Aktualisiert: 08.04.2021 - 20:01

Witzig bis skurril Sind wir alle Sachsen, Schwaben oder Hessen? So heißen wir Deutsche in anderen Ländern

So groß wie die Welt ist, so mannigfaltig sind die Namen, mit denen andere Völker die Deutschen bezeichnen.

Foto: Getty Images / Richard Drury

So groß wie die Welt ist, so mannigfaltig sind die Namen, mit denen andere Völker die Deutschen bezeichnen.

Teutonen, Hunnen und Stumme. Oder doch eher Franken und Bayern? Eine spannende Zeitreise durch die Sprachwissenschaft und voller eklatanter historischer Missverständnisse.

Was für eine seltsame Frage, mag man sich vielleicht denken. Wir Deutschen heißen in anderen Ländern Deutsche, oder? So einfach ist das leider nicht, denn die Sprache treibt auch hier seltsame Blüten. Dann eben Germans? Auch nicht! So heißen wir Deutsche in anderen Ländern.

Sachsen, Schwaben oder Hessen: So heißen wir Deutsche in anderen Ländern

Besonders ungewöhnlich gehen einige Länder bei der Benamung vor. Die Finnen zum Beispiel nennen uns ganz einfach Sachsen. Wie bitte? Ja, für die Menschen im hohen Norden sind alle Deutschen Sachsen, zumindest im Sprachgebrauch. Aber das sind noch nicht alle Überraschungen, wahlweise werden wir Deutsche auch Hessen oder Schwaben genannt. Und das arabische Volk hat eine noch ganz andere Idee.

Für die Finnen sind wir alle...

Die Finnen nennen Deutschland "Saksa", die Bewohner sind für sie "saksalaiset". Die finnische Botschaft erklärte gegenüber der "Welt": "Das finnische Wort saksa geht auf den Stamm der in Norddeutschland ansässigen Sachsen zurück. Vom 13. Jahrhundert an trieben die Sachsen und die Finnen im Ostseeraum und in der norddeutschen Hanse Handel miteinander. Die deutschen Hansekaufleute stellten sich den Finnen mit der Bezeichnung Sachsen vor; deshalb wurde das Wort saksa im Finnischen früher auch in der Bedeutung 'Kaufmann' verwendet." Auch die Esten nennen uns übrigens Sachsen.

Schweizer und Kroaten nennen uns so

Die Kroaten nennen uns Deutsche "Schwaben", so wie die Elsässer und Schweizer, zumindest in der Umgangssprache. Der Beweis: Das offizielle Duden-Wörterbuch "Schweizerhochdeutsch" nennt Schwab als abwertenden Ausdruck für die "Bewohner der Bundesrepublik Deutschland".

Auch die Bezeichnung "Banater Schwaben" ist in diesem Zusammenhang interessant und steht für Deutsche, die ins heutige Rumänien eingewandert waren, obwohl sie aus allen Regionen Deutschlands und sogar aus Vorderösterreich kamen.

Der Franke als Synonym für die Deutschen

Ganz anders sieht das bei den Arabern aus, die nennen uns seit dem Mittelalter einfach "Franken". Dieser Begriff wurde sogar ausgeweitet und für die christlichen Europäer im Allgemeinen benutzt. Als Ursprung werden die muslimischen Quellen der Kreuzzüge gesehen.

Laut einer Theorie hätte das Mittelgriechische hier eine Rolle gespielt, denn dort hießen die Deutschen "Frangoi". Anekdote aus Karl Mays Roman "Im Reich des silbernen Löwen": Kara Ben Nemsi stellt sich den Beduinen als "Ich bin ein Franke" vor.

Weltweit: Die Deutschen als Alemannen

Die bekannteste und am weitesten verbreitete Bezeichnung der Deutschen bleibt aber der "Alamanne" . Dieser Begriff stammt aus dem 13. Jahrhundert: Im Heiligen Römischen Reich wurde die Bezeichnung "regnum Alamanniae" für das "deutsche" Königreich genutzt.

Während diese Bezeichnung im 14. Jahrhundert an Bedeutung verlor, hält er sich bei den Franzosen bis heute: Die Deutschen heißen dort "Les Allemands". Die Spanier und Portugiesen sowie das türkische und arabische Volk übernahmen diese Bezeichnung.

Die Goten im Comic: Das hat Asterix damit zu tun

Mal was Lustiges: Dank Asterix und Obelix werden die Deutschen auch mit dem Stamm der Goten gleichgesetzt. Eigentlich witzig, denn die Goten des wahren Lebens haben sich in Spanien und auf der Krim niedergelassen, durch das deutsche Gebiet sind sie nur durchgelaufen.

Preußen als "Schimpfwort"

Das 19. und 20. Jahrhundert hatte für die Deutschen das Synonym "Preußen" parat, wobei die Pruzzen oder Prußen eigentlich ein alter baltischer Stamm waren. In Luxemburgischen und holländischen Dialekten werden "Preise" bzw. "Pruus" als Schimpfwort für alle Deutschen benutzt.

Oder sind wir doch alle Hessen?

Die Amerikaner nannten die Deutschen vor der Preußen-Episode auch einfach "Hessen". Der Hintergrund ist im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg zu finden: Die meisten deutschen Soldaten, die für die Briten kämpften, kamen eben aus Hessen.

Teutonisch = deutsch

Und wie ist das hierzulande? Einige Deutschen sehen sich als "Teutonen", davon zeugen u.a. auch Namen gastronomischer Einrichtungen. Witzigerweise soll diese These auf ein sprachliches Missverständnis zurückgehen, nämlich, dass das Wort "deutsch" aus dem Wort "teutonisch" entstammt. Sprachwissenschaftler sagen aber, es sei vielmehr aus dem althochdeutschen "diutisc/theodisk" hervorgegangen, und das heißt nichts anderes als "in der Volkssprache".

Die Teutonen waren dagegen nach römischen Quellen ein germanisches Volk der Antike, das im heutigen Jütland lebte.

Das Wort "Teutons" benutzen die Engländer gern als ironisches Synonym für Deutsche, wenn sie auf unsere vermeintliche Humorlosigkeit und Plumpheit anspielen wollen.

Das haben die Deutschen mit den Hunnen gemein

Im 1. und 2. Weltkrieg nannte man die Deutschen "Hunnen", die eigentlich im asiatischen Bereich zu finden waren. Ein hausgemachtes Problem, denn in seiner Hunnenrede appellierte Kaiser Wilhem II. im Jahr 1900 an das nach China geschickte Expeditionskorps: "Wie vor tausend Jahren die Hunnen unter ihrem König Etzel sich einen Namen gemacht, der sie noch jetzt in der Überlieferung gewaltig erscheinen lässt, so möge der Name Deutschland in China in einer solchen Weise bestätigt werden, dass niemals wieder ein Chinese es wagt, etwa einen Deutschen auch nur scheel anzusehen."

Die Bayern: Symbol für Deutschland, aber nicht in der Sprache

Interessanterweise ist uns die verallgemeinernde Ansprache als "Bayern" durch andere Völker erspart geblieben, obwohl kaum eine andere Region so vermeintlich "typisch deutsche" Eigenschaften aufweist wie eben Bayern. Eine kleine Ausnahme bildet nur das Sorbische, das den slawischen Sprachen zuzuordnen ist: Dort gab es das Wort "baworski" für "deutsch", was auf den bayerischen Ursprung hindeutet.

Die Deutschen sind "Stumme"?

Apropos slawische Sprachen: Ein großes Missverständnis brockte uns Deutschen hier die Bezeichnung als "Stumme" ein. Die Deutschen sind im Tschechischen "nĕmec", im Kroatischen "nijemac". Der Ursprung reicht aber auf ein altslawisches Wort für "Fremde" und "Stumme" zurück.

Quelle: welt.de, wikipedia.de

Wie auch immer die Deutschen genannt wurden oder werden: Sprachwissenschaft ist ein unfassbar spannendes Terrain. Woher kommt die Sprache, was bedeuten zum Beispiel bestimmte Redewendungen? Wussten Sie schon, welchen Ursprung die Formulierung "Das ist Zukunftsmusik" oder der Begriff "Auf Wolke Sieben schweben" hat? Sprache verändert sich permanent. Ein Beispiel: "Muttermilch" soll umbenannt werden in "Menschenmilch". Was meinen Sie dazu?

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