30.03.2021 - 07:50

Zeit, um sich zu erholen Nach Fehl- oder Totgeburt: Neuseeland beschließt Trauerurlaub für Paare

Eine Fehlgeburt oder Totgeburt ist für werdende Eltern das schlimmstmögliche Szenario. Neuseeland gewährt Paaren in solch einem Fall jetzt drei Tage bezahlten Urlaub.

Foto: Getty Images/ fizkes

Eine Fehlgeburt oder Totgeburt ist für werdende Eltern das schlimmstmögliche Szenario. Neuseeland gewährt Paaren in solch einem Fall jetzt drei Tage bezahlten Urlaub.

Eine Fehl- oder Totgeburt zu erleiden, ist für werdende Eltern das Schlimmste, was passieren kann. Neuseeland gewährt trauernden Paaren jetzt drei Tage Sonderurlaub.

Es ist der schlimmste Schicksalsschlag für werdende Eltern: Das liebevoll gestaltete Kinderzimmer und das winzige Babybettchen bleiben leer, die Heimfahrt aus dem Krankenhaus wird zu zweit angetreten statt zu dritt, das mit Liebe und Sehnsucht erwartete Baby ist tot zur Welt gekommen. Um trauernden Paaren die Möglichkeit zu geben, sich ein bisschen zu erholen, gewährt Neuseeland ihnen jetzt Trauerurlaub, d. h. bis zu drei Tage bezahlten Urlaub im Fall einer Fehlgeburt oder Totgeburt.

Neuseeland: Bezahlter Urlaub nach Fehlgeburten und Totgeburten

Wie der New Zealand Herald berichtete, hat das neuseeländische Parlament beschlossen, Paaren im Falle einer Fehl- oder Totgeburt bis zu drei Tage bezahlten Trauerurlaub zu gewähren. Diese Möglichkeit hat nicht nur die Mutter, sondern auch ihr Partner sowie Eltern, die geplant haben, ein Kind durch Adoption oder Leihmutterschaft zu bekommen.

In Neuseeland gelten Geburten, bei denen das Kind tot zur Welt kommt, bis zur 20. Schwangerschaftswoche als Fehlgeburt. Geburten ab der 21. Schwangerschaftswoche gelten als Totgeburt. Laut dem New Zealand College of Midwives erleidet im Schnitt eine von vier Frauen eine Fehlgeburt.

Gemäß der Politikerin Ginny Andersen, in deren Namen das neue Gesetz beschlossen wurde, soll der Sonderurlaub Frauen und ihren Partnern die Möglichkeit geben, ihren Verlust zu bewältigen, ohne sich krankschreiben lassen zu müssen.

"Ich hoffe, die neue Regelung gibt den Menschen Zeit zu trauern und fördert den offenen Umgang mit dem Thema Fehlgeburt", schreibt die Politikerin auf Twitter. "Wir sollten keine Angst vor unseren Körpern haben."

Neuseeland: Vorreiterstellung in Sachen Frauenrechte

Mit der Möglichkeit, nach Tot- oder Fehlgeburten bezahlten Trauerurlaub zu nehmen, geht das fortschrittliche Neuseeland einen weiteren wichtigen Schritt in Sachen Frauenrechte. Eine solche Regelung gibt es bisher in kaum einem anderen Land. Zwar stehen Frauen, die eine Fehlgeburt erlitten haben, in Indien bereits seit 1961 bis zu sechs Wochen bezahlter Urlaub zu, die Süddeutsche Zeitung weist jedoch darauf hin, dass sie ihn aufgrund prekärer Arbeitsbedingungen oftmals nicht wahrnehmen. In Island können Paare nach einer Fehlgeburt bis zu zwei Monate bezahlten Trauerurlaub nehmen, im Fall einer Totgeburt bis zu drei Monate.

In Deutschland gibt es eine solche Regelung nicht: Hier können sich betroffene Frauen lediglich krankschreiben lassen. Im Fall einer Fehlgeburt nach der 12. Schwangerschaftswoche gilt dann der schwangerschaftsbedingte Kündigungsschutz, im Fall einer Totgeburt nach der 25. Schwangerschaftswoche der Mutterschutz. Anders als in Neuseeland erhält der Partner oder die Partnerin der schwangeren Person keinen Sonderurlaub.

Neuseeland nimmt beim Thema Frauenrechte mal wieder eine Vorbildfunktion ein. Auch aus Europa gab es kürzlich gute Nachrichten: Die EU hat sich zum LGBTIQ-Freiheitsraum erklärt! Solche Entscheidungen sind umso wichtiger in Zeiten, in denen viele Länder beim Thema Gleichberechtigung lieber einen Schritt zurück als nach vorne gehen: So hat die Türkei gerade die Istanbul-Konvention, ein Abkommen gegen Gewalt an Frauen, verlassen. Der US-Bundesstaat Arkansas hingegen will Abtreibungen auch nach Vergewaltigung oder Inzest verbieten.

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