27.03.2021 - 09:36

Nun also doch Brandenburg verschärft Corona-Regeln: Ausgangssperre über Ostern

Von der Redaktion

Nichts los in Flensburg: Hier kennt man die Ausgangssperre bereits. Nun soll sie auch für Brandenburg kommen – zumindest nachts und über Ostern.

Foto: Getty Images/AXEL HEIMKEN / Kontributor

Nichts los in Flensburg: Hier kennt man die Ausgangssperre bereits. Nun soll sie auch für Brandenburg kommen – zumindest nachts und über Ostern.

Nachdem das Bundesland noch vor Kurzem angekündigt hatte, nicht auf die Notbremse ab einer Inzidenz von 100 zurückgreifen zu wollen, wird's nun doch härter in Sachen Corona in Brandenburg: Über Ostern plant man eine Ausgangssperre.

Noch ist nichts unterschrieben, doch der Schritt sei sehr wahrscheinlich, heißt es seitens Landesregierung: In Brandenburg soll eine Ausgangssperre über Ostern dabei helfen, die hohen Fallzahlen zu drücken. Derzeit weist das Bundesland eine Inzidenz von 130 auf.

Ausgangssperre über Ostern: Brandenburg macht wohl ernst

Noch vor Kurzem hatte Brandenburg mit der Ankündigung auf sich aufmerksam gemacht, die von Bund und Ländern eigentlich beschlossene Notbremse ab einer 7-Tage-Inzidenz von 100 Covid-19-Fällen pro 100.000 Einwohner nicht greifen zu lassen und stattdessen auf 200 hochzusetzen. Nach dem letzten Bund-Länder-Gipfel sieht die Sache anders aus und es gilt: Mehr als drei Tage über 100 und es gibt Konsequenzen.

Dass die nun jetzt in Form einer Ausgangssperre gezogen werden könnten, gilt als wahrscheinlich. An Ostern, also vom 1. bis 6. April, sollen Bürgerinnen und Bürger zwischen 22 und 5 Uhr Zuhause bleiben, wenn der Beschluss fällt. Das teilte die Staatskanzlei in Potsdam nun mit. Das Kabinett habe sich schon darauf verständigt, am Dienstag solle der Beschluss fallen. Das Verlassen des Hauses ist dann in der Zeit der Ausgangssperre nur noch aus triftigen Gründen, etwa Notfällen, möglich. Auch ein kurzer Gassi-Gang mit dem Hund bleibt aber erlaubt, solange er nur zur Erleichterung des Tieres dient.

Nicht die einzige Maßnahme

Weitere Schritte sollen die Kreise und kreisfreien Städte dann ergeifen, wenn die 7-Tage-Inzidenz noch länger als drei Tage erheblich über 100 liegt, heißt es.

Doch auch an Lockerungen denkt man: Regional können ab Mitte April bei entsprechender Inzidenz auch Öffnungen von Kultur und Tourismus in Form von Modellprojekten möglich sein. Dabei soll eine App, wahrscheinlich die Luca App zur Kontaktverfolgung unterstützen.

Aber: Bringen Ausgangssperren überhaupt etwas?

Viele Menschen fragen sich allerdings, ob nächtliche Ausgangssperren überhaupt etwas bringen. Schließlich könne man sich ja am Tage noch frei bewegen und Treffen einfach auf die Zeit zwischen 5 und 22 Uhr verlegen.

Einige Länder machen es bereits vor: In Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Sachsen und Thüringen gilt in Regionen mit hoher Inzidenz bereits eine Ausgangssperre. So macht etwa Bayern schon seit Mitte Februar in allen Landkreisen und kreisfreien Städten mit 7-Tage-Inzidenz von über 100 die Schotten zwischen 22 und 5 Uhr dicht. Wer dagegen verstößt, dem droht ein saftiges Bußgeld von 500 Euro.

Im Norden hatte man im Februar aufgrund enorm hoher Fallzahlen sogar noch härter reagiert: Flensburg hatte private Treffen wegen dem Coronavirus komplett untersagt.

Dennoch blieb die Inzidenz in vielen Gegenden zuletzt hoch. Ob Ausgangssperren nun hilfreich sind, darüber streiten sich sogar Experten. Erst seit Februar 2021 gibt es erste wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse aus Studien über den Nutzen von Ausgangssperren in der Pandemiebekämpfung. So kommt etwa eine Studie aus dem britischen Oxford zu dem Schluss, dass Ausgangssperren weit weniger effektiv seien als andere Maßnahmen wie Versammlungsbeschränkungen, Schulschließungen, Universitätsschließungen und Schließungen von Geschäften mit hohem "Face-to-face"-Risiko (Restaurants, Bars, Fitnessstudios). Unter den analysierten Maßnahmen in insgesamt 41 Ländern hatten die nächtlichen Ausgangssperren den geringsten Effekt gezeigt.

Die Forscher weisen allerdings darauf hin, dass es noch an Daten fehle, um signifikante Auswertungen zu treffen. Man hofft daher nun auf weitere Erkenntnisse aus anderen Ländern.

Der Lagebericht des RKI zeigt jedenfalls: Das Infektionsgeschehen bleibt weiter "diffus", eine Rückverfolgung kaum möglich. Doch es fallen vermehrt Infektionen in privaten Haushalten, dem beruflichen Umfeld sowie auch Kitas und Schulen auf. Und gegen letztere drei wirkt auch eine Ausgangssperre nicht.

Intensivmediziner weiter am Limit

Auch die Zahl der belegten Intensivbetten ist in Brandenburg zuletzt wieder stark gestiegen, von 312 vor zwei Wochen auf nun 412. Die Gesundheitsministerin des Landes, Ursula Nonnemacher, betont, man müsse sich nun auf eine weitere starke Zunahme an Intensivpatienten vorbereiten.

Das Personal in den Krankenhäusern steht deutschlandweit seit Monaten am Limit. Nun läuft alles darauf hin, erneut härter zu werden. Bereits vor knapp zwei Wochen forderten Intensivmediziner daher einen sofortigen Lockdown, der bisher aber nicht umgesetzt wurde. Angesichts der rasant steigenden Zahlen, erneut gab es über 20.000 Neuinfektionen an einem Tag, stellen sie diese Forderung nun erneut. Anders könne man das Coronavirus derzeit nicht mehr aufhalten.

So sieht's aktuell aus: Lockdown-Verlängerung, Kontaktbeschränkungen über Ostern: Die Beschlüsse des Corona-Gipfels

Studie:

Brauner, Kulveit et al. (Science, 2021): "Inferring the effectiveness of government interventions against COVID-19"

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