Aktualisiert: 04.01.2021 - 18:37

Rutschige Angelegenheit Räum- und Streupflicht: Was Sie wissen sollten

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Wer seiner Räum- und Streupflicht nicht nachkommt, muss bei Glatteisunfällen haften.

Foto: imago-images.de/Westend61

Wer seiner Räum- und Streupflicht nicht nachkommt, muss bei Glatteisunfällen haften.

Die Freude über den ersten Schnee ist schnell vergangen, wenn man an das lästige Schneeschippen denkt. Wer ist eigentlich verantwortlich für die Beseitigung von Schnee und Eis? Wer haftet bei Glatteisunfällen? Und welche umweltfreundliche Alternativen gibt es zu Streusalz? Das Wichtigste im Überblick.

Sieht es nicht schön aus, wenn es draußen kalt ist, der Schnee den Asphalt bedeckt und die Straßen weiß glitzern? Was wie ein Weihnachtsmärchen klingt, kann ganz schön gefährlich werden: Denn Winter ist nicht nur die Zeit der Schneeballschlachten und des Schlittenfahrens, sondern auch die Zeit der Knochenbrüche und Schmerzensgeldklagen. Wer seiner Räum- und Streupflicht nicht nachkommt, muss bei Glatteisunfällen haften. Darauf sollten Sie achten.

Räum- und Streupflicht: Wer trägt die Verantwortung?

Anwohner*innen und Besitzer*innen von Gewerbegrundstücken müssen dafür sorgen, dass alle Wege, auf denen Besucher häufig laufen, freigeschippt sind. Das beinhaltet auch die Gehwege, die am Grundstück vorbeiführen. Diese müssen allerdings nicht auf ihrer gesamten Breite geräumt werden: 1,20 Meter sind ausreichend. Das ist genug Platz, damit zwei Fußgänger gefahrlos aneinander vorbeilaufen können. Zu Zeiten von Corona schadet es allerdings auch nicht, etwas mehr Platz zu lassen.

Durch die Vermietung oder Verpachtung des Grundstücks werden Eigentümer*innen nicht einfach von ihren Räumungspflichten befreit. Sie können die Aufgabe allerdings an die mietenden Personen übertragen – das muss jedoch im Mietvertrag klar geregelt sein. Und ganz aus der Verantwortung können sie sich damit trotzdem nicht ziehen, da Räumgeräte wie Schneebesen und Schneeschaufeln zur Verfügung gestellt werden müssen. Es liegt außerdem in der Verantwortung der Eigentümer*innen, zu überprüfen, ob der Räum- und Streupflicht auch nachgekommen wird.

Wann beginnt die Räum- und Streupflicht?

Werkstags müssen die Wege von etwa sieben Uhr morgens bis acht Uhr abends geräumt sein. Am Wochenende und an Feiertagen darf man etwas länger ausschlafen: Da beginnt die Räum- und Streupflicht erst ab neun Uhr. Informieren Sie sich am über die genauen Uhrzeiten am besten bei Ihrer Gemeinde.

Bei Dauerschneefall sollte auf jeden Fall nachgeschippt werden. Streumaßnahmen benötigen außerdem alle drei Stunden eine Wiederholung. Wenn man arbeitet, verreist oder krank ist, muss man für eine Vertretung sorgen.

Umweltfreundliche Alternativen zu Streusalz

Streusalz galt bisher als die erste Wahl bei Glatteis, weil es dieses zuverlässig auftaut. Da es die Umwelt jedoch stark belastet, ist es in den meisten Kommunen inzwischen verboten. Denn das Salz löst sich, sickert in den Boden und reichert sich in Wurzeln an. Das hat zur Folge, dass die Pflanzen nicht mehr ausreichend mit Wasser und Nährstoffen versorgt werden können und sterben. Außerdem kann das aggressive Streusalz zu Verletzungen und Entzündungen an Tierpfoten führen.

Splitt und Granulat sind hierbei um einiges umweltfreundlicher und können sogar wiederverwendet werden. Der Nachteil: Die scharfkantigen Steinchen können sich an der Schuhsohle oder unter der Haustür festsetzen und den Fußboden im Haus zerkratzen. Außerdem ist Splitt ebenso schmerzhaft für die Tierpfoten wie Streusalz. Alternativ bieten sich rundkörnige Granulate an. Doch ganz so unschädlich sind diese auch nicht: Laut BUND können Splitt und Granulat giftige Substanzen wie Quecksilber, Blei oder Arsen enthalten.

Ein weiteres wiederverwendbares Streumittel ist Sand. Dieser ist jedoch feinkörniger als Granulat und dementsprechend nicht so rutschfest. Es muss deshalb häufiger nachgestreut werden.

Auch Sägespäne werden häufig als alternatives Streumittel verwendet. Doch Vorsicht: Hobelspäne reichen nicht aus, da sie sich mit Feuchtigkeit vollsaugen und rutschig werden. Wenn es auf dem Grundstück also trotz Sägespäne zu einem Glatteisunfall kommt, kann es schnell teuer werden.

Wer haftet bei einem Glatteisunfall?

Wenn man das Schneeschippen verschlafen hat und es zu einem Glatteisunfall kommt, werden nicht nur der*die Eigentümer*in zur Verantwortung gezogen, sondern auch die verletzte Person. Als Passant*in muss man sich nämlich vorsichtig bewegen und auf ungestreuten Wegen mit einem Sturz rechnen.

Wenn jemand trotz geräumter und gestreuter Gehwege ausrutscht, kann man dafür nicht verantwortlich gemacht werden.

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