31.03.2021 - 11:11

Kirche 2.0? "Staatswesen für 21. Jahrhundert updaten": Junge Liberale fordern Trennung von Staat und Religion!

Von der Redaktion

Die Kirchenbänke sind schon lange nicht mehr so voll, wie sie es einmal waren. Die zahlreichen Missbrauchsskandale haben das Ansehen der Kirche stark beschädigt. Auch deshalb wollen die Jungen Liberalen die Trennung von Staat und Religion vorantreiben.

Foto: Getty Images/ sakchai vongsasiripat

Die Kirchenbänke sind schon lange nicht mehr so voll, wie sie es einmal waren. Die zahlreichen Missbrauchsskandale haben das Ansehen der Kirche stark beschädigt. Auch deshalb wollen die Jungen Liberalen die Trennung von Staat und Religion vorantreiben.

Die Jugendorganisation der FDP will das Verhältnis von Staat und Religion reformieren. Sie fordern nicht nur, den Gottesbezug im Grundgesetz zu streichen…

Die Kirche belegt in unserem Alltag und in unserer Gesellschaft schon lange nicht mehr die wichtige Position, die sie einst innehatte. Befeuert wurde diese Entwicklung nicht nur durch die zahlreichen Missbrauchsskandale, sondern auch durch die von vielen beklagte Rückwärtsgewandtheit. Gerade erst bekannte der Vatikan erneut, homosexuelle Paare nicht segnen zu können – gleichzeitig werden regelmäßig Haustiere, Gebäude oder Rosenkränze gesegnet.

Vorfälle wie dieser lösen bei vielen die Frage aus, wie tief eine Institution mit solchen Grundsätzen heutzutage in unserer modernen, pluralen Gesellschaft verankert sein kann und darf. Diese Frage stellen sich auch die Jungen Liberalen, die Jugendorganisation der FDP. Sie fordern eine grundlegende Reform des Verhältnisses von Staat und Religion.

Verhältnis von Staat und Religion: Junge Liberale fordern Reform der Kirche

In einem Positionspapier mit dem Titel "Zehn Gebote für einen weltanschaulich neutralen Staat in einer pluralen Gesellschaft", das der Tageszeitung Welt vorliegt und über das diese bereits berichtete, fordern die Jungen Liberalen die Trennung von geistlicher und weltlicher Macht, die "bis heute nicht voll verwirklicht" ist.

Um eine solche Trennung umzusetzen, soll unter anderem der Gottesbezug im Grundgesetz gestrichen werden. Statt auf Gott berufen sich die jungen Liberalen auf die freiheitlich-demokratische Grundordnung und die Menschenrechte. Gemäß dieser setzen sie sich dafür ein, den Einfluss der Kirche auf gesellschaftliche und rechtliche Fragen, wie die Gestaltung von Ehe und Familie oder das "selbstbestimmte Sterben" zu begrenzen. Laut dem Bundesvorsitzenden der Jungen Liberalen, Jens Teutrine, "braucht es endlich den politischen Willen, unser Staatswesen für das 21. Jahrhundert zu updaten".

Kirchensteuer soll abgeschafft werden

Im alltäglichen Leben sollen umfassende Reformen das Verhältnis von Staat und Kirche neu regeln. So soll unter anderem der Staat von der Aufgabe, die Kirchensteuer zu erheben, entbunden werden. Die Kirche könne diese Beiträge wie andere Organisationen selbst erheben. Generell sollen Religionsgemeinschaften künftig privatrechtlich organisiert sein, zum Beispiel als Vereine.

Auch die Sonderrechte für religiöse Einrichtungen als Arbeitgeber sollen abgeschafft werden. Bisher erlaubt beispielsweise das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz diesen eine Ungleichbehandlung aus religiösen Gründen.

Religionsunterricht soll durch Ethikunterricht ersetzt werden

Die Jungen Liberalen verlangen, dass religiöse Symbole wie Kreuze aus öffentlichen Einrichtungen entfernt werden. Auch der konfessionelle Religionsunterricht soll abgeschafft und durch einen umfassenden Ethikunterricht ersetzt werden.

Das Arbeitsverbot an Feiertagen sowie der Sonntagsschutz sollen aufgehoben werden, da diese "das Moralsystem einer einzelnen gesellschaftlichen Gruppe" konservieren. Stattdessen fordern die Jungen Liberalen eine Regelung mit flexiblen Mindesturlaubstagen.

Lesen Sie hier noch einmal, warum der Vatikan "Nein" zur Segnung homosexueller Paare sagt. Dafür hat sich die EU zum LGBTIQ-Freiheitsraum erklärt. Ein wichtiger Schritt!

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