, geht man von einer sogenannten anderweitigen Bestimmung zwischen dem getrennten Ehepartner aus. Er muss daher für den Kredit allein zahlen wie bisher und kann keine Ausgleichsforderung gegen Sie geltend machen.

  7. Was ist denn mit den anderen 20.000 Euro? Die zahlt mein Mann ja auch zurück.


    Hier haften Sie tatsächlich zur Hälfte, da sie dieses Geld gemeinsam mit ihrem Mann für Konsumzwecke ausgegeben haben.

  8. Wir haben ein Oder-Konto. Was heißt das?


    Es handelt sich hier um ein gemeinsames Konto, von dem jeder Ehegatte allein Abhebungen vornehmen kann.

  9. Mein Mann hebt aber immer noch nach der Trennung von dem Konto ab.


    Bis zur Trennung ist dies zu tolerieren, da beide über dieses sogenannte Oder-Konto verfügen konnten und damit der Haushalt usw. finanziert wurde. Nach der Trennung stellt sich dies als missbräuchliche Verfügung über das Guthaben dar, sofern keine ehebedingten Verbindlichkeiten bedient werden.

  10. Was kann ich da machen?


    Bei missbräuchlichen Verfügungen haben sie ein Rückforderungsrecht. Im Übrigen sollten Sie unverzüglich ein eigenes Konto für sich einrichten.


Mehr über unsere Familienrechtsexpertin erfahren Sie auf ra-fuehring.de, der Webseite von Anette Führing.

→ Hier geht's zum ersten Teil rund ums Familienrecht – was Frauen bei einer Trennung zusteht.

→ Weiter geht's mit dem Familienrecht: Was Frauen bei Trennung zusteht, Teil 2..

→ Mit dem Thema Sorge- und Umgangsrecht in Bezug auf gemeinsame Kinder beschäftigt sich Teil 3 unserer Familienrecht-Serie.

→ Und hier lesen Sie Teil 4, Familienrecht: Wem gehört was nach der Scheidung?

→ Von Immobilien handelt sowohl Familienrecht, Teil 5: Wer darf bei Scheidung in der Wohnung bleiben?

→ ... als auch Familienrecht, Teil 6: Was, wenn einer nach der Trennung das gemeinsame Haus verkaufen will?

→ Stichpunkt Zugewinn: Darum geht es in Familienrecht, Teil 7.

Familienrecht, Teil 8: Der Ex behauptet, den Kindern gehe es bei ihr nicht gut... Lesen Sie hier mehr dazu.

→ Welche besonderen Fragen sich beim Umgang in Corona-Zeiten stellen, erfahren Sie in Teil 9 der Familienrecht-Serie.

Familienrecht, Teil 10: Wie viel & wie lange bekomme ich Geld von meinem Exmann?

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