Aktualisiert: 29.12.2020 - 18:55

Nicht alles Gold, was glänzt Der Kampf um die Sterne: Alles manipulierte Online-Bewertungen?

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Um den Nutzer von einem Produkt zu überzeugen, setzten viele Hersteller auf Fake-Bewertungen. Stiftung Warentest hat aufgedeckt, wie die gefälschten Fünf-Sterne-Bewertungen funktionieren...

Foto: GettyImages/HAKINMHAN

Um den Nutzer von einem Produkt zu überzeugen, setzten viele Hersteller auf Fake-Bewertungen. Stiftung Warentest hat aufgedeckt, wie die gefälschten Fünf-Sterne-Bewertungen funktionieren...

Mehr als 7.000 Fake-Bewertungen aufgedeckt, doch die Dunkelziffer ist noch viel größer. Lesen Sie hier, warum Sie Sternen und Online-Bewertungen nie blind vertrauen sollten und wie Sie Fake-Rezensionen erkennen können.

Online-Bewertungen sollen die Kaufentscheidung vereinfachen: Ob Technik-Highlights, Hotels oder Restaurants – für fast alles gibt es Kritiken auf Vergleichsportalen wie Amazon und Co und nicht alle davon sind "echt". Doch das Ergebnis, das der IT-Nachrichtendienst heise online aufgedeckt hat, macht dennoch ziemlich fassungslos: Mehr als 7.000 gefälschte Fünf-Sterne-Bewertungen für verschiedenste Produkte fanden die Redakteure auf einem Server.

Stiftung Warentest ist dem lukrativen Business auf die Spur gegangen und hat sich unter falschem Namen bei den Fake-Bewertungs-Agenturen beworben. Wir haben das Ergebnis des spannenden Experiments!

Stiftung Warentest: Fake-Bewertungen sollen Kunden täuschen

Bewertungsportale sind fast immer die erste Anlaufstelle vor einem Online-Kauf. Eine Studie zeigt, dass sich über 70 Prozent aller User durch positive Kundenbewertungen beeinflussen lassen. Besonders beim Vergleich mehrerer Produkte vertrauen wir den Informationen aus den Bewertungsportalen.

Den positiven Einfluss der Kundenbewertungen schätzen auch Händler und Dienstleister. Einige nutzen daher gerne die Hilfe von speziellen Agenturen: Diese bezahlen User dafür, bestimmte Produkte oder Dienstleistungen zu kaufen, zu testen und danach eine Bewertung darüber zu schreiben. Problematisch wird das Geschäft erst dann, wenn die Produkttester nicht frei urteilen können, sondern unter Druck zu Fünf-Sterne-Bewertungen gezwungen werden.

Das haben die Mitarbeiter von Stiftung Warentest erlebt, als sie für ihr Experiment inkognito für sieben verschiedene Agenturen gearbeitet haben: Bei zwei Drittel aller Agenturen wurden die Mitarbeiter gezwungen, die vollen Sterne abzugeben, um ihre Bezahlung zu erhalten.

Fünf Sterne auf Ansage: Echte Menschen schreiben falsche Bewertungen

Nur drei Sterne in der Bewertung? Stiftung Warentest wollte wissen, ob die Agenturen auch negative Kritiken zulassen, doch leider war das nicht der Fall. Die Ansage der meisten Agenturen: Mehr Sterne und weg mit den negativen Bemerkungen – sonst gibt es keine Bezahlung und auch der Kaufpreis wird nicht zurückerstattet.

Wer für eine Bewertung zugelassen wird, erhält genaue Anweisungen: Voraussetzung ist oft, dass der Rezensent ein Konto bei Amazon hat, denn dort werden die meisten Bewertungen verfasst. Damit die Fake-Rezensionen möglichst echt aussehen, soll der Mitarbeiter das jeweilige Produkt über sein eigenes Konto kaufen und bekommt den Kaufpreis im Anschluss zurückerstattet (wenn die Bewertung die Ansprüche erfüllt).

Bei anderen "Aufträgen" sollen die Produkttester Bewertungen schreiben für Waren, die sie nur auf einem Foto gesehen haben oder bestimmte Rezensionen anderer User als "nützlich" bewerten, das beeinflusst die Sternebewertung des zugehörigen Produkts ebenfalls positiv.

So erkennen Sie Fake-Bewertungen im Internet

  • Nach Mängeln suchen: Lassen Sie sich nicht von den vielen positiven Bewertungen täuschen. Suchen Sie lieber nach ausgewogenen Drei-Sterne-Bewertungen. Außerdem ist es ratsam, die negativen Kritiken nach Übereinstimmungen zu durchsuchen. Das gibt einen guten Überblick über Problemstellen des Produkts.
  • Produkttester checken: Klicken Sie bei Amazon oder Google auf das Profil eines Kunden, der eine Bewertung verfasst hat. Bewertet der vermeintliche Kunde z.B. mehrere Handys innerhalb einer Woche, handelt es sich mit großer Wahrscheinlichkeit um ein Fake-Profil.
  • Auf die Länge achten: Wer hat schon Zeit und Lust, einen endlosen Text über ein gekauftes Produkt zu verfassen? Echte Kundenbewertungen sind meist kurz, jedoch mit klarem Inhalt.
  • Im Kopf ausblenden: Hinweise wie "Produkt wurde schnell geliefert" beeinflussen die Bewertung, sagen aber nichts über die Produktqualität aus. Solche allgemeinen Aussagen können ein Indiz für eine Fake-Bewertung sein.
  • Muster beachten: Häufen sich viele sehr gute Bewertungen innerhalb kurzer Zeit, wurde vermutlich getrickst.

Behalten Sie die Tipps im Hinterkopf und machen Sie sich bewusst, dass nicht jede Bewertung von einem echten Kunden kommen muss. So kann Ihnen beim nächsten Online-Kauf nichts passieren! Auf der Webseite von Stiftung Warentest finden Sie das komplette Experiment.

Weitere spannende Ergebnisse von Stiftung Warentest finden Sie auf unserer Themenseite: Dort sehen Sie unter anderem wie verlässlich Kundenbewertungen bei Amazon sind.

Haben Sie schon einmal darüber nachgedacht, Ihr nächstes Smartphone gebraucht zu kaufen? Wir zeigen Ihnen, worauf Sie dabei achten müssen! Außerdem verraten wir Ihnen die 25 besten Marken der Welt! Und falls Sie doch lieber nichts mehr vom Online-Handel wissen möchten, haben wir hier einen lustigen Selbsttest: Welcher Supermarkt-Typ sind Sie?

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