10.02.2021 - 11:17

Das sagt das Arbeitsrecht Unfallgefahr durch Eis und Schnee: Muss ich trotzdem zur Arbeit?

Im Winter ist die Unfallgefahr wegen vereister und verschneiter Straßen besonders hoch. Hier erfahren Sie, ob Sie trotz Eis und Schnee zur Arbeit gehen müssen.

Foto: Getty Images/ Photo by Rafa Elias

Im Winter ist die Unfallgefahr wegen vereister und verschneiter Straßen besonders hoch. Hier erfahren Sie, ob Sie trotz Eis und Schnee zur Arbeit gehen müssen.

Vereiste Straßen und Schneemassen erschweren den Weg zur Arbeit nicht nur, sondern erhöhen auch die Unfallgefahr. Hier erfahren Sie, ob Sie der Arbeit in einem solchen Fall fernbleiben dürfen.

Am Wochenende gab es in vielen Teilen Deutschlands einen neuen oder sogar den ersten Wintereinbruch des Jahres. Der hat es in sich: Wir schlottern bei Temperaturen um die -10 Grad, schlittern auf vereisten Wegen und schippen fleißig unsere Einfahrt frei. Doch so sehr wir uns auch bemühen, die Wege um unsere Haustür herum begehbar zu halten, auf den Zustand der Straßen können wir nur wenig Einfluss nehmen. Doch wie ist das eigentlich, wenn Schneemassen und Glatteis den Weg zur Arbeit nicht nur erschweren, sondern sogar gefährlich machen? Muss ich trotz Unfallgefahr durch Schnee und Eis zur Arbeit gehen?

Eis und Schnee: Muss ich trotzdem zur Arbeit?

Wer momentan vom Homeoffice aus arbeitet, muss sich darum nicht sorgen und auch denjenigen, die mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zur Arbeit fahren, stellt sich diese Frage nicht – solange es wegen des Wintereinbruchs nicht zu Störungen im Betriebsablauf kommt. Doch für jene, die mit dem Auto oder gar mit dem Fahrrad zur Arbeit kommen, hat das Schneechaos in Deutschland ernsthafte Folgen: Trotz Winterdienst steigern vereiste Straßen, Schneeberge am Straßenrand und schlechte Sicht die Unfallgefahr enorm. Das müsste doch eigentlich ein guter Grund sein, um der Arbeit fernzubleiben – oder?

Ja, Sie müssen zur Arbeit gehen

Tatsächlich liegen die Dinge anders. Als Arbeitnehmer ist es Ihre Pflicht, zur Arbeit zu erscheinen – zumindest, wenn Sie bezahlt werden möchten. Zwar sieht das Bürgerliche Gesetzbuch auch eine Ausnahme vor, der § 616 regelt die "vorübergehende Verhinderung" des Arbeitnehmers. Genauer heißt es: "Der zur Dienstleistung Verpflichtete wird des Anspruchs auf die Vergütung nicht dadurch verlustig, dass er für eine verhältnismäßig nicht erhebliche Zeit durch einen in seiner Person liegenden Grund ohne sein Verschulden an der Dienstleistung verhindert wird."

Das bedeutet: Wenn Ihnen als Individuum etwas passiert, dass Sie daran hindert, Ihre Arbeit auszuüben, werden Sie dennoch bezahlt. Ein Beispiel dafür wäre Krankheit. Das Wetter und seine Folgen betreffen aber nicht nur Sie als Individuum, sondern alle Menschen gleichermaßen. Es liegt also in Ihrer Verantwortung, den Weg zum Arbeitsplatz irgendwie zu meistern. Sollte Ihnen das nicht möglich sein, ist es rechtens, Sie für die ausgefallenen Stunden nicht zu bezahlen. Nachholen müssen Sie die Stunden laut Dienstleistungsgewerkschaft Verdi aber nicht, es sei denn, Ihr Arbeitgeber führt ein Konto über Minus- und Überstunden.

Verspätung und Abmahnung

Eis und Schnee fungieren auch nicht als Ausrede für Verspätung: Wenn Ihr Arbeitsweg wegen der Wetterverhältnisse erheblich länger dauert, ist es Ihre Verantwortung, sich entsprechend früher auf den Weg zu machen, damit Sie nicht zu spät kommen.

Es ist also möglich, dass Sie einen Verdienstausfall hinnehmen müssen – eine Abmahnung ist aber laut Verdi nur dann gerechtfertigt, wenn von Ihrer Seite vorwerfbares Verhalten vorliegt. Das bedeutet: Wenn Sie nicht mit den wetterbedingten Beeinträchtigungen rechnen konnten, weil es zum Beispiel über Nacht glatt geworden ist, ist eine Abmahnung nicht gerechtfertigt. Wenn die Wetterverhältnisse aber bereits seit Tagen gleich sind, ist es Ihre Verantwortung, Ihre Planung dementsprechend anzupassen.

Auf Glatteis ausgerutscht! Was nun?

Zu guter Letzt noch ein schwacher Trost: Falls Sie wegen des Wetters tatsächlich einen Unfall erleiden sollten, liegt ein "in Ihrer Person liegender Grund" vor, genau wie bei Krankheit. Sie werden dann trotzdem weiterhin bezahlt, auch wenn Sie der Arbeit fernbleiben.

Quellen: rnd.de, swr3.de, gesetze-im-internet.de

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