Aktualisiert: 03.04.2021 - 18:01

Nachehelicher Unterhalt Familienrecht, Teil 10: Wie viel & wie lange bekomme ich Geld von meinem Exmann?

In Teil 10 unserer Familienrecht-Serie geht's um den nachehelichen Unterhalt, den in der Regel der Mann an seine Exfrau zahlt. Doch wie lange und in welcher Höhe?

Foto: Getty Images / Denise Hasse

In Teil 10 unserer Familienrecht-Serie geht's um den nachehelichen Unterhalt, den in der Regel der Mann an seine Exfrau zahlt. Doch wie lange und in welcher Höhe?

Viele Frauen arbeiten während der Ehe weniger als ihr Gatte. Kommt es zur Scheidung, ist der Exmann deshalb häufig zu nachehelichem Unterhalt verpflichtet. Wie sich die Höhe und Dauer bemessen, erfahren Sie in Teil 10 unserer Familienrecht-Serie.

Die meisten kennen das: Während der Ehe macht der Mann Karriere, während die Frau beruflich zurücksteckt und sich ums Zuhause und die Kinder kümmert. Wen wundert's, dass Frauen nach einer Scheidung finanziell deutlich schlechter als ihre Exmänner gestellt sind? Gut, dass dieser Missstand durch den nachehelichen Unterhalt aufgefangen wird.

Allerdings gilt es zunächst zu klären, wie viel und wie lange der Exmann an seine einstige Gattin zahlen muss. Denn das hängt natürlich von vielen Faktoren ab. Auch der nacheheliche Unterhalt wird über das Familienrecht geregelt: Da den Überblick zu behalten und alles zu verstehen, ist nicht einfach. Genau deswegen haben wir eine Rechtsanwältin um Rat gefragt, die sich bestens damit auskennt. Anette Führing ist Fachanwältin für Familienrecht und spricht mit BILD der FRAU über das Thema – im heutigen 10. Teil der Familienrechtserie geht's um wichtige Fragen und Antworten rund um den nachehelichen Unterhalt.

Familienrecht, Teil 10: Das sollten Sie zum Thema nachehelicher Unterhalt wissen

Das Familienrecht regelt unter anderem die Rechtsverhältnisse der durch Ehe, Lebenspartnerschaft, Familie und Verwandtschaft miteinander verbundenen Personen. Anette Führing weiß, dass vor dem Familiengericht häufig Entscheidungen getroffen werden, die für Frauen, die von einer Trennung betroffen sind, weitreichende Folgen haben können.

Häufige Fragen, vor allem von Frauen, rund um nachehelichen Unterhalt sowie die Antworten darauf hat die Fachanwältin für BILD der FRAU aufgelistet.

  1. Mein Mann und ich trennen uns jetzt nach 20 Jahren. Ich bin 50 Jahre alt. Seitdem die Kinder vor ein paar Jahren zum Gymnasium wechselten, arbeite ich 20 Stunden in der Woche als Steuerfachangestellte. Mein Mann hat als Ingenieur nach dem Studium Karriere gemacht und ist Abteilungsleiter in einem Energieunternehmen. Habe ich überhaupt Anspruch auf Unterhalt nach der Scheidung?


    In dem geschilderten Fall hätten Sie einen Anspruch auf sogenannten Aufstockungsunterhalt, d.h. Sie können einen Unterhalt verlangen, da Sie aus ihrer Tätigkeit keinen existenzsichernden Unterhalt erzielen können.

  2. Ich habe die Kinder versorgt und daher meine Berufstätigkeit zunächst aufgegeben. Muss ich jetzt Vollzeit arbeiten?


    Nach der Scheidung kann tatsächlich von Ihnen eine Vollzeitbeschäftigung erwartet werden. Allerdings müssen hier die objektiven Arbeitsmöglichkeiten in ihrem Beruf beachtet werden. Sie müssten im Einzelfall ihre reale Beschäftigungsmöglichkeit nachweisen.

  3. Wie kann ich das machen?


    Sie müssten zur Durchsetzung Ihres Anspruches ausreichende Bewerbungen auf Vollzeitstellen nachweisen. Diese müssen selbstverständlich zielgerichtet sein und auf das jeweilige Stellenangebot zugeschnitten.

  4. Wenn ich nicht unmittelbar nach der Scheidung eine Vollzeitstelle finde, muss mein Mann trotzdem Unterhalt zahlen

    In einem solchen Fall würden ihre Einkünfte nicht ausreichen, um ihre Existenz zu sichern, sodass er nachehelichen Unterhalt zahlen müsste.
  5. Mein Mann hat mir gesagt, dass ich arbeiten gehen soll und er höchstens bis zu einem Jahr nach der Scheidung Unterhalt zahlen muss. Ist das richtig?

    Das Gesetz lässt tatsächlich eine Begrenzung des Unterhalts bezüglich der Dauer der Zahlung und der Höhe der Zahlung zu.
  6. Auf welche Höhe kann mein Unterhalt herabgesetzt werden?

    Es wird geprüft, ob sogenannte ehebedingte Nachteile eingetreten sind, die Sie daran hinderten, für Ihren eigenen Unterhalt selbst zu sorgen. Der sogenannte ehebedingte Nachteil ist auf alle Fälle die Pflege und Erziehung der gemeinschaftlichen Kinder. Hinzu kommt, dass Sie während der Erziehung dann auch nur in Teilzeit gearbeitet haben.
  7. Das hat mein Mann so gewollt.


    Dieses wird dann auch berücksichtigt, da die gemeinschaftliche Haushaltsführung während der Ehe und Ihrer Erwerbstätigkeit auf einer gemeinsamen Lebensplanung beruhten.

  8. Als Steuerfachangestellte kann ich jetzt natürlich nicht mehr so einfach Karriere machen.


    Der Nachteil liegt dann darin, dass Sie während der Berufspause und auch im Rahmen der Teilzeittätigkeit daran gehindert waren, Fortbildungsmaßnahmen zu ergreifen oder berufliche Qualifizierungsmöglichkeiten zu nutzen.

  9. Wie hoch ist denn nun der Nachteil?


    Der Nachteil ergibt sich aus der Gegenüberstellung des aktuell tatsächlichen oder erzielbaren Einkommens nach der Scheidung zu dem ohne die Ehe möglichen Einkommen. Einfacher ausgedrückt bedeutet das, wenn Sie ohne die Ehe nach dem Durchlaufen einer "normalen beruflichen" Laufbahn jetzt 400 Euro mehr verdient hätten, wäre dies der ehebedingte Nachteil.

  10. Wird es eigentlich gar nicht berücksichtigt, dass ich 20 Jahre lang verheiratet war?


    Die Dauer der Ehe findet ihre Berücksichtigung bei der Beurteilung, ob die Unterhaltszahlung zeitlich befristet wird. Er muss auf alle Fälle mehr als ein Jahr zahlen.


Mehr über unsere Familienrechtsexpertin erfahren Sie auf ra-fuehring.de, der Webseite von Anette Führing.

→ Hier geht's zum ersten Teil rund ums Familienrecht – was Frauen bei einer Trennung zusteht.

→ Weiter geht's mit dem Familienrecht: Was Frauen bei Trennung zusteht, Teil 2..

→ Mit dem Thema Sorge- und Umgangsrecht in Bezug auf gemeinsame Kinder beschäftigt sich Teil 3 unserer Familienrecht-Serie.

→ Und hier lesen Sie Teil 4, Familienrecht: Wem gehört was nach der Scheidung?

→ Von Immobilien handelt sowohl Familienrecht, Teil 5: Wer darf bei Scheidung in der Wohnung bleiben?

→ ... als auch Familienrecht, Teil 6: Was, wenn einer nach der Trennung das gemeinsame Haus verkaufen will?

→ Stichpunkt Zugewinn: Darum geht es in Familienrecht, Teil 7.

Familienrecht, Teil 8: Der Ex behauptet, den Kindern gehe es bei ihr nicht gut... Lesen Sie hier mehr dazu.

→ Welche besonderen Fragen sich beim Umgang in Corona-Zeiten stellen, erfahren Sie in Teil 9 der Familienrecht-Serie.

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