26.01.2021 - 11:41

Fahrlässige Tötung? Kind an Würstchen erstickt: Hersteller Herta muss vor Gericht

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Weil ein Kind an einem Würstchen der Marke Herta erstickt ist, muss der Hersteller jetzt in Frankreich vor Gericht.

Foto: Getty Images / StockFood

Weil ein Kind an einem Würstchen der Marke Herta erstickt ist, muss der Hersteller jetzt in Frankreich vor Gericht.

Fleischwarenhersteller Herta muss sich vor Gericht verantworten, weil ein Kleinkind an einem Würstchen der Marke erstickt war. Der Vorwurf: Die Warnhinweise seien nicht ausreichend gewesen.

Es ist ein wirklich tragischer Fall: Ein Kleinkind ist vor Jahren an einem Würstchen der Marke Herta erstickt. Das Unternehmen, das zu einem spanischen Lebensmittelkonzern gehört, muss sich jetzt vor Gericht wegen fahrlässiger Tötung verantworten. Der Vorwurf, der Fleischwarenhersteller Herta gemacht wird: Die Warnhinweise auf der Packung haben nicht ausreichend auf die Gefahr hingewiesen.

Fleischwarenhersteller Herta wegen fahrlässiger Tötung vor Gericht

Wie verschiedene Medien bereits berichteten, kam es im Sommer 2014 zu der Tragödie: Ein zwei Jahre und elf Monate altes Kind aus Frankreich hatte auf einem Campingplatz eine Knacki-Wurst von Herta gegessen und war dabei an einem Stück davon erstickt. Der Hinweis, der damals auf der Packung zu finden war, habe in etwa gelautet, die Würstchen für die Kleinsten in winzige Teile zu schneiden.

Das war den Eltern des verstorbenen Kindes nicht detailliert genug: Sie forderten deutlichere Warnhinweise, die außerdem farbig und in Großbuchstaben zu sehen sein sollten. Hersteller Herta brachte daraufhin einen neuen Warnhinweis auf der Rückseite der französischen Verpackungen an: "Für Kinder unter vier Jahren die Wurst der Länge nach und dann in ganz kleine Stücke schneiden, um ein Erstickungsrisiko zu vermeiden", ist jetzt dort zu lesen. Der Hinweis solle aber auf der Vorderseite stehen, verlangen die Eltern.

Wurst habe genau den Durchmesser einer Kinder-Speiseröhre

Wie der Anwalt der Familie mitteilen lässt, entspreche der Durchmesser der Würstchen "genau dem der Speiseröhre der Kleinen" – so berichtet der "Spiegel". Jetzt beginnt der Prozess gegen Herta. Die Anklage lautet auf fahrlässige Tötung.

Der Wurstwarenhersteller Herta, der seinen Sitz in Herten in Nordrhein-Westfalen hat und mehrere Standorte in Frankreich betreibt, habe vor Gericht die Weiterentwicklung der Verpackung ins Spiel gebracht. Die Verteidigung habe außerdem darauf hingewiesen, dass jedes Lebensmittel für kleine Kinder potenziell tödlich sei. Wie das "Redaktionsnetzwerk Deutschland" mitteilt, sei für den Konzern Freispruch beantragt worden. Am 8. Februar soll ein Urteil verkündet werden.

Auch Pharmariese Bayer musste sich wegen eines Todesfalles, der auf die Einnahme des Magen-Darm-Medikaments Iberogast zurückzuführen ist, verantworten. Laut Staatsanwaltschaft fehlten dort ebenfalls entsprechende Warnhinweise auf dem Beipackzettel.

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