07.03.2021 - 09:57

Panne schon beim Start Chaos um Corona-Schnelltests: Wo es sie ab Montag gibt – und wo nicht

Ab Montag sollen eigentlich kostenlose Corona-Schnelltests für alle Bürger bereit stehen. Doch an manchen Stellen hakt es noch.

Foto: Getty Images/SOPA Images / Kontributor

Ab Montag sollen eigentlich kostenlose Corona-Schnelltests für alle Bürger bereit stehen. Doch an manchen Stellen hakt es noch.

Ab Montag soll sie losgehen, die große Teststrategie in Deutschland. Nach über einem Jahr Pandemie soll es endlich wöchentlich für jeden Bundesbürger einen Corona-Schnelltest geben. Das aber klappt noch nicht überall...

Er hatte es groß angekündigt und musste schon einmal schieben: Ursprünglich sollte die Corona-Teststrategie schon am 1. März 2021 starten, jetzt soll es der 8. März sein. Doch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat möglicherweise erneut zu viel versprochen: Gratis-Schnelltests für alle – doch nicht überall sind sie zum Start verfügbar. Was ist da los? Wer darf sich auf mehr Sicherheit freuen – und wer muss weiter warten?

Chaos bei Gratis-Schnelltests: Ab Montag – aber wo?

Die jüngste Vereinbarung von Bund und Ländern sieht vor: Ab Montag, 8. März, sollen alle Bürger wöchentlich einen Corona-Schnelltest erhalten – kostenlos. 500 Millionen Tests sollten geliefert werden, das sei vertraglich gesichert, hieß es im Vorfeld seitens Spahn.

Kostenlos angeboten werden sollen Corona-Schnelltests, die von Profis durchgeführt werden müssen. Die einfacheren Selbsttests für zu Hause, bei denen das Teststäbchen nicht so weit in die Nase geführt wird, müssen Bürger selbst bezahlen, wenn sie Bedarf dafür haben.

Corona-Selbsttest anwenden: So geht’s!
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Durchgeführt werden sollen die kostenlosen Schnelltests ab Montag eigentlich in Apotheken, Testzentren (entweder durch Städte und Gemeinden selbst aufgebaut oder durch Organisationen wie die Feuerwehren) und bei Hausärzten. Doch es hapert wohl an der Infrastruktur. Und Jens Spahn musste bereits zugeben, dass das mit den Tests wohl nicht in allen Ländern auf Anhieb so klappen wird.

Denn einerseits wird's mit der Lieferung zum Start wohl eng – "vertraglich gesichert" heißt in dem Falle nur, dass Hersteller zugesagt haben, Bestellungen bedienen zu können, betont die Deutsche Presse-Agentur (dpa). Und andererseits sind die Teststationen offenbar noch nicht vollends im Bilde – oder gar gänzlich aufgebaut und organisiert.

Gegenüber der "Bild am Sonntag" äußert sich dazu der Vorsitzende des Hausärzteverbandes, Ulrich Weigeldt: "Wir wissen nicht einmal ansatzweise, wann diese Schnelltests in welchem Umfang von wem geordert und zu wem geliefert werden sollen." Außerdem könne man keinen Tag der offenen Tür für alle anbieten, die sich "mal eben spontan testen lassen wollen."

Und auch wird wohl nicht jede Apotheke dabei sein. Der Apothekerverband ABDA rechnet mit "20, 30 Prozent" der Apotheken in Deutschland.

Probleme auf Landesebene: Länder müssen selbst bestellen

Am Samstag ist der Verkauf für Corona-Selbsttests in Discountern gestartet – auch hier gab es Chaos, weil sowohl in den Märkten als auch online längst nicht so viele Tests verfügbar waren, wie von den Kunden erhofft.

Währenddessen muss etwa Mecklenburg-Vorpommern noch bis Mitte März warten. Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) stößt das sauer auf: "Ich will an dieser Stelle nicht verhehlen, dass ich sehr verärgert bin darüber, dass der Bund es zulässt, dass zunächst Aldi und Co Selbsttests verramschen können und wir die Selbsttests erst Mitte März geliefert bekommen", kritisierte sie am Samstag in Schwerin. Die Tests habe man nun selbst geordert. Auch Rheinland-Pfalzs Länderchefin Malu Dreyer gab mit anklingendem Unmut an, man habe sich jetzt selbst Tests beschafft.

Die Ministerpräsidenten hatten da aber wohl teilweise andere Erwartungen als der Bund. Den Funke-Zeitungen gegenüber erklärte Kanzleramtschef Helge Braun am Samstag das Missverständnis so: Der Bund bezahle die Tests zwar, doch ordern müsse man in den Ländern schon selbst: "Es war nie verabredet, dass der Bund für die Länder Schnelltests bestellt. Das ist die Aufgabe der Länder selbst."

Währenddessen sieht Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) die Lage entspannter und sieht den Vorwurf an den Bund als "billig" an. "Schnelltests sind im Übermaß produziert und lieferbar", sagte er der Funke Mediengruppe.

Wie ist das in Unternehmen und Betrieben?

Während Freizeitaktivitäten fast gänzlich ausgeschlossen sind, wird munter weiter gearbeitet. Eigentlich sollten Unternehmen nun auch wöchentlich ihre Mitarbeitern mit einem Schnelltest auf das Coronavirus testen. Doch bisher gab es laut "Bild" keine Einigung mit der Wirtschaft. Am Dienstag solle nun weiter verhandelt werden.

In Schulen soll es pro Unterrichtswoche ebenfalls einen Test für jeden Schüler geben – auf Kosten des jeweiligen Bundeslandes. Wie aber die Tests in die Schulen kommen sollen und wer sie macht, ist logistisch bislang nicht geklärt. Ähnlich sieht es in Kitas aus. Hier sollen vom Land bezahlte, für kleine Kinder angenehmere und einfacher anwendbare Selbsttests angewendet werden.

Was bringen die Selbsttests überhaupt?

Noch sind die Schnelltests und Selbsttests allerdings vor allem dafür da, um Kontaktpersonen besser zu schützen, etwa bevor man ältere oder vorbelastete Familienmitglieder besucht. Maske, Abstand, Lüften und Handhygiene sind dabei übrigens trotzdem noch sinnvoll, denn nur alles zusammen gibt den besten Schutz.

Freiheiten im persönlichen Leben, etwa in Biergärten, Theatern, Kinos oder Fitnessstudios, soll es erst ab frühestens 22. März geben, sofern die Inzidenz denn unter 100 liegt. Mehr dazu: Der Lockdown soll verlängert werden – mit Ausnahmen!

Bei den selbst zu kaufenden Selbsttests gibt es darüber hinaus keine Kontrolle. Positiv Getestete werden angehalten, sich zu isolieren und einen PCR-Test zu machen, um das Ergebnis zu verifizieren.

Nach einem Schnelltest in Testzentrum oder Apotheke sowie beim Arzt soll es dagegen eine Bescheinigung über Identität und Testtag geben.

Beachten Sie: Ein Schnelltest ist, ebenso wie ein Selbsttest, immer nur eine Momentaufnahme. Sie könnten während des Testens durchaus bereits infiziert sein, aber noch keine hohe Viruslast aufweisen, oder sich kurz später infizieren. Daher geben Schnelltests nur unmittelbar vor einer Aktivität eine gewisse Sicherheit.

Währenddessen an der Impf-Front...

Das Corona-Schnelltest-Chaos gesellt sich zum Chaos, das derzeit beim Impfen herrscht. Nicht überall verläuft die Terminvergabe glatt, teilweise bleibt Impfstoff liegen, anderswo werden Menschen mit Impftermin wieder weggeschickt. Hier sind bisher auch die Länderchefs gefragt. So schlug etwa Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann zuletzt vor, die Impfreihenfolge weiter zu lockern. "Wir können uns keineswegs erlauben, Impfdosen stehen zu lassen", sagte er der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". "Ich bin deshalb dafür, dass man zusätzlich zu den Impfzentren so schnell wie möglich in den Arztpraxen impft und dass das feste Impfschema dort dann wirklich nur noch eine Empfehlung ist, denn Ärzte sind es gewohnt, zu priorisieren, und sie sollten das in eigener Verantwortung machen."

Je nach Bundesland: So kommen Sie an Ihren Impftermin

Der Bund soll das Chaos nun ordnen: Hoffen wir, dass die Kommunikation in der nun gebildeten "Impf-Taskforce" besser funktioniert. Die besteht neben Bundesgesundheitsminister Spahn noch aus dem Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur, Andreas Scheuer...

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