Aktualisiert: 23.01.2021 - 20:30

Streit um den Titel Welcher ist der älteste Baum der Welt?

Von

Welcher Baum ist der Älteste der Welt? Alles eine Frage, der Definition.

Foto: imago-imga.de/ZUMA Press

Welcher Baum ist der Älteste der Welt? Alles eine Frage, der Definition.

Welcher Baum bekommt den Titel des "ältesten Baumes der Welt"? Die Wissenschaft ist sich uneinig. Anwärter sind die 9950 Jahre alte schwedische Fichte "Old Tjikko", eine 5070 Jahre alte kalifornische Kiefer und die 80.000 Jahre alte Zitterpappel-Kolonie "Pando". Sollte die Antwort da nicht klar sein? Nun, so einfach ist das nicht...

"Alt wie ein Baum möchte ich werden" heißt es in einem berühmten Song der Puhdys. Was genau heißt das eigentlich in Zahlen? Fichten können bei uns bis 300, Tannen bis 600 und Linden, Eichen und Eiben sogar bis zu 1.000 Jahre und älter werden. Doch welcher ist der älteste Baum der Welt? Der Titel ist stark umstritten. Wir stellen Ihnen die drei grünen Greise vor.

Der älteste Baum der Welt: Wer bekommt den Titel?

Auf der Suche nach dem ältesten Baum der Welt, verschlägt es einen schnell in die felsigen Hochebenen Schwedens. Hier steht die Fichte "Old Tjikko" – benannt nach dem Husky ihres Entdeckers Leif Kullman. 2004 wurde das Alter des knorrigen Baumes bestimmt und auf etwa 9550 Jahre geschätzt.

Vor knapp 10.000 Jahren, als gerade der erste Keim der Fichte zu sprießen begonnen hatte, herrschte Eiszeit – der Meeresspiegel lag etwa 120 Meter tiefer als heute und die Nordsee zwischen England und Norwegen war damals mit Wald bedeckt. Die niedrigen Temperaturen und der eisige Wind erklären den niedrigen Wuchs des Baumes: Normale Fichten haben eine durchschnittliche Größe von etwa 50 Metern – Der Stamm von "Old Tjikko" misst nur etwa fünf Meter.

Das wirklich interessante an dem Exemplar ist jedoch nicht der Stamm, sondern das Wurzelsystem: Dieses ist nämlich tatsächlich das, was all die Jahre überlebt hat. Wenn der Stamm nach einigen hundert Jahren abstirbt, bilden die Wurzeln einen neuen Klonbaum, der das weitere Überleben sichert.

Das Alter des Wurzelsystems wird jedoch von einigen Wissenschaftler*innen in Frage gestellt und für unglaubwürdig gehalten. Während der Eiszeit war es damals wohl zu kalt und ein Überleben des Wurzelsystems sei unmöglich gewesen.

Ist die schwedische Fichte also gar nicht der älteste Baum der Welt? In Kalifornien finden wir einen weiteren Anwärter für den Titel.

Pinus longaeva: Die langjährige Kiefer ist 5070 Jahre alt

Eines hat die amerikanische Kiefer der Fichte vorraus: Ihr Alter bezieht sich nicht nur auf die Wurzeln, sondern auf den ganzen Baum inklusive Stamm. In den 1950er Jahren entdeckte ein Forscher Exemplar in den in den kalifornischen White Mountains. Ihr Alter wird heute auf etwa 5070 Jahre geschätzt.

Bäume altern anders, als wir Menschen: Verfall und Tod sind bei ihnen kein Ergebnis eines Naturgesetzes, sondern ihr Lebenszyklus mit programmiertem Ende ist genetisch festgelegt. Das ist bei der Pinus longaeva nicht der Fall. Der Baum erneuert sich fast jährlich selbst: Er treibt frische Blätter und Zweige aus, bildet neue Jahresringe in der Rinde und schlägt junge Wurzeln aus. Durch dieses permanente embryonale Stadium wird das Überleben gesichert.

Doch wie sterben diese Bäume dann eigentlich? Oft ist die Selbsterneuerung für viele Exemplare bereits der Anfang vom Ende. Denn wenn sie zu groß wachsen, wird der Abstand zu den Astspitzen zu weit und Nährstoffe und Wasser können nicht bis in die Blätter transportiert werden. Außerdem sind große Bäume verwundbarer und Naturgewalten, wie Stürme, Hitze oder Frost, stärker ausgesetzt.

Das Alter der Baumkolonie "Pando" wird auf 80.000 Jahre geschätzt

Um den dritten mutmaßlich ältesten Baum der Welt zu finden, muss man von Kalifornien aus gar nicht weit reisen: Die Klonkolonie "Pando" steht im Fishlake National Forest in Utah, USA. Etwa 47.000 Zitterpappeln stehen hier auf einer Fläche von 43,6 Hektar dicht an dich beeinander. Daher hat der Wald vermutlich auch seinen Namen: "Pando" ist nämlich Latein und bedeutet "ich verbreite mich".

Die einzelnen Stämme werden nur etwa 200 Jahre alt, doch sie alle teilen sich dieselbe DNA und ein gemeinsames Wurzelsystem. Der Urstamm der amerikanischen Zitterpappeln soll wohl vor etwa 80.000 Jahren gekeimt haben.

Doch das Waldstück ist ernsthaft gefährdet: Die Pappelsprösslinge sind gutes Futter für Weidetiere, Wapiti oder Maultierhirsche, welche die angehenden Bäume verpeisen. Wer weiß, wie lange wir uns also noch an der bemerkenswerten Kolonie erfreuen können.

Ob die Puhdys beim Schreiben Ihres Songs damit gerechnet hätten, dass Bäume so alt werden können? Doch egal, ob der älteste Baum 5070, 9550 oder sogar 80.000 Jahre alt ist: Die Überlebenskunst der Organismen ist ein wahres Wunder der Natur!

_________________

Jeanne Calment aus Frankreich ist zwar nicht "als wie ein Baum geworden", doch mit 122 Jahren hält sie den Rekord des ältesten Menschens der Welt.

Der größte Baum der Welt ist 132,58 Meter groß. Man müsste den Baum etwa sechs Mal aufeinander stapeln, um die Höhe des Burj Khalifa in Dubai zu erreichen. Dieser beeindruckende Turm gilt schon seit 10 Jahren als das höchstes Gebäude der Welt. Doch es gibt noch mehr architektonische Meisterwerke, die bis in schwindelerregende Höhen ragen.

Wissen Sie, welches das schnellste Tier der Erde ist? Kleiner Tipp: Es ist nicht auf vier Pfoten unterwegs. Hier erfahren Sie, welches Lebewesen zu Land, in der Luft und im Wasser am schnellsten ist.

Familie & Leben

Familie & Leben

Beschreibung anzeigen
Eine Webseite der FUNKE Mediengruppe