10.12.2020 - 11:39

Den Tränen nah So emotional zeigt sich die Kanzlerin bei ihrem Corona-Appell

Die Corona-Pandemie geht auch an der Kanzlerin nicht spurlos vorbei. Das zeigt die emotionale Rede, die Angela Merkel am Donnerstag im Bundestag gehalten hat.

Foto: imago images/Bildgehege

Die Corona-Pandemie geht auch an der Kanzlerin nicht spurlos vorbei. Das zeigt die emotionale Rede, die Angela Merkel am Donnerstag im Bundestag gehalten hat.

Die Corona-Pandemie und die nach wie vor viel zu hohen Zahlen gehen Angela Merkel nahe. Wie nahe, zeigt ihre Rede im Bundestag.

Seit Anfang November befinden wir uns im Lockdown light. Unglücklicherweise zeigt dieser nicht die erhoffte Wirkung: Die Zahlen der Corona-Neuinfektionen stagnieren zwar, allerdings auf einem viel zu hohen Niveau. Allein gestern wurden 20.000 Neuinfektionen gemeldet, die 7-Tage-Inzidenz liegt bei 149 und damit weit von dem angestrebten Wert von unter 50 entfernt. Die Situation macht nicht nur uns Normalbürgern zu schaffen – auch viele Politiker sind offensichtlich am Rande ihrer Belastungsgrenze angelangt. Wie frustriert und verzweifelt sogar Bundeskanzlerin Angela Merkel ist, zeigt die emotionale Rede, die sie am Donnerstag im Bundestag gehalten hat.

Angela Merkels emotionale Corona-Rede: "Es tut mir im Herzen leid"

Kanzlerin Angela Merkel ist normalerweise nicht gerade für ihre emotionalen Ansprachen bekannt. Das macht die Rede, die sie an diesem Donnerstag im Bundestag gehalten hat, noch eindringlicher, noch eindrucksvoller. Sie gestikuliert lebhaft, spricht nachdrücklich, zum Teil beinahe flehentlich und scheint stellenweise den Tränen nahe.

Angela Merkels Corona-Rede im Bundestag

Unter anderem kommt die Kanzlerin auch auf die viel diskutierten Vorweihnachtsfreuden zu sprechen, die dieses Jahr den Kontaktbeschränkungen zum Opfer fallen. Sie macht deutlich, dass sie weiß, was durch den Verzicht auf Glühweinstände und Co verloren geht – dass dies aber ihres Erachtens in keinem Verhältnis dazu steht, was passieren würde, würde man sich im Gefühl falscher Normalität wiegen: "Es tut mir leid, es tut mir wirklich im Herzen leid, aber wenn wir dafür den Preis zahlen, dass wir Todeszahlen von 590 Menschen am Tag haben, dann ist das nicht akzeptabel aus meiner Sicht."

Angela Merkel befürwortet verlängerte Weihnachtsferien

Eine der im Moment drängendsten Fragen ist, ob die Weihnachtsferien verlängert werden sollten, um zu verhindern, dass Schüler unwissentlich Familienmitglieder infizieren. In Anbetracht dessen, dass auch die Wissenschaft sich dafür ausspricht, Kontaktreduzierungen zu ermöglichen, spricht auch die Kanzlerin sich ganz klar dafür aus. Sie sagt, man solle nachdenken, ob es nicht irgendeinen Weg gäbe, die Ferien statt am 19. bereits am 16. Dezember beginnen zu lassen – und weist gleichzeitig auf die Absurdität hin, die der Diskussion um diese wenigen Tage im Angesicht einer weltweiten Krise innewohnt: "Was wird man denn im Rückblick auf ein Jahrhundertereignis mal sagen, wenn wir nicht in der Lage waren, für diese drei Tage irgendeine Lösung zu finden?"

Die Kanzlerin scheut sich auch nicht, einzugestehen, dass auch sie nicht allwissend ist und dass auch sie nicht für alles eine Lösung hat – eine Geste, die viele Politiker ansonsten eher vermissen lassen: "Es mag ja sein, dass die Aufhebung der Schulpflicht das Falsche ist, dann muss es der Digitalunterricht oder sonst was sein, ich weiß es nicht, das ist auch nicht meine Kompetenz, da würde ich mich nie einmischen."

"Nicht zu viele Menschenleben zerstören"

Angela Merkel betont, dass wir mittlerweile wissen, dass wir etwas gegen das Virus ausrichten können, auch wenn es ein wenig "unmenschlich" ist, immer Distanz wahren und Sicherheitsmaßnahmen einhalten zu müssen. Sie gibt zu bedenken, dass diese Maßnahmen, beispielsweise das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung unser Leben nicht "total zerstören" – im Gegenzug sollten wir darauf achten, nicht zu viele Menschenleben zu zerstören.

Der emotionale Höhepunkt der Rede ist der Appell an die Zuhörer, sich darüber im Klaren zu sein, was eine Weihnachtsfeier für andere Menschen bedeuten könnte: "Ich will nur sagen: Wenn wir jetzt vor Weihnachten zu viele Kontakte haben und es anschließend das letzte Weihnachten mit den Großeltern war, dann werden wir etwas versäumt haben."

"Wir müssen uns noch einmal anstrengen"

Die Kanzlerin kommt auf die Hoffnung zu sprechen, die von den Impfstoffen ausgeht. Sie stellt in Aussicht, dass sich die Situation von Monat zu Monat verbessern wird, sobald mit den Impfungen begonnen werden kann. Bis dahin müssten wir uns aber "noch einmal anstrengen".

Ebenfalls drückt sie ihre Zustimmung für den Vorschlag der Leopoldina aus. Die Akademie der Wissenschaften hatte sich bereits vor einigen Tagen dafür ausgesprochen, die Weihnachtsfeiertage und den Jahreswechsel für einen "harten Lockdown" zu nutzen, um die Pandemie einzudämmen. Ebenfalls gesteht sie ein, dass die Zeit von Anfang Januar bis Mitte März hart werden wird – allerdings handele es sich dabei um eine "überschaubare Zeit".

Mehr Neuigkeiten und Informationen über das Coronavirus finden Sie auf unserer Themenseite. Unter anderem erfahren Sie hier, warum ein bestimmter Corona-Impfstoff für Allergiker ungeeignet sein könnte. Eine neue Studie zeigt außerdem: Masken senken das Infektionsrisiko drastisch!

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