Aktualisiert: 06.03.2021 - 18:20

Immobilie zusammen erworben? Familienrecht, Teil 6: Was, wenn einer nach der Trennung das gemeinsame Haus verkaufen will?

Auch in Teil 6 unserer Familienrecht-Serie geht es um Immobilien, genauer gesagt ums gemeinsame Haus: Was ist, wenn einer verkaufen will, der andere nicht?

Foto: Getty Images / Malte Mueller

Auch in Teil 6 unserer Familienrecht-Serie geht es um Immobilien, genauer gesagt ums gemeinsame Haus: Was ist, wenn einer verkaufen will, der andere nicht?

Der Traum vom gemeinsamen Häuschen: Viele lassen ihn wahr werden, doch wenn es zur Trennung kommt und einer verkaufen will, einer nicht – was dann? Teil 6 unserer Familienrecht-Serie befasst sich nochmal mit dem Thema Immobilien.

Es ist der Traum der allermeisten Paare: Nach der Hochzeit wird auf das eigene gemeinsame Häuschen gespart. Wobei Stadtmenschen möglicherweise eine Wohnung bevorzugen – Hauptsache, zusammen! In der Regel wird die Immobilie gemeinsam finanziert. Bei Beträgen dieser Größenordnung fällt es besonders ins Gewicht, ob und wie sich das Ex-Paar einigt, wenn es zur Trennung kommt.

Was, wenn einer der beiden das Haus verkaufen will, der andere aber nicht? Wer legt den Wert des Grundstücks fest? Und wer zahlt das? Auch um solche Themen geht es im Familienrecht: Da den Überblick zu behalten und alles zu verstehen, ist nicht einfach. Genau deswegen haben wir eine Rechtsanwältin um Rat gefragt, die sich bestens damit auskennt. Anette Führing ist Fachanwältin für Familienrecht und spricht mit BILD der FRAU über das Thema – heute über den 6. Teil der Familienrechtserie: Wichtige Fragen und Antworten rund um das eigene Haus bzw. die gemeinsame Immobilie.

Familienrecht, Teil 6: Das sollten Sie zum Thema eigenes Haus und Immobilien wissen

Das Familienrecht regelt unter anderem die Rechtsverhältnisse der durch Ehe, Lebenspartnerschaft, Familie und Verwandtschaft miteinander verbundenen Personen. Anette Führing weiß, dass vor dem Familiengericht häufig Entscheidungen getroffen werden, die für Frauen, die von einer Trennung betroffen sind, weitreichende Folgen haben können.

Häufige Fragen, vor allem von Frauen, rund um das eigene Haus oder eine andere Immobilie sowie die Antworten darauf hat die Fachanwältin für BILD der FRAU aufgelistet.

  1. Mein Mann und ich sind Miteigentümer unseres Einfamilienhauses und streiten uns um den Wert des Hausgrundstücks. Das Reihenhaus ist unser einziges Vermögen. Wie können wir den Wert kostengünstig bestimmen?


    Sie können zunächst versuchen, über einschlägige Immobilienportale oder Makler eine Wertbestimmung vorzunehmen. Allerdings haben die Auskünfte keinen Beweiswert und sind unzuverlässig.

  2. Mein Mann will ein Privatgutachten anfertigen lassen.


    Das hat nur Sinn, wenn Sie mit dem Gutachter einverstanden sind und auch bereit sind, den festgestellten Wert zu akzeptieren. Wenn Sie jedoch das Privatgutachten ablehnen, hat es keinen Beweiswert.

  3. Was können wir bei dieser verfahrenen Situation tun? Wir möchten demnächst die Scheidung einreichen.

    Eine kostengünstige Möglichkeit zur Klärung des Wertes ist der Antrag eines selbstständigen Beweisverfahren. Da Sie noch kein Scheidungsverfahren eingeleitet haben und auch noch kein Antrag auf Zugewinnausgleich gestellt wurde, ist dieses selbstständige Verfahren möglich und sinnvoll.
  4. Was passiert bei dem Verfahren?


    Das Gericht erteilt einem Sachverständigen den Auftrag ein Gutachten über den Wert des Hauses zu erstellen. Dieses ist ein objektives Verfahren. Nachdem der Wert so festgestellt wurde, wird sich überwiegend die Einigung über den Wert einstellen.

  5. Wer trägt denn die Kosten dafür?


    Wenn sich beide Ehepartner über den Wert einigen und kein weiteres Gerichtsverfahren eingeleitet wird, sollte keine Kostenentscheidung getroffen werden. Kostenschuldner ist dann allerdings der Antragsteller.

  6. Mein Mann will nun plötzlich seine Eigentumshälfte verkaufen, da ich dem Verkauf des Reihenhauses nicht zustimme.


    Da Ihr Reihenhaus Ihr einziger Vermögensgegenstand ist, kann er ohne Ihre Einwilligung das Haus nicht verkaufen.

  7. Er will die Versteigerung des Hauses beantragen.


    Sofern Sie grundsätzlich nicht dem Verkauf des Reihenhauses zustimmen, kann man die sogenannten Teilungsversteigerung beim Amtsgericht beantragen. Da jedoch das Reihenhaus das ganze bzw. nahezu ganze Vermögen darstellt, müssen Sie auch in diesem Fall der Versteigerung zustimmen.

  8. Das werde ich nicht tun. Ich will das Haus für die Kinder erhalten.


    Bei einer Verweigerung der Zustimmung kann das Amtsgericht auf Antrag Ihres Ehepartners die fehlende Zustimmung ersetzen. Das Gericht überprüft, ob die Versteigerung der ordnungsgemäßen Verwaltung entspricht und ob Sie die Zustimmung ohne einen nachvollziehbaren Grund verweigern.

  9. Zählt es nicht, dass ich das Haus für die Kinder erhalten würde?


    Emotionale Gründe werden nicht berücksichtigt. Wenn ganz offensichtlich ist, dass Sie die Hauslasten nicht alleine tragen können und auch die Eigentumshälfte Ihres Mannes nicht finanzieren können, ist ernsthaft zu überlegen, ob das Haus nicht verkauft werden sollte

  10. Wir sind ja noch gar nicht geschieden. Kann er da einfach so die Versteigerung beantragen?


    Vor der Rechtskraft der Scheidung, also der Endgültigkeit der Scheidung, ist die Versteigerung mit hohen Hürden verbunden. Die Miteigentumsgemeinschaft kann nicht einfach aufgelöst werden.


Mehr über unsere Familienrechtsexpertin erfahren Sie auf ra-fuehring.de, der Webseite von Anette Führing.

→ Hier geht's zum ersten Teil rund ums Familienrecht – was Frauen bei einer Trennung zusteht.

→ Weiter geht's mit dem Familienrecht: Was Frauen bei Trennung zusteht, Teil 2.

→ Mit dem Thema Sorge- und Umgangsrecht in Bezug auf gemeinsame Kinder beschäftigt sich Teil 3 unserer Familienrecht-Serie.

→ Und hier lesen Sie Teil 4, Familienrecht: Wem gehört was nach der Scheidung?

→ Von Immobilien handelt bereits Familienrecht, Teil 5: Wer darf bei Scheidung in der Wohnung bleiben?

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