14.12.2020 - 09:29

Insolvenz des gesamten Wirtschaftszweigs? Feuerwerksverbot: Den Schaden trägt die Pyrotechnik-Branche

Die Lager bleiben dieses Jahr voll, es herrscht Feuerwerks-Verkaufsverbot. Für die Pyrotechnik-Branche wird das zum Riesenproblem: Die Hersteller müssen selbst für die Umsatzverluste aufkommen.

Foto: Getty Images/BSR Agency / Kontributor

Die Lager bleiben dieses Jahr voll, es herrscht Feuerwerks-Verkaufsverbot. Für die Pyrotechnik-Branche wird das zum Riesenproblem: Die Hersteller müssen selbst für die Umsatzverluste aufkommen.

Die Pyro-Branche schlägt Alarm: Das späte Verkaufsverbot für Silvester-Feuerwerk stellt einen ganzen Wirtschaftszweig vor ein Problem. Hätte man einfach früher entscheiden müssen?

Verboten wird privates Feuerwerk mit den neuen Lockdown-Regelungen nicht. Doch wer böllern will, sieht trotzdem in die Röhre. Denn neues Knallzeug wird es dieses Jahr nicht mehr geben – obwohl es bereits produziert ist und teilweise im Verkauf war. 2020 gilt nun ein Verkaufsverbot für Silvester-Feuerwerk – die Pyrotechnik-Branche leidet darunter enorm. Denn fast der gesamte Umsatz wird rund um diese eine Nacht des Jahres generiert.

Feuerwerk-Verkaufsverbot: Pyrotechnik-Branche kämpft ums Überleben

Wer beruflich Raketen und Böller herstellt, hat es 2020 wahrlich nicht einfach. Der Lockdown Light hätte ein Feuerwerk erlaubt – und so ging man wie gewohnt in die Produktion. Der harte Shutdown in Deutschland setzt dem nun ein jähes Ende: Feuerwerk darf nicht mehr im Handel verkauft werden. Thomas Schreiber, Vorstandsvorsitzender des Verbandes der pyrotechnischen Industrie (VPI) erklärte am Sonntag: Im Zweifel drohe die Insolvenz eines gesamten Wirtschaftszweiges. Das berichtete unter anderem Chip.de.

Die Umsatzverluste liegen im dreistelligen Millionenbereich, erörtert Schreiber. Denn die Branche erwirtschafte im Dezember 95 Prozent ihrer Jahreserlöse. Verbandsjuristen befürchteten aber, dass die Pyrotechnik-Unternehmen nichts von den Überbrückungshilfen erhielten. Der Verband fordert daher vollen Ausgleich für die Umsatzverluste, sagt Schreiber: "Wir brauchen gesonderte Hilfsgelder, um die 3000 Einzelexistenzen in der Branche zu sichern."

Problem: Pyro-Industrie muss Schaden komplett selbst tragen

Das Problem sei auch, dass die Unternehmen bereits mit den Hauptauslieferungen begonnen hätten, da Feuerwerk zunächst von Bund und Ländern nicht verboten worden sei. Was geschieht nun mit den Waren? Feuerwerk sei ein Kommissionsgeschäft, erklärt Schreiber. Daher müsse die pyrotechnische Industrie selbst den gesamten Schaden tragen. Der Handel muss entsprechend nicht dafür aufkommen.

Auch im restlichen Jahr habe es kaum Einnahmen gegeben. Denn da für Privatpersonen außerhalb der Zeit rund um Silvester sowieso Böller-Verbot herrscht, kommen sonstige Käufer vor allem aus der Veranstaltungsbranche. Bühnen- oder Großfeuerwerke auf Veranstaltungen gab es 2020 aus Corona-Gründen jedoch kaum. Zum Vergleich: 2019 hatte die Branche einen Jahresumsatz von rund 130 Millionen Euro gemacht, so der Verband.

Die Pyrotechnik-Branche hatte bis zuletzt noch auf eine Ausnahmeregelung für den Fachhandel gehofft, erklärt Verbandsgeschäftsführer Klaus Gotzen gegenüber der Deutschen PresseAgentur (dpa): "Verglichen mit anderen Branchen haben wir das Riesenproblem, dass wir erst in den letzten drei Tagen des Jahres unseren Jahresumsatz machen können. " Der Verband sieht daher eine Ausnahme für den Pyrotechnik-Fachhandel als notwendig.

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Warum überhaupt das Verkaufsverbot?

Klar bleibt trotzdem: Ein Verkaufsverbot für privates Feuerwerk ist in diesem Corona-Jahr und zu Zeiten nahezu voller Intensivstationen objektiv gesehen ein Muss. Es geht beim Verbot nämlich nicht um eine eventuelle Ansteckungsgefahr durch das Coronavirus – Feuerwerk wird schließlich draußen veranstaltet und ist in der Regel mit Abstand verbunden, zumal ja auch Versammlungsverbot herrscht. Vielmehr geht es darum, unnötige Notfälle zu vermeiden. Denn jährlich passieren schwere Verletzungen durch unsachgemäßen Umgang mit Pyrotechnik. Die Kliniken haben jedoch bereits mit den zusätzlich zu klassischen Notfällen hinzukommenden Covid-19-Patienten alle Hände voll zu tun. Das Verkaufsverbot soll schlicht und ergreifend vor einem Kollaps des Gesundheitssystems bewahren.

Für eine Branche, die fast alle Umsätze mithilfe einer Nacht des Jahres generiert gleicht das natürlich einem Todesstoß. Aber möglicherweise treibt das ja den ein oder anderen an, das ganze Konzept zu überdenken...

Bereits vor der Entscheidung von Bund und Ländern, im harten Lockdown auch den Verkauf von Silvester-Feuerwerk zu verbieten, hatten verschiedene Geschäfte bereits angekündigt, in diesem Jahr zu verzichten: Hornbach und Bauhaus verkaufen kein Feuerwerk mehr. Beide hatten übrigens schon ohne Corona im Jahr 2019 überlegt, den Verkauf von Pyrotechnik zu stoppen – Hornbach hatte dies letztendlich durchgezogen.

Am Mittwoch geht Deutschland in einen härteren Lockdown. An Silvester gilt dann bundesweites Versammlungsverbot. Auch wenn die Privatböllerei per se nicht verboten ist: Auf öffentlichen Plätzen herrscht Böller-Verbot. Die Bundes- und Landesregierungen appellieren außerdem an die Bevölkerung, das Böllern zu unterlassen.

Vielleicht als kleiner Tipp – die ein oder andere Aktivität lässt sich auch trotz Lockdown umsetzen: Kennen Sie diese internationalen Silvester-Bräuche?

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