Aktualisiert: 28.04.2021 - 22:36

Tradition der Sokushinbutsu Warum mumifizierten sich japanische Mönche selbst?

Von der Redaktion

Japanische Mönche unterzogen sich einer brutalen Prozedur auf dem Weg zum sogenannten Sokushinbutsu.

Foto: Getty Images/Mint Images

Japanische Mönche unterzogen sich einer brutalen Prozedur auf dem Weg zum sogenannten Sokushinbutsu.

Sie aßen und tranken jahrelang kaum und litten Höllenqualen: Japanische Mönche mumifizierten sich vor Hunderten von Jahren selbst. Doch warum?

Weltweit gibt es viele einzigartige Mumien zu bestaunen. Die Jahrhunderte oder auch Jahrtausende alten Leichname faszinieren Touristen mit ihren spektakulären Geschichten. Einige sind aber so außergewöhnlich, dass sie sich deutlich von anderen abheben…

Mumien der besonderen Art gibt es in Asien: Vor Hunderten Jahren mumifizierten sich Mönche in Japan selbst. Es ist eine erschreckende Prozedur gewesen, die die Geistlichen auf sich nahmen, um ihre Körper vor der Verwesung zu bewahren. Alle Hintergründe dazu erfahren Sie hier.

Darum mumifizierten sich japanische Mönche selbst

In der japanischen Präfektur Yamagata auf dem Berg Mt. Yudono kann man heute noch sieben Mönchs-Mumien, sogenannte Sokushinbutsu, bestaunen. Das bedeutet übersetzt so viel wie "Buddha im eigenen Körper". Mönche unterzogen sich der Prozedur, die auf die Legende des japanischen Mönchs Kūkai im Jahre 835 zurückgeht.

Die erste nachgewiesene Selbst-Mumifizierung japanischer Mönche bei lebendigem Leibe stammt aus dem Jahr 1081, die letzte wurde im Jahr 1903 nachgewiesen. Demnach wurde die Nahrungsaufnahme im ersten Schritt radikal auf ein Minimum reduziert, damit der Mönch ein Sokushinbutsu werden konnte.

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Nüsse, Samen, Blüten und Wurzeln als Nahrung

Der Mönch ernährte sich nur noch von Nüssen, Samen, Blüten und Wurzeln – und das über einen Zeitraum von drei Jahren! Damit zusätzlich Körperfett verloren ging, war er körperlich sehr aktiv. Außerdem gehörte Meditation zum Ritual des angehenden Sokushinbutsus. So wurde eine Distanz zur Welt geschaffen.

Nach diesen drei Jahren folgten drei weitere Jahre, in denen der Mönch sich lediglich von Wurzeln und Rinde ernährte. Er nahm außerdem Tee aus dem Saft eines Baumes zu sich, der Brechreiz hervorrief. Das begünstigte den Flüssigkeitsverlust und tötete Maden und Parasiten ab, die zum Hindernis für die Mumifikation hätten werden können.

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Mönche wurden lebendig begraben

Angeblich habe es sogar einen Mönch gegeben, der diese Periode nicht drei, sondern 20 Jahre durchzog auf dem Weg zum Sokushinbutsu. Nahrung soll er gar nicht mehr zu sich genommen haben, nur noch Salzwasser getrunken und meditiert haben.

Irgendwann war der Punkt erreicht, an dem der Mönch seinen Tod kommen sah. Dann wurde er in einen Sarg gelegt und tatsächlich lebendig begraben. Ein Bambushalm ermöglichte es ihm weiter zu atmen. Und mit einer Glocke konnte er den Ordensbrüdern signalisieren, dass er noch lebte. Sobald diese verstummt war, war der Mönch verstorben.

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Touristen zahlen Eintritt für Sokushinbutsu

Doch ob er auch wirklich in den Stand des Sokushinbutsu erhoben wurde, zeigte sich erst bei der Betrachtung des Leichnams. Waren dort Verwesungsspuren zu finden, war der lange Leidensweg umsonst und der Mönch wurde beerdigt. Makellose Körper hingegen wurden als Sokushinbutsu in gläsernen Schreinen ausgestellt.

Noch heute profitiert Japan von den Mönchs-Mumien, denn Touristen zahlen nicht nur Eintritt, um die Sokushinbutsu zu sehen. Sie können auch Talismane erwerben, die aus der alten Kleidung der Mönche hergestellt wurden.

Japans Mönche, die sich selbst mumifizierten: Ein Touristen-Magnet, der sicherlich nicht für jedermann etwas ist …

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