Aktualisiert: 27.02.2021 - 17:09

Miete, Hausbau, Wohnrecht Familienrecht, Teil 5: Wer darf bei Scheidung in der Wohnung bleiben?

In Teil 5 unserer Familienrecht-Serie geht es um Immobilien, Wohnrecht und Hausbau: Wie sieht's damit bei einer Scheidung aus?

Foto: Getty Images / Westend61

In Teil 5 unserer Familienrecht-Serie geht es um Immobilien, Wohnrecht und Hausbau: Wie sieht's damit bei einer Scheidung aus?

Wer sich scheiden lässt, will in der Regel nicht mehr zusammen leben. Doch wer darf in der gemeinsamen Wohnung bleiben? In Teil 5 unserer Familienrecht-Serie dreht sich alles ums Thema Immobilien und Wohnrecht.

Zusammenzuwohnen kann für Paare der Himmel auf Erden sein – und ganz schnell zur Hölle werden, wenn es sich trennt. Dann heißt es nämlich nicht nur, die finanziellen Dinge ganz allgemein zu regeln und sich beim Hausrat und der Einrichtung möglichst gütlich zu einigen, sondern auch festzulegen, wer jetzt in der gemeinsamen Wohnung wohnen bleiben darf.

Wie ist das, wenn es sich um eine gemeinsam gekaufte Immobilie handelt? Was, wenn einer von beiden sich weigert auszuziehen? Und was muss ausgezahlt werden? Auch solche Belange sind im Familienrecht festgehalten: Da den Überblick zu behalten und alles zu verstehen, ist nicht einfach. Genau deswegen haben wir eine Rechtsanwältin um Rat gefragt, die sich bestens damit auskennt. Anette Führing ist Fachanwältin für Familienrecht und spricht mit BILD der FRAU über das Thema – heute über den 5. Teil der Familienrechtserie: Wichtige Fragen und Antworten rund um Immobilien, Hausbau und Wohnrecht.

Familienrecht, Teil 5: Was Sie zum Thema Immobilien wissen sollten

Das Familienrecht regelt unter anderem die Rechtsverhältnisse der durch Ehe, Lebenspartnerschaft, Familie und Verwandtschaft miteinander verbundenen Personen. Anette Führing weiß, dass vor dem Familiengericht häufig Entscheidungen getroffen werden, die für Frauen, die von einer Trennung betroffen sind, weitreichende Folgen haben können.

Häufige Fragen, vor allem von Frauen, rund um Hausbau, Immobilien und Wohnrecht sowie die Antworten darauf hat die Fachanwältin für BILD der FRAU aufgelistet.

  1. Mein Mann und ich haben zusammen ein Haus gebaut. Wir sind beide Eigentümer. Ich möchte in dem Haus wohnen.


    Sie können von Ihrem Ehemann verlangen, dass er Ihnen die Ehewohnung für die Dauer des Getrenntlebens zur alleinigen Nutzung überlässt. Sofern sie keine Regelungen dazu treffen, wer nun endgültig die gemeinsame Immobilie nutzt, hilft Ihnen sogar eine Vermutungsregelung im Gesetz:
    Wenn ein Ehepartner ausgezogen ist und nicht innerhalb von sechs Monaten die Absicht bekundet, wieder in die Immobilie einzuziehen, wird nun unwiderleglich vermutet, dass er dem anderen die Immobilie zu Wohnzwecken überlassen hat.

  2. Kann er trotzdem zurückkommen?


    Wenn Ihr Ehepartner nach seinem Auszug wieder in die Immobilie einziehen möchte, muss er innerhalb der sechsmonatigen Frist Ihnen gegenüber den Rückkehrwillen geäußert haben.

  3. Muss ich meinem Mann für seine Eigentumshälfte Miete zahlen?
    Wenn er auszieht, hat er sein Besitzrecht verloren und kann für diesen wirtschaftlichen Nachteil eine Vergütung verlangen. Er muss aber Ihnen gegenüber deutlich erklären, dass er eine Nutzungsentschädigung verlangt. Auch muss er den Zeitpunkt für den Zahlungsbeginn festlegen.
  4. Ich werde die monatlichen Schulden für das Haus schon ab seinem Auszug selbst tragen. Was kann ich hier als Nutzungsentschädigung ansetzen?

    Obergrenze für die Nutzungsentschädigung ist die ortsübliche Miete für eine vergleichbare Wohnung. Während der Trennungszeit setzt man den Mietpreis für eine angemessene kleine Wohnung an.
  5. Was ist, wenn er die Miete nicht zahlen kann?


    Die von Ihnen für das Haus entrichteten Darlehensverbindlichkeiten während der Trennungszeit werden auf alle Fälle beim sogenannten Zugewinnausgleich berücksichtigt.

  6. Was heißt das?


    Vereinfacht gesagt, können Sie ab dem Datum der Zustellung des Scheidungsantrages an Ihren Ehemann einen Ausgleich des in der Ehe erworbenen Zugewinns verlangen. Dies bedeutet, dass eine Bilanz beider Ehepartner über ihr Endvermögen zum Stichtag der Zustellung des Scheidungsantrages und des Anfangsvermögens zum Zeitpunkt des Tages der Heirat erstellt wird.

  7. Wird tatsächlich eine Bilanz erstellt?


    Im Grunde ja, da die einzelnen Vermögenspositionen die am Ende der Ehe vorhanden sind, so zum Beispiel Hauseigentum, Aktiendepots, Sparkonto, usw. aufgelistet werden. Davon wird dann das Anfangsvermögen bei der Heirat jeweils bei jedem Ehepartner abgezogen. In das Endvermögen können Sie die Ausgleichsforderung gegen den Ehepartner einstellen.

  8. Für den Hausbau habe ich meinen Bausparvertrag aufgelöst und 30.000 Euro in das Haus gesteckt. Muss er mir den Betrag zurückzahlen?


    Grundsätzlich wird bei einer Zugewinngemeinschaft eine Zuwendung der Ehepartner untereinander nicht einzeln rückabgewickelt. Die Ehepartner gehen davon aus, dass von dem anderen Ehepartner zugewendete Beträge oder Vermögensgegenstände der Ehe zugutekommen.

  9. Meine Eltern haben uns 30.000 € für den Hausbau geschenkt. Müssen wir die zurückzahlen bei der Scheidung?


    Grundsätzlich geht man davon aus, dass diese Schenkung an Sie als Kind erfolgte. Ihre Eltern können diese Schenkung an Sie nur wegen groben Undanks zurückfordern. Ihre Eltern müssten bei Ihnen ein hohes Maß an Dankbarkeit vermissen und dies natürlich beweisen.

  10. Das ist hier nicht so. Aber mein Mann soll mir seinen Teil der Schenkung zurückgeben.


    Sie können diese Schenkung beim Zugewinnausgleich in Ihr Anfangsvermögen einsetzen, damit verringert sich ihr Zugewinn, und Ihre Ausgleichspflicht sinkt.


Mehr über unsere Familienrechtsexpertin erfahren Sie auf ra-fuehring.de, der Webseite von Anette Führing.

→ Hier geht's zum ersten Teil rund ums Familienrecht – was Frauen bei einer Trennung zusteht.

→ Weiter geht's mit dem Familienrecht: Was Frauen bei Trennung zusteht, Teil 2.

→ Mit dem Thema Sorge- und Umgangsrecht in Bezug auf gemeinsame Kinder beschäftigt sich Teil 3 unserer Familienrecht-Serie.

→ Und hier lesen Sie Teil 4, Familienrecht: Wem gehört was nach der Scheidung?

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