Aktualisiert: 21.01.2021 - 19:17

Schauspielerin deckt auf "Kevin – Allein in New York": Rassismus in der deutschen Synchronisation

Lesen Sie, warum sich die deutsche Synchronisation von "Kevin – Allein in New York" mit dem Vorwurf des Rassismus auseinander setzen muss.

Foto: imago images / Mary Evans

Lesen Sie, warum sich die deutsche Synchronisation von "Kevin – Allein in New York" mit dem Vorwurf des Rassismus auseinander setzen muss.

Politisch vollkommen inkorrekt, lautet der Vorwurf einer Schauspielerin, was die deutsche Synchronisation von "Kevin – Allein in New York" betrifft. Was es damit auf sich hat.

Erneut Aufregung um den Kultfilm "Kevin – Allein in New York": Erst neulich hatte es Wirbel um den Mini-Auftritt von Ex-Präsident Donald Trump gegeben – jetzt sorgt eine weitere Tatsache für Unmut. Denn eine Schauspielerin hat herausgefunden, dass sich die deutsche Synchronisation von "Kevin – Allein in New York" einen rassistischen Schnitzer erlaubt hat. Und auch noch ohne jede Vorlage aus der Originalsprache.

Rassismus in der deutschen Synchronisation von "Kevin – Allein in New York"

Aufgedeckt hat Thelma Buabeng den Vauxpas. Der Schauspielerin ist es eine Herzensangelegenheit, sich für Themen wie Rassismus und Diskriminierung stark zu machen, für die Black Lives Matter-Bewegung und Frauenrechte einzutreten. Ende letzten Jahres postete sie bei Instagram eine Szene aus , einmal in der Originalfassung auf Englisch, einmal in der deutschen Synchronisation. Die Realität, schreibt sie dazu, habe sie wieder einmal eingeholt, und zwar bei einem gemütlichen TV-Abend mit der Familie.

Zu hören ist dabei ganz eindeutig, dass die deutsche Fassung die Begriffe "Indianer" und "Neger" verwendet, obwohl dafür keinerlei Anlass besteht, sprich: in der Originalversion kommen sie überhaupt nicht vor – es handelt sich tatsächlich um eine sehr freie und leider auch sehr unerfreuliche Übersetzung, die weit davon entfernt ist, politisch korrekt zu sein. Hören und sehen Sie selbst:

Kein Wunder, dass Thelma Buabeng ihrem Ärger Luft macht: "Wie kann es sein, dass sich ein deutsches Synchronstudio völlig unnötige rassistische Übersetzungen zu einem Kinder- bzw. Familienfilm ausdenkt", schreibt sie erbost. Und weiter: "Tatsächlich ausgedacht, denn im englischen Original ist weder die Sprache von dem I-Wort noch vom N-Wort. Das ist an Ignoranz und Respektlosigkeit gegenüber Indigenen und schwarzen Menschen gar nicht zu übertreffen."

Thelma Buabeng fragt an – Netflix reagiert tatsächlich

"Das muss ganz dringend geändert werden", findet Thelma Buabeng vollkommen zu Recht. "Vor allen Filme für Kinder sollten nicht diese Begriffe enthalten", schreibt sie weiter – sie sei auch bei weitem nicht die einzige, der es so ginge: "Es haben mir einige geschrieben, dass sie völlig entsetzt mit ihren Kindern vor dem Fernseher saßen und nicht wussten, wie sie das erklären sollen."

Ob so etwas nicht nachsychronisiert werden könne, fragt sie noch – unter anderem mit einem Hashtag #Netflix versehen und sehr vielen positiven User-Kommentaren. Und tatsächlich: Die Schauspielerin wird von Netflix kontaktiert, wie sie erst vor wenigen Tagen wieder über Instagram mitgeteilt hat.

Thelma Buabeng spricht länger mit einer Frau aus dem Unternehmen und schreibt dazu: "Sie hat sich im Namen von Netflix für meinen Post bedankt und sich für die Synchronisation entschuldigt." Netflix wolle dafür sorgen, dass die Synchronisation bei der nächsten Ausstrahlung geändert werde.

Zu viele Filme mit ähnlicher Problematik

Das ist ein guter Anfang – auch wenn noch viel in dieser Richtung zu tun ist, wie Thelma Buabeng schreibt: "(...) ich habe selbst (...) die Erfahrung in einem Synchronstudio gemacht, die mich sehr wütend und fassungslos gemacht hat. Ich sollte eine sudanesische Frau synchronisieren, die im Original perfektes britisches Englisch gesprochen hat. Ich wurde aber gebeten, im Deutschen mit Akzent zu sprechen", berichtet die 39-Jährige, die hinzufügt: "Ich bin ja, wie ihr wisst, übrigens aus Ghana, mal am Rande bemerkt." Als sie nachgefragt habe, warum sie das machen solle, wurde ihr gesagt, das sei so von Netflix gewünscht.

Ein weiteres "und bekanntestes Beispiel ist die clowneske Synchronstimme von Eddie Murphy", schreibt Thelma Buabeng noch: "Seine Original-Stimme hat mit der Karikatur im Deutschen überhaupt nichts, so gar nichts gemein." Es gäbe leider noch viele Beispiele, wo BIPoCs (Black, Indigenous, People of Color) im Deutschen mit lächerlichem Akzent sprechen müssten.

Auch darüber hat sich Thelma Buabeng noch mit Netflix ausgetauscht. Sie fasst es via Instagram so zusammen: "Netflix möchte zukünftig diese Form von Synchronisation verhindern, ist sich über oben genannte Vorwürfe im Klaren und möchte diese Probleme zukünftig gezielt angehen.
Da auch die Synchronbranche noch lange nicht divers genug ist, möchte Netflix zukünftig den Zuwachs von BIPoC-Sprechern unbedingt unterstützen."

Bravo, Thelma Buabeng! Und bravo, Netflix. Bleibt zu hoffen, dass hier wirklich etwas passiert.

Sehen Sie hier noch einmal, wie Donald Trump von Usern via Twitter aus "Kevin – Allein in New York" entfernt wurde. Die Ideen sind mitunter wirklich witzig!

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