Aktualisiert: 07.04.2021 - 17:56

Behandlungsverbot Und noch ein Schritt zurück: Arkansas erlässt Anti-Transgender-Gesetz

Blau, Rosa, Weiß: Das sind die Farben der Transgender-Flagge. Der US-Bundesstaat Arkansas hat jetzt ein neues, restriktives Gesetz erlassen, das Maßnahmen, die der Geschlechtsangleichung dienen, bei Transgender-Jugendlichen untersagt.

Foto: Getty Images/ Vladimir Vladimirov

Blau, Rosa, Weiß: Das sind die Farben der Transgender-Flagge. Der US-Bundesstaat Arkansas hat jetzt ein neues, restriktives Gesetz erlassen, das Maßnahmen, die der Geschlechtsangleichung dienen, bei Transgender-Jugendlichen untersagt.

Letzten Monat schaffte es der US-Bundesstaat Arkansas mit einem neuen, restriktiven Abtreibungsgesetz in die Schlagzeilen. Jetzt folgt der nächste Rückschritt.

Bereits im März war der US-Bundesstaat Arkansas in das Visier von Bürgerrechtsorganisationen und Frauenrechtlern geraten. Der Grund: ein neues, restriktives Abtreibungsgesetz, das Schwangerschaftsabbrüche sogar dann verbietet, wenn sie das Resultat einer Vergewaltigung oder von Inzest sind. Jetzt, nur einen knappen Monat später, folgt der nächste Streich: Arkansas verbietet geschlechtsangleichende Maßnahmen für Transgender-Jugendliche.

Arkansas: Keine Geschlechtsangleichung für Transgender-Jugendliche

Jugendliche unter 18 Jahren, die sich dem anderen Geschlecht zugehörig fühlen und ihren Körper durch medizinische Eingriffe angleichen lassen möchten, dürfen sich in Zukunft keinen Behandlungen mehr unterziehen, die die Geschlechtsangleichung zum Ziel haben. Verboten ist nicht nur die Behandlung mit Pubertätsblockern oder Hormonen, auch geschlechtsangleichende Operationen sind untersagt. Ärzte, die sich über das Verbot hinwegsetzen, müssen mit hohen Strafen rechnen.

Arkansas ist der erste US-Bundesstaat, der ein solch restriktives Gesetz erlassen hat. Der Aktivist und Anwalt Chase Strangio von der Bürgerrechtsorganisation American Civil Liberties Union (ACLU) bezeichnete es als "das extremste Anti-Trans-Gesetz, das jemals ein Bundesstaat erlassen hat".

Das Gesetz trägt den Namen "Save Adolescents From Experimentation Act" (Gesetz zur Rettung Jugendlicher vor Experimenten). Wie dieser schon sagt, sollen Jugendliche dadurch vor "Experimenten" geschützt werden, die später nicht mehr rückgängig zu machen seien. Weiterhin heißt es in dem Gesetz, dass die Risiken einer Transition (so nennt man den Prozess der Geschlechtsangleichung) deren Nutzen überwiegen würden, da vor allem Operationen mit zahlreichen Risiken verbunden und nicht rückgängig zu machen seien.

Geschlechtsangleichung kann entscheidend für psychische Gesundheit sein

Geschlechtsangleichende Maßnahmen können entscheidend für die psychische Gesundheit von Transgender-Jugendlichen sein. Diese sind nicht nur weitaus häufiger von Gewalt betroffen als ihre Cisgender-Altersgenossen, sondern haben durch Ablehnung und Diskriminierung im Familienkreis und in der Gesellschaft auch ein höheres Risiko, an Depressionen zu erkranken oder Suizid zu begehen. Der Zugang zu geschlechtsangleichenden Maßnahmen könne laut CNN "den Unterschied zwischen Leben und Tod" bedeuten.

Ein weiterer bedeutender Punkt ist, dass sich durch die Einnahme von Pubertätshemmern Zeit gewinnen lässt. Diese Zeit ist wichtig, denn bis zur endgültigen Diagnose vergehen, inklusive Psychotherapie und dem testweisen Leben als das andere Geschlecht, oft mehrere Jahre. Ist die Pubertät noch nicht abgeschlossen, verhindern Pubertätshemmer mögliche irreversible Veränderungen des Körpers, die eine spätere Geschlechtsangleichung zusätzlich erschweren würden. Die Einnahme von Hormonen sowie Operationen erfolgen dann meist erst später.

Gouverneur von Arkansas legt Veto ein

Erst letzten Monat hatte der republikanische Gouverneur von Arkansas, Asa Hutchinson, das neue, strenge Abtreibungsgesetz des US-Bundesstaats unterzeichnet. Weiterhin brachte er zwei neue LGBTQ-Gesetze auf den Weg: Das eine gestattet Leuten, die im medizinischen Sektor arbeiten, die Behandlung von LGBTQ-Personen zu verweigern, solange kein Notfall vorliegt. Das andere untersagt Transgender-Frauen und -Mädchen die Ausübung von Sport in Frauenmannschaften.

In Anbetracht dessen zeigten sich viele überrascht davon, dass Asa Hutchinson versucht hatte, das neue Anti-Transgender-Gesetz durch ein Veto zu blockieren. Er gab zu bedenken, dass die Verweigerung einer angemessenen medizinischen Behandlung bei den Jugendlichen zu erheblichen Schäden führen könne. Es sei nicht die Aufgabe des Staates, sich in derartige Angelegenheiten einzumischen.

Quellen: zeit.de, cnn.com, kindergynaekologie.de, taz.de

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Glücklicherweise gibt es für jeden Rückschritt auch einen Fortschritt: Die EU hat sich zum LGBTIQ-Freiheitsraum erklärt!

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