Aktualisiert: 12.01.2021 - 21:30

1950? Nein, 2021! Regierung in Südkorea sorgt mit Schwangeren-Tipps von vorvorgestern für Empörung

Auf der Website der Stadtregierung von Seoul, der Hauptstadt Südkoreas, sollen sich werdende Eltern über Schwangerschaft und Geburt informieren können. Mit fragwürdigen Tipps für Schwangere sorgte die Behörde jetzt allerdings für Empörung...

Foto: Getty Images / Insung Jeon

Auf der Website der Stadtregierung von Seoul, der Hauptstadt Südkoreas, sollen sich werdende Eltern über Schwangerschaft und Geburt informieren können. Mit fragwürdigen Tipps für Schwangere sorgte die Behörde jetzt allerdings für Empörung...

Die Geburt Ihres Kindes steht an? Dann gibt es jetzt so einiges, um das Sie sich kümmern sollten. Die Unterwäsche Ihres Ehemannes zum Beispiel. Äh... wie bitte?!

Stellen Sie sich vor, Sie sind verantwortlich für ein Wesen, das sich nicht selbst versorgen kann: Es kann keine saubere Kleidung auswählen, es weiß nicht, wie man sich vor dem Verhungern schützt, und bei der Hausarbeit kann es sie natürlich erst recht nicht unterstützen. Klingt anstrengend? Ist es auch! Vor allem, wenn dann noch Kinder dazukommen – denn das unbeholfene Geschöpf, von dem hier die Rede ist, ist kein Kind, sondern es handelt sich dabei um Ihren Ehemann. Zumindest, wenn es nach der Gesundheitsbehörde von Seoul, der Hauptstadt Südkoreas, geht. Diese sorgte kürzlich mit Tipps für Schwangere für Empörung, bei denen man sich direkt in die 50er Jahre katapultiert fühlte…

Südkorea: Gesundheitsbehörde in Seoul gibt Schwangeren sexistische Tipps

Auf der Seite der Gesundheitsbehörde der Stadtregierung Seoul können sich werdende Eltern über Schwangerschaft und Geburt informieren. Wie die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap News Agency berichtete, lösten einige der dort aufgeführten Ratschläge jetzt jedoch einen gewaltigen Shitstorm aus. So manche Frau, die bei ihrer Recherche über die Tipps stolperte, muss ihren Kinderwunsch anschließend noch einmal überdacht haben – legten diese doch nahe, dass sie bereits jemanden zu Hause habe, der ihre gesamte Sorge und Aufmerksamkeit in Anspruch nimmt.

"Bereiten Sie Unterwäsche zum Wechseln vor!"

Wer zum ersten Mal ein Kind bekommt, ist, wenn sich die Geburt abzeichnet, wahrscheinlich vor allem eines: ziemlich nervös. Ist das Baby gesund? Wird die Geburt unkompliziert verlaufen? Wird sie sehr schmerzhaft sein? Von den körperlichen Belastungen einer fortgeschrittenen Schwangerschaft ganz zu schweigen. Eigentlich sollte man in dieser Situation einen Partner an seiner Seite haben, der einen mental und physisch unterstützt.

Doch laut der Stadtregierung Seoul sollte die Prioritätensetzung vor dem Trip ins Krankenhaus eine andere sein: "Bereiten Sie für die drei oder sieben Tage, die Sie voraussichtlich im Krankenhaus verbringen werden, Unterwäsche, Socken und Oberbekleidung für Ihren Ehemann und Ihre Kinder vor und verstauen Sie diese ordentlich in einer Schublade."

Sicherzugehen, dass niemand verhungert, ist natürlich ebenfalls die Aufgabe der werdenden Mutter – ganz gleich, ob sie gerade in den Wehen liegt oder den Bauch aufgeschnitten bekommt. "Entfernen Sie altes Essen aus Ihrem Kühlschrank und bereiten Sie drei oder vier Gerichte zu, die Ihre Familie gerne isst. Falls Sie unterschiedliche Arten von aufwärmbarem Essen vorbereiten, wird Ihr Ehemann, der ein schlechter Koch ist, diese bequem zu sich nehmen können."

Zunehmen verboten

Natürlich bemisst sich der Wert einer guten Ehefrau nicht nur daran, was sie tut – sondern auch daran, wie sie aussieht. Wer schwanger ist, nimmt zu – das ist eine unvermeidbare Nebenwirkung der Entstehung neuen Lebens. Soweit so gut. Aber muss es denn unbedingt mehr als nötig sein? Lieber nicht – wie gut, dass Hausarbeit laut der Website das ideale Sportprogramm darstellt! "Falls Sie Hausarbeit, wie Putzen oder Abwaschen, nicht vor sich her schieben, sondern diese erledigen wann immer sie nötig ist, können Sie Ihr Gewicht auch ohne ein zusätzliches Sportprogramm kontrollieren."

Die Ratschläge der Regierung sorgten online für eine Flut an spöttischen und empörten Kommentaren – verständlicherweise. Eine Nutzerin kommentierte: "Am Ende der Schwangerschaft fällt es sogar schwer zu atmen – und da erwartet man von uns, Unterwäsche und Essen für unsere Ehemänner vorzubereiten?"

Immerhin scheint der Gegenwind gefruchtet zu haben: Mittlerweile sind die Tipps nicht mehr auf der Website zu finden.

Ratschläge, die Ihnen tatsächlich weiterhelfen, sowie weitere Informationen und Geschichten rund um Schwangerschaft und Geburt finden Sie übrigens auf unserer Themenseite. Hier finden Sie zum Beispiel Tipps zur richtigen Ernährung während der Schwangerschaft – Ihrem und dem Kindeswohl zuliebe und nicht aus Gewichtsgründen, versteht sich. Außerdem interessant: Wussten Sie, dass Schwangerschaft zur Sucht werden kann?

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