30.03.2021 - 09:55

Petition gestartet Die Mehrheit will den strikten Lockdown – jetzt soll die Regierung handeln

Trotz schnell steigender Inzidenzen ist noch viel los in Deutschland – nicht nur in Fußgängerzonen, sondern auch in Büros, Schulen und Co. Eine Petition fordert nun: Lockdown jetzt, sonst brechen wir die dritte Welle nicht.

Foto: Getty Images/NurPhoto / Kontributor

Trotz schnell steigender Inzidenzen ist noch viel los in Deutschland – nicht nur in Fußgängerzonen, sondern auch in Büros, Schulen und Co. Eine Petition fordert nun: Lockdown jetzt, sonst brechen wir die dritte Welle nicht.

Die Stimmung im Land ist mittlerweile mehr als angespannt. Aktuelle Umfrageergebnisse zeigen: Die Mehrheit der Deutschen sieht den Ernst der Lage und stimmt für einen kurzen, harten Lockdown, um dem Coronavirus endlich wieder Einhalt gebieten zu können. Doch von oben tut sich nichts außer Streit zwischen Ministerpräsidenten. Jetzt ist eine Petition gestartet, mit der sich das Volk endlich Gehör verschaffen will.

Die Inzidenzen explodieren vielerorts, die Covid-Infektionsfälle steigen rasant. Seit Wochen plädieren Wissenschaftler:innen, Intensivmediziner:innen und Pflegepersonal für einen sofortigen Lockdown, um die dritte Welle noch irgendwie brechen zu können. Doch es passiert eher das Gegenteil: Stattdessen wird über weitere Lockerungen nachgedacht – während die Bevölkerung die "Entscheidungen von oben" immer weniger nachvollziehen kann. Doch die Bürgerinnen und Bürger wollen gehört werden – und haben nun eine Petition für einen strikten Lockdown ins Leben gerufen.

Petition für strikten Lockdown: "Erhört die Bürger endlich!"

Da wurden Notbremsen beschlossen, die nun doch nicht eingehalten werden. Und das ist nur einer der mittlerweile unzähligen Gründe, die viele Menschen derzeit an einer eigentlich stabilen Politik zweifeln lassen.

Seit Wochen rechnen uns Pandemie-Expertinnen und Experten vor, wie sich die Coronavirus-Situation im Angesicht der sich verbreitenden, ansteckenderen Virusvarianten entwickelt – und genau diese Situation tritt derzeit ein. Schon mehrmals haben die Intensivmediziner:innen nun einen harten Lockdown gefordert, weil uns sonst ein Zusammenbruch des Gesundheitssystems droht. Das sagt mittlerweile sogar Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU). "Wenn das so ungebremst weitergeht, laufen wir Gefahr, dass unser Gesundheitssystem im April an seine Grenzen kommt", zitiert ihn der Spiegel. Mittlerweile hört man gar von Stimmen aus der Wirtschaft, die sich für einen kurzen, strikten Lockdown aussprechen, statt weiter im "Lockdown Light" herumzuwabern.

Doch was passiert? Nichts. Ein zumindest kurzer Shutdown über Ostern wird zurückgenommen, die Kanzlerin nimmt alle Schuld auf sich, während die Landeschefs weiter an Lockerungen überlegen. Und währenddessen füllen sich die Intensivstationen – mittlerweile mit jüngeren Leuten, die eben noch nicht geimpft sind.

Das schlaucht auch die Ersteller einer Petition, die seit Sonntag (28. März) im Netz ist – und schon zwei Tage später (Stand 30. März, 9 Uhr) haben fast 60.000 Bürgerinnen und Bürger unterzeichnet. Die Forderung: "Beschließen Sie sofort einen strikten, kurzen Lockdown, statt erneut zu zögern – und in der Konsequenz ebenso strikte, aber längere Schließungen vornehmen zu müssen."

Andere Länder machen's vor: Geht das nicht auch hier?

"Lassen Sie uns eine neuerliche gemeinsame Kraftanstrengung unternehmen, wie sie uns im Frühjahr 2020 gelungen ist. Denn jeder Tag, den der Lockdown hinausgezögert wird, kostet Menschenleben", heißt es weiter im Petitionsschreiben.

Keinem der europäischen Länder, in denen die deutlich ansteckendere Corona-Variante B.1.1.7 kursiert, sei es ohne besonders strikte Maßnahmen gelungen, ein exponentielles Wachstum aufzuhalten. Das sei nur mit hartem Lockdown möglich gewesen, wie etwa der Blick auf Großbritannien zeigt. Und auch in Portugal konnte zuletzt eine Inzidenz von weit über 800 mit einem harten Lockdown auf weit unter 100 gesenkt werden. Dort halten sich die Zahlen nun – auf einer 7-Tage-Inzidenz von derzeit 28, berichtet u.a. der Tagesspiegel. Und das übrigens ohne Impfungen. Der Lockdown gilt zwar großteils immer noch, übrigens auch mit nächtlichen Ausgangssperren und Verboten von Ansammlungen. Auch die Grenzen sind vielerorts noch dicht. Doch seit Mitte März öffnen Schulen wieder.

Würden wir nun entschlossen so ähnlich handeln, wären in ein paar Wochen die Lockerungen möglich, für die sich Ministerpräsident:innen derzeit stark machen. Nur eben ohne die Nebenwirkung der vielen Intensivpatienten und am Ende auch wieder steigender Todes- und Long-Covid-Fälle. Da sind sich die Initiator:innen der Petition sicher.

Zwei Lehren ziehen sie aus einem Jahr Pandemie: "Jeder Tag, den der Lockdown hinausgezögert wird, kostet Menschenleben. Und verlängert nur das Leid all derer, die unter dem Lockdown besonders leiden: Arme und alte, kranke und junge Menschen." Psychologen machten etwa kürzlich darauf aufmerksam, dass besonders Risikopatient:innen derzeit in großer Angst leben. Und die zweite Lehre: "Je später man im exponentiellen Wachstum eine Maßnahme trifft, desto länger muss man sie durchhalten. Ein früherer Lockdown ist deshalb vor allem auch ein kürzerer Lockdown."

Wie das Leben danach weitergehen könnte, rechnen Initiativen wie "No Covid" oder "Zero Covid" vor.

Auch in Umfragen deutlich: Mehrheit ist für Maßnahmen

Dass die Mehrheit der Bevölkerung das ähnlich sieht, zeigen nicht nur die Zahlen der Petent:innen. Auch etwa im ZDF-Politbarometer sind die Zahlen deutlich. Nachdem noch im Februar rund 55 Prozent der Umfrageteilnehmer:innen die geltenden Maßnahmen für richtig hielt, sind es jetzt nur noch rund 31 Prozent, während sich die Anzahl derer, die strengere Maßnahmen fordern, von 18 auf 36 Prozent verdoppelt hat. Die Kritiker der Maßnahmen liegen derzeit bei 26 Prozent. Der derzeitige Lockdown jedenfalls macht viele vor allem eines: müde. Oder gar "mütend"? Diese Corona-Wortneuschöpfung war zuletzt in aller Munde.

Die Petition auf openpetition.de ist hier zu finden: "Wir fordern einen strikten Lockdown gegen die dritte Welle. Jetzt."

Mehr zum Coronavirus lesen Sie auf unserer Themenseite.

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