26.01.2021 - 14:01

Wie geht es weiter? "Uns ist das Ding entglitten": Angela Merkel über Mutationen, Reiseverbote und Co

In einer internen Konferenz mit den Unions-Fraktionsbossen von Bund und Ländern sprach Kanzlerin Angela Merkel schonungslos ehrlich über die derzeit geltenden Lockdown-Maßnahmen – und darüber, was uns bald noch erwarten könnte.

Foto: Getty Images / Pool

In einer internen Konferenz mit den Unions-Fraktionsbossen von Bund und Ländern sprach Kanzlerin Angela Merkel schonungslos ehrlich über die derzeit geltenden Lockdown-Maßnahmen – und darüber, was uns bald noch erwarten könnte.

Können wir im Februar wirklich mit Öffnungen rechnen? Oder drohen am Ende gar noch strengere Regeln? Diese Infos aus einer internen Konferenz der Kanzlerin drangen jetzt nach außen…

Der Lockdown in Deutschland gilt vorerst bis zum 14. Februar. Kurz vorher wollen sich die Kanzlerin und die Ministerpräsidenten erneut beraten und diskutieren, ob es zu Lockerungen kommt oder ob der Lockdown erneut verlängert und vielleicht sogar weiter verschärft wird.

Zumindest bei einer ist klar, welches Szenario ihr am liebsten wäre: In der Vergangenheit hatte Kanzlerin Angela Merkel bereits mehrmals versucht, härtere Bestimmungen durchzusetzen, scheiterte schlussendlich aber wiederholt am Widerstand der Ministerpräsidenten. Dass sie ihre Meinung zum Lockdown nicht geändert hat, zeigen Zitate aus einer internen Konferenz von Angela Merkel und den Unions-Fraktionsbossen von Bund und Ländern, die an die Öffentlichkeit gedrungen sind.

Kanzlerin Angela Merkel stellt in interner Konferenz Öffnungen im Februar in Frage

Am Sonntagabend konferierten Angela Merkel und die Unions-Fraktionschefs des Bundes und der Länder. Es ging – wie sollte es anders sein? – um die derzeit geltenden Lockdown-Maßnahmen. Die Informationen drangen zur Bild-Zeitung vor, die wiederum die wichtigsten Aussagen der Kanzlerin veröffentlichte. Diese geben Aufschluss darüber, wie lange der Lockdown noch andauert – und welche Regeln uns als Nächstes erwarten könnten.

Gleich vorweg sei gesagt: Wer in Anbetracht der immer noch hohen Todeszahlen und der unbekannten Bedrohung durch die Coronavirus-Mutationen wirklich darauf gehofft hat, dass ab Mitte Februar alles wieder seinen gewohnten Gang gehen wird, sollte seinen Optimismus einen Gang runterfahren. "Wir können jetzt nicht über Öffnungen sprechen", sagte die Kanzlerin. Und: "Die Öffnungen Mitte Februar sind nicht gesichert." Sie machte außerdem klar, wie die Rückkehr zur Normalität ihrer Ansicht nach ablaufen sollten: Erst sollten die Kitas und Schulen wieder öffnen, dann die Geschäfte und erst am Schluss die Restaurants.

Weitere Mutationen um jeden Preis verhindern

Die Kanzlerin äußerte sich auch zu den besonders ansteckenden Corona-Mutationen, bei denen weder abschließend geklärt ist, ob sie tödlicher sind als die sich zuerst ausbreitende Variante, noch ob sie die Wirksamkeit der Impfstoffe beeinträchtigen. Der Impfstoff sei die "Aussicht auf ein Ende" – damit das so bleibt, müssen die Infektionszahlen jedoch weiterhin klein gehalten werden, um weitere Mutationen zu verhindern. Die Kanzlerin fand auch dafür treffende Worte: "Wir leben durch die Mutationen auf einem Pulverfass."

Kanzlerin erwägt Reiseverbot

Es mutet schon ein wenig absurd an: Teilweise gilt in Deutschland ein beschränkter Bewegungsradius – aber Fernreisen sind nach wie vor möglich. Das bemängelte auch die Kanzlerin. Sie erwähnte, dass sie bereits mehrmals gefragt habe, warum man die Reisen nicht verbieten könne. Darauf bekäme sie "immer die auf ehemalige DDR-Bürger gemünzte Antwort, dass wir ein freies Land sind".

Sollte die Durchsetzung eines Reiseverbots nicht möglich sein, erwägt sie weitere Schritte, um die Menschen vom Reisen abzuhalten. "Man kann nur Reisen unattraktiv unangenehm machen, etwa durch Quarantäne." Weiterhin müsse man "den Flugverkehr so ausdünnen, dass man nirgendwo mehr hinkommt". Man bräuchte auch "ein härteres Grenzregime".

Kanzlerin kritisiert Behördenversagen

Doch die Kritik der Kanzlerin traf nicht nur die Bevölkerung, sondern auch die Regierung selbst. "Uns ist das Ding entglitten", beurteilte sie die Situation schonungslos. Auch die Versäumnisse der Behörden wurden ungeschönt aufgezeigt, beispielsweise die der Gesundheitsämter, von denen bisher immer noch lediglich ein Drittel eine einheitliche Software zur Kontaktverfolgung nutze.

Weitere Neuigkeiten und Informationen über das Coronavirus finden Sie auf unserer Themenseite. Hier erfahren Sie zum Beispiel, was die Antikörper-Medikamente gegen Corona bringen. Außerdem haben wir den Experten-Plan "Zero Covid" genauer unter die Lupe genommen…

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