19.01.2021 - 12:12

Kirche distanziert sich Corona-Leugner täuschen Demo als Gottesdienst vor

Corona-Leugner haben am Wochenende in Nürnberg zu einem angeblichen Gottesdienst aufgerufen, um mehr Menschen für ihre Demos zusammenzutrommeln. So reagiert die Kirche.

Foto: imago images / Westend61

Corona-Leugner haben am Wochenende in Nürnberg zu einem angeblichen Gottesdienst aufgerufen, um mehr Menschen für ihre Demos zusammenzutrommeln. So reagiert die Kirche.

Jetzt schlägt's aber 13: Um mehr Menschen für ihre Demos gegen die bestehenden Pandemie-Regeln zu mobilisieren, haben Corona-Leugner zu einem angeblichen Gottesdienst aufgerufen. Die Kirche ist empört.

Es ist eine Sache, die Tatsache der weltweiten Pandemie und ihre Folgen zu verharmlosen und seine Meinung kundzutun. Es ist eine andere, sich nicht an die gegenwärtigen Maßnahmen zu halten – oder eine Demo als Gottesdienst zu tarnen, wie Corona-Leugner es jetzt am Wochenende getan haben.

Corona-Leugner täuschen Gottesdienst vor, um zur Demo aufzurufen

Versammlungen und Demonstrationen sind wegen der aktuellen Corona-Beschränkungen zwar nicht grundsätzlich verboten – allerdings gelten die Vorgaben des Infektionsschutzes, und die sind bei Großveranstaltungen nur schwer einzuhalten. Logisch, dass Corona-Leugner mit der Einhaltung gar kein Problem haben, halten sie sich in der Regel ja aus Protest gerade nicht an Abstand, Maskenpflicht und Versamlungsregeln.

Da Verstöße aber geahndet werden, sind Veranstalter aus der Ecke der Corona-Leugner auf die Idee gekommen, eine Demonstration in Nürnberg für den vergangenen Sonntag als Gottesdienst zu tarnen – und haben in den sozialen Netzwerken zu diesem angeblichen Zweck zu einer Zusammenkunft vor der Lorenzkirche aufgerufen.

Evangelische Kirche Nürnberg warnt vor angeblichem Gottesdienst

Das Evangelisch-Lutherische Dekanat Nürnberg reagiert empört auf die Ankündigung und ruft seinerseits via Facebook dazu auf, diese Veranstaltung nicht zu unterstützen:

  1. "Bitte nicht hingehen und nicht unterstützen!!
  2. Wir haben als Kirche(n) in Nürnberg nichts damit zu tun!
  3. #stayhome #staysafe"

Eine Presseerklärung der Kirche untermauert die Position: "Wir, die evangelische und katholische Kirche in Nürnberg, verurteilen den Missbrauch des Begriffes Gottesdienst. Die geplante Demonstration hat rein gar nichts mit den liturgischen Feiern in unseren Kirchen zu tun. Ausdrücklich distanzieren wir uns als Evangelisch-Lutherisches Dekanat und als Katholische Stadtkirche in Nürnberg von dieser und von ähnlichen Aktionen."

Auch Marcus König, der Oberbürgermeister der Stadt Nürnberg, meldet sich über Twitter zu dem Thema zu Wort:

Den Grund für die Ablehnung der Demo nennt der OB auch noch: "Ein öffentlicher 'Spontangottesdienst' ist nicht zulässig, da keine Sondernutzungserlaubnis für den öffentlichen Grund vorliegt und ein solcher außerdem nur durch anerkannte Religionsgemeinschaften und einem hierzu beauftragten religiösen Vertreter möglich sind."

Kommentare zur Haltung der Kirche gespalten

Während sich unter dem Twitter-Post von Marcus König viele User ihrem Ärger Luft machen, dass Stadt, Land, Bund und/oder Polizei viel zu oft zu wenig eingreifen und Versammlungen lieber hinnehmen als unterbinden, haben die Kommentare zum Facebook-Eintrag der Kirche mitunter eine andere Lesart. Logisch, denn viele kommen von enttäuschen Corona-Leugnern...

Allerdings bezieht sich ein User auch auf das Wesen der Kirche: "Wenn die Kirche sich von diesen Menschen distanziert, dann hat sie auch nichts mit Nächstenliebe und Glauben am Hut (...). Ein Armutszeugnis für die Kirche und ganz sicher nicht im Namen des Herrn." Andere wiederum verurteilen das Ansinnen der Corona-Leugner: "Dass der Glaube so missbraucht wird, ist unerträglich. Christ sein und so unsolidarisch handeln geht nicht zusammen."

Nicht das erste Mal, dass kirchliche Bräuche vorgetäuscht werden

Es ist übrigens schon häufiger vorgekommen, dass sich Querdenker und Corona-Leugner kirchlicher Traditionen bedient haben, um arglose Bürger auf Demos zu locken. So hatten die Veranstalter von der Initiative Querdenken 089 Anfang November aus einer Corona-Demo in München spontan einen Gottesdienst gemacht, um die maximale Teilnehmerzahl von 1000 Menschen zu umgehen.

Viele waren damals von der Zurückhaltung des Landes Bayern und der Polizei enttäuscht. Das ließ Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) anschließend folgende Aussage der "Bild"-Zeitung gegenüber treffen: "In Zukunft werden Polizei und Versammlungsbehörden solche Ablenkungsmanöver von Beginn an unterbinden."

Aus der Diözese Rottenburg/Stuttgart hieß es am 11. November, dass "sogenannte 'Querdenker' Kundgebungen gegen Corona-Maßnahmen, als 'Sankt-Martins-Umzüge' deklariert, abhalten wollen". Der dortige Bischof Gebhard Fürst verurteilte dieses Vorgehen, indem er sagte, der heilige Martin stehe für Nächstenliebe und nicht für die mutwillige Gefährdung anderer. Unter dem Titel "Lichterzug für die Freiheit unserer Kinder" oder "Lichtspaziergang für Freiheit & Frieden" hatten im Vorfeld Vereinigungen wie "Querdenken" oder "Eltern für Aufklärung" in sozialen Netzwerken dazu aufgerufen, sich deutschlandweit an verschiedenen Orten für Kundgebungen zu versammeln und etwa für eine "Zukunft ohne Masken, ohne Kontaktverbote und ohne Angst" zu demonstrieren. Dabei wurden die Kundgebungen bewusst als Sankt-Martins-Umzüge deklariert.

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Wegen Corona mussten sich die Kirchen für ihre Gottesdienste an Weihnachten etwas einfallen lassen – vielleicht lässt sich von diesen Ideen einiges ins neue Jahr hinüberretten. Etwa das gemeinsame Singen zu einer bestimmten Zeit: auf dem Balkon, zwischen Sofakissen, am Radio, im Internet, wo auch immer.

Dass die Kirche sich grundsätzlich noch vieler gläubiger Menschen erfreuen darf, zeigte das Zusammenrücken beim Brand von Frankreichs Wahrzeichen Notre Dame: So spendeten sich Menschen Trost inmitten der Katastrophe.

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