Aktualisiert: 20.03.2021 - 16:56

Fragen rund ums Kindeswohl Familienrecht, Teil 8: Der Ex behauptet, den Kindern gehe es bei ihr nicht gut...

Geht eine Ehe in die Brüche, streiten Eltern sich leider oft um die Kinder. In Teil 8 unserer Familienrecht-Serie geht es ums Kindeswohl: Was ist, wenn der Ex behauptet, die Kinder verwahrlosen bei ihr?

Foto: Getty Images / skynesher

Geht eine Ehe in die Brüche, streiten Eltern sich leider oft um die Kinder. In Teil 8 unserer Familienrecht-Serie geht es ums Kindeswohl: Was ist, wenn der Ex behauptet, die Kinder verwahrlosen bei ihr?

Kinder sind nach der Trennung der Eltern oft die Leidtragenden: Neben dem Sorge- und Umgangsrecht geht es oft auch ums Kindeswohl. Was, wenn der Ex der Meinung ist, dass die Kinder bei der Mutter verwahrlosen? Teil 8 unserer Familienrecht-Serie.

Es ist ein sehr trauriger, aber leider recht häufig vorkommender Fakt: Trennen sich Eltern, streiten sie sich um die Kinder – vor allem darum, wo sie künftig wohnen sollen. Eigentlich regelt das das Sorge- bzw. Umgangsrecht. Aber was, wenn der Ex-Partner behauptet, dass die Kinder bei der Exfrau verwahrlosen?

Es geht noch schlimmer: Wenn der Vorwurf laut wird, der Nachwuchs würde geschlagen oder gar misshandelt werden, soll und muss das geklärt werden! Welche Rechte und Pflichten haben Väter und Mütter dann? Auch darum geht es im Familienrecht: Da den Überblick zu behalten und alles zu verstehen, ist nicht einfach. Genau deswegen haben wir eine Rechtsanwältin um Rat gefragt, die sich bestens damit auskennt. Anette Führing ist Fachanwältin für Familienrecht und spricht mit BILD der FRAU über das Thema – heute über den 8. Teil der Familienrechtserie: Wichtige Fragen und Antworten, was das Kindeswohl betrifft.

Familienrecht, Teil 8: Das sollten Sie zum Thema Kindeswohl wissen

Das Familienrecht regelt unter anderem die Rechtsverhältnisse der durch Ehe, Lebenspartnerschaft, Familie und Verwandtschaft miteinander verbundenen Personen. Anette Führing weiß, dass vor dem Familiengericht häufig Entscheidungen getroffen werden, die für Frauen, die von einer Trennung betroffen sind, weitreichende Folgen haben können.

Häufige Fragen, vor allem von Frauen, rund ums Kindeswohl sowie die Antworten darauf hat die Fachanwältin für BILD der FRAU aufgelistet.

  1. Mein Mann und ich streiten uns um die Kinder. Er hat dem Jugendamt gegenüber erklärt, dass die Kinder bei mir verwahrlosen und ich sie häufig schlagen würde. Das Jugendamt will die Kinder in eine Jugendeinrichtung bringen. Geht das so einfach?

    Das Jugendamt kann eine so schwerwiegende Maßnahme nur veranlassen, wenn tatsächlich eine Kindeswohlgefährdung vorliegt.
  2. Was heißt Kindeswohlgefährdung?


    Es muss für die Kinder eine konkrete gegenwärtige Gefahr vorliegen, dass sie durch Ihr Verhalten als Elternteil erhebliche Schäden davontragen. Die Gefahr für die Kinder muss akut sein. Die Spekulation über eine künftige Gefahr reicht nicht aus.

  3. Was heißt denn Schädigung?


    Sie liegt z.B. vor, wenn Kinder häusliche Gewalt erleben müssen.

  4. Mein Mann und das Jugendamt haben einfach gesagt, ich könne die Kinder nicht erziehen.


    Für eine Trennung der Kinder von Ihnen und die Unterbringung in einer Einrichtung reicht es nicht aus, dass man vermutet, dass die Kinder besser erzogen oder gefördert werden können.

  5. Die Kinder sind 10 und 12 Jahre alt und fühlen sich wohl bei mir. Ich weiß gar nicht, was mein Mann will.

    Hier wird tatsächlich geschaut, wie die familiären Umstände sind. Natürlich überprüft man, ob langfristig oder latent die Möglichkeit besteht, dass die Kinder in Ihrem Haushalt vernachlässigt werden. Aber allein die Tatsache, dass sie berufstätig sind und nicht ständig die Wohnung aufräumen, kann nicht dazu führen, dass man Ihnen die Kinder wegnimmt.
  6. Meine Kinder bekommen Nachhilfe. Wäre dies ein Grund, mir die Kinder wegzunehmen?


    In einem solchen Fall kann man nicht davon sprechen, dass Schäden wegen mangelnder Förderung drohen. Nachhilfe ist hier ein von Ihnen verantwortungsvoll herangezogenes Mittel, um die Kinder zu fördern und zu unterstützen.

  7. Wer spricht denn mit den Kindern in einem solchen Fall?


    Der Fall würde zur Prüfung des Sorgerechts dem Familiengericht vorgelegt. Das Familiengericht würde überprüfen, von welcher Art, Schwere und Wahrscheinlichkeit die gefürchteten Beeinträchtigungen sind. Natürlich würden Sie im Einzelfall zu den Vorwürfen Stellung nehmen.

  8. Meine Kinder haben sich noch nicht beschwert.


    Die Kinder würden in einem solchen Verfahren von einem Verfahrensbeistand, einem sogenannten Anwalt des Kindes, und dem zuständigen Richter beim Familiengericht angehört. In dieser privaten, isolierten Atmosphäre haben die Kinder dann die Möglichkeit, sich frei zu äußern. Sofern die Kinder hier Beanstandungen äußern, müssen Sie diese natürlich hinnehmen.

  9. Was ist, wenn die Kinder sagen, sie wollen in eine Jugendeinrichtung?


    Dann muss das Jugendamt sie zunächst tatsächlich in eine Jugendhilfeeinrichtung bringen, bis die häusliche Situation geklärt ist.

  10. Was kann ich dagegen tun?


    Sie haben immer noch die Möglichkeit dieser Unterbringung zu widersprechen. Allerdings kann das Gericht dann durch Beschluss entscheiden, dass die Kinder tatsächlich zunächst in einer Jugendhilfeeinrichtung leben müssen. Die Sorgerechtsfrage wird dann vom Gericht geklärt.


Mehr über unsere Familienrechtsexpertin erfahren Sie auf ra-fuehring.de, der Webseite von Anette Führing.

→ Hier geht's zum ersten Teil rund ums Familienrecht – was Frauen bei einer Trennung zusteht.

→ Weiter geht's mit dem Familienrecht: Was Frauen bei Trennung zusteht, Teil 2..

→ Mit dem Thema Sorge- und Umgangsrecht in Bezug auf gemeinsame Kinder beschäftigt sich Teil 3 unserer Familienrecht-Serie.

→ Und hier lesen Sie Teil 4, Familienrecht: Wem gehört was nach der Scheidung?

→ Von Immobilien handelt sowohl Familienrecht, Teil 5: Wer darf bei Scheidung in der Wohnung bleiben?

→ ... als auch Familienrecht, Teil 6: Was, wenn einer nach der Trennung das gemeinsame Haus verkaufen will?

→ Stichpunkt Zugewinn: Darum geht es in Familienrecht, Teil 7.

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