Aktualisiert: 29.03.2021 - 14:11

Kontaktverfolgung in diesen Ländern Luca App: Diese App entlastet Gesundheitsämter

Endlich wieder ins Café? Die Luca App könnte den Weg dahin vereinfachen – indem sie die Kontaktverfolgung vereinfacht und schneller gestaltet. Mit QR-Codes bei Treffen ein- und auschecken lautet die Devise. Ein paar Bundesländer wollen sie jetzt einführen.

Foto: Getty Images/Westend61

Endlich wieder ins Café? Die Luca App könnte den Weg dahin vereinfachen – indem sie die Kontaktverfolgung vereinfacht und schneller gestaltet. Mit QR-Codes bei Treffen ein- und auschecken lautet die Devise. Ein paar Bundesländer wollen sie jetzt einführen.

Eines haben wir in den Monaten der Pandemie gelernt: Die Gesundheitsämter kommen seit Monaten nicht hinterher und die Kontaktverfolgung funktioniert nicht – dabei muss es doch irgendwie vorwärts gehen. Hier setzt eine neue Kontaktverfolgungs-App an: die Luca App. Und sie wurde entwickelt von Kulturschaffenden – um vielleicht bald den Weg zum (halbwegs) normalen Leben zu ebnen. Jetzt greifen immer mehr Länder darauf zurück.

Das mit der Kontaktverfolgung in der Coronavirus-Pandemie klappt hier bei uns ja... sagen wir... nicht so gut bis gar nicht. Die Corona-Warn-App ist, wenn von vielen Menschen verwendet, zwar durchaus nützlich, aber im Hinblick auf Öffnungen nicht ausreichend – und das Zusammenspiel mit den total überlasteten Gesundheitsämtern funktioniert nicht richtig. Dabei wollen wir doch alle endlich wieder mehr machen können, mit Freunden ein Kaltgetränk zu uns nehmen oder mit der Familie endlich nochmal schick essen gehen.

Bis dahin steht uns aber vor allem eines im Weg: die dritte Welle. Dennoch wird derzeit an diversen Öffnungen festgehalten. Da muss zwingend eine funktionierende Kontaktverfolgung her. Und die soll mit einer App ermöglicht werden: Die Luca App soll Nutzern erstens eine Übersicht über ihre Kontakte geben und zweitens dafür sorgen, dass Gesundheitsämter schneller reagieren können. In Restaurants und Kulturstätten soll dadurch die zu Recht kritisierte Zettellösung vom Sommer der Vergangenheit angehören, sobald hier wieder geöffnet werden darf. Aber auch für den privaten Bereich, Geschäfte und Co ist ein solches System hilfreich.

Luca App: Das steckt dahinter

Das Gesicht der Luca App ist Musiker Smudo von den "Fanta Vier". Er hat die App nämlich zusammen mit anderen Kulturschaffenden und einem Berliner Start-up sowie unter Beteiligung des Hasso-Plattner-Instituts und der Bundesdruckerei entwickelt. Mit dem System "Sormas" der Gesundheitsämter ist sie außerdem verbunden.

Mal eben im Biergarten anmelden

Und was kann sie? Die Kontaktverfolgung zwischen Personen einfacher gestalten. Denn einerseits wird der Gedanke an Biergarten und Co immer lauter, andererseits benötigen wir jetzt zwingend sinnvolle Lösungen, um die Kontaktverfolgung trotz hoher Infektionszahlen wieder besser unter Kontrolle zu bekommen. Damit nicht alles auf dem Ruder läuft, muss es ein System geben, mit dem wirklich schnell gewarnt werden kann. Denn wir haben gemerkt: Auf den Anruf des Gesundheitsamt zu warten funktioniert nicht. Und die letztjährigen Zettellisten waren ein Graus für den Datenschutz und mit Einträgen von Donald Duck bis Bibi Blocksberg nicht wirklich hilfreich.

Statt Zetteln mit Kontaktdaten soll man sich via QR-Code nun im Restaurant, auf dem Fußballplatz oder irgendwann einmal vielleicht beim Konzert an- und später wieder abmelden können. Die App könne sogar nachvollziehen, wer mit wem am Tisch gesessen hat, erklären die Verantwortlichen. Das Ganze funktioniere trotzdem gänzlich verschlüsselt. Die Daten seien nur für Ämter sichtbar, um im Ernstfall informieren zu können. Das geht natürlich schneller als die Auswertung von langen Zettellisten mit unvollständigen Daten.

Und so funktioniert das Ganze

Wer die App installiert hat, gibt seine ganz normalen Kontaktdaten an: Name, Adresse und Telefonnummer. Also all das, was man auch auf die unsäglichen Zettel hätte eintragen sollen – oder was man viel bereitwilliger rausrückt, wenn man im Internet mal wieder ein Paar Schuhe bestellt. Das war's auch schon. Nun hat man zwei Möglichkeiten:

  1. Im Startbildschirm der sehr einfach aufgebauten App wird ein anonymer QR-Code angezeigt, den man entweder scannen lassen kann. Man kann aber auch selbst QR-Codes scannen, wenn man etwa ein Restaurant betritt. Das alles läuft anonym ab. Auch die Aufenthaltsdauer wird aufgezeichnet.
  2. Es lässt sich aber auch ein privates Treffen starten. So wird die Kontaktverfolgung auch bei Treffen mit Familie oder Freunden vereinfacht. Hier werden Vor- und Nachnamen in der persönlichen Historie gespeichert und das Treffen in der App hinterlegt. Das Ganze klappt übrigens auch im Büro.

Stellt man als Nutzer nun plötzlich Covid-Symptome fest und der Corona-Test ist positiv, lassen sich über die App in Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsamt alle Check-ins der vergangenen Wochen melden. Die Luca App informiert dann die Nutzer, die sich in der Nähe aufgehalten haben, also ebenfalls eingecheckt waren. Sprich: Die App informiert dann, anders als die Corona-Warn-App auch, wo der Kontakt bestand. Nach spätestens vier Wochen werden übrigens alle Check-ins gelöscht.

Die App läuft also anders als die Corona-Warn-App nicht immer, sondern ist explizit für Bereiche gedacht, in denen man länger mit anderen Menschen zusammen ist.

Damit die App später auch für Restaurants und Kulturstätten funktioniert, müssen diese mit den Betreibern zusammenarbeiten und das System anbieten.

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Einziger Haken: Gesundheitsämter müssen mitspielen

Das Ziel der Entwickelnden: Das kulturelle Leben zumindest wieder teil-beleben, so zitiert sie der WDR. "Luca ist eine massive Entlastung der Gesundheitsämter“, sagt Smudo von den "Fanta Vier" dem Sender gegenüber. So eine App, die einen Hin- und Rückkanal zum Gesundheitsamt hat, gebe es in ganz Europa nicht, so Smudo. Und sie funktioniere im Stadion wie im Restaurant.

In diesen Bundesländern ist die Luca App schon jetzt oder bald nutzbar

Für private Treffen lässt sich die Luca App zumindest schon einmal überall als eine Art Tagebuch nutzen. Mehr und mehr Bundesländer schalten aber auch ihre Gesundheitsämter frei. Eine Übersicht:

Baden-Württemberg: Man hat laut Sozialministerium Lizenzen für den flächendeckenden Einsatz beschafft. Das Kabinett muss noch zustimmen.

Brandenburg: Ein Vertrag mit dem Informations- und Kommunikations-Dienstleister Dataport ist bereits geschlossen. Noch vor Ostern will man bis zu sechs Landkreise anbinden, bis Ende April sollen alle anderen Gesundheitsämter folgen.

Hessen: Das Digitalministerium will künftig flächendeckend die Luca App nutzen, um die Impf- und Teststrategie sinnvoll zu ergänzen. Bei den ersten sechs Gesundheitsämtern soll sie ab dieser Woche installiert werden.

Niedersachsen: Hier gibt es bisher einen einjährigen Vertrag zur Nutzung. Die App soll vor allem bei den Modellversuchen einzelner Kommunen helfen, die nach Ostern Handel, Gastronomie oder Kultur probeweise öffnen wollen. Bis in einem Monat will man dann alle 43 Gesundheitsämter in Niedersachsen an das System anschließen. Auf den friesischen Inseln Sylt, Amrum und Föhr ist die Luca App bereits seit einigen Wochen im Einsatz. Händler, Restaurants und Hotels haben sich bereits angemeldet und auch in Büros ist sie schon nutzbar.

Sachsen-Anhalt: Hier ist der Salzlandkreis bereits dabei.

Schleswig Holstein: Ein Teil der Gesundheitsämter ist bereits angeschlossen, der Rest soll bald folgen. So ist der Einsatz etwa bereits in Husum möglich.

Thüringen: In Thüringen setzt man nicht nur auf Luca, sondern auf eine offene Schnittstelle zum IT-System Sormas der Gesundheitsämter. Damit könnten auch andere Anwendungen genutzt werden. Die Luca App ist nämlich nicht die einzige ihrer Art.

An anderen Orten Deutschlands müssen die Gesundheitsämter – übrigens die einzigen, die dafür zahlen müssen – die App noch unterstützen. Ohne Gesundheitsamt funktioniert die App nicht. Doch insbesondere für die Gesundheitsämter würde eine solch einfache Möglichkeit wohl eine große Entlastung darstellen – und dazu die Verfolgung von Infektionsketten viel schneller möglich machen. So lässt sich das Coronavirus zusammen mit Hygiene, Impfungen und gesundem Menschenverstand vielleicht doch schneller aufhalten als wir jetzt denken.

Wer testen möchte, ob sein Kreis bereits dabei ist, kann dies auf der offiziellen Luca-Seite tun.

Wer die Luca App bereits installieren und schon einmal für eine persönliche Übersicht über private Treffen nutzen will, kann sie im Google Play Store oder im Apple App Store herunterladen. Auch als Webapp ist sie verfügbar.

Neues gibt's derweil auch von der Corona-Warn-App: Neue Funktionen wie Pandemie-Kennzahlen sind jetzt verfügbar. Und sie soll nun auch noch genauer werden, indem die App nun schon bei weniger Minuten als zuvor, in denen ein gesundheitsgefährdender Kontakt bestand, informiert – im Hinblick auf die ansteckenderen Mutanten. Wenn Sie bereits erkrankt sind und einen Überblick über Ihre Symptome behalten wollen, ist vielleicht das digitale Symptomtagebuch etwas für Sie.

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