Aktualisiert: 08.12.2020 - 22:03

Wale, Delfine, Robben... Wie gefährdet sind Meeressäuger durch Coronaviren im Abwasser?

Auch Meeressäugetiere können laut einer Studie an Covid-19 erkranken? Wie wahrscheinlich das ist – und warum Abwasser dabei eine gefährliche Rolle spielt.

Foto: Getty Images/Ron Sanford

Auch Meeressäugetiere können laut einer Studie an Covid-19 erkranken? Wie wahrscheinlich das ist – und warum Abwasser dabei eine gefährliche Rolle spielt.

Können Meeressäugetiere an Covid-19 erkranken? Ja, heißt es in einer Studie. Sie deckt auf, wie gefährdet die Meeresbewohner sind – und wie sie an das gefährliche Virus gelangen.

Die Covid-19-Pandemie macht uns Menschen sehr zu schaffen, keine Frage. Doch auch Tiere haben darunter zu leiden. Dazu gehören auch die, die im Wasser leben: Laut einer Studie sind Meeressäuger durch Coronaviren gefährdet – wegen des Abwassers, das in die Gewässer geleitet wird.

Studie: Meeressäuger durch Coronaviren in Abwasser gefährdet

Wale, Delfine und Robben, aber auch und Seeotter sowie viele andere Meeressäuger sind "sehr anfällig" für Infektionen durch COVID-19 – die Krankheit könnte bei gefährdeten Tieren lebensbedrohliche Leber- und Lungenschäden verursachen. Das hat ein Expertenteam rund um Graham Dellaire von der Universität Dalhousie im kanadischen Halifax herausgefunden.

Wie Tiere im Meer überhaupt an das Virus gelangen, wird am Namen der Studie klar, deren Ergebnisse unter folgendem Titel zusammengefasst wurden: "Pandemiegefahr aus der Tiefe: Das Risiko für Meeressäugetiere, über Abwasser an SARS-CoV-2 zu erkranken".

Demnach sind mindestens 15 Meeressäugetierarten aufgrund ihrer ACE2-Rezeptoren – dem Protein, das das Virus benötigt, um in die Zelle einzudringen und sie zu infizieren – gefährdet. Die Ähnlichkeit dabei zum Ablauf bei Menschen sei laut den Forschern "bemerkenswert".

Coronavirus gelangt über Fäkalien ins Wasser

Schon diverse andere Studien hätten gezeigt, dass SARS-CoV-2 über den Kot von infizierten Menschen ausgeschieden wird und bis zu 25 Tage im Wasser überleben kann. Das heißt also, dass auch Abwasser zur Ausbreitung beitragen kann – das wurde bereits in Spanien, Italien und Frankreich erforscht, wo Forscher das Coronavirus in Abwasser nachgewiesen haben. Unwahrscheinlich sei zwar momentan, dass Menschen über diesen Übertragungsweg infiziert würden – doch das gilt nicht für Meeressäugetiere!

In Alaska ist die Gefahr für Tiere laut Forschern hoch

In vielen Ländern verhindern Abwassersysteme mittlerweile zwar, dass Rohabwasser direkt in offene Gewässer fließt. Doch zum einen sind solche Systeme immer mal wieder überfordert, zum anderen hat sich gezeigt, dass selbst behandeltes Abwasser nachweisbare Mengen des Coronavirus aufweist. Vor allem in Alaska kann primär behandeltes Abwasser aus Absetzbecken oder Lagunen ins offene Meer gelangen – die Forscher befürchten, dass Beluga-Wale dadurch infiziert werden könnten.

Glücklicherweies wurden bisher zwar noch keine Fälle von infizierten Meeressäugern dokumentiert, allerdings gab es schon Delfine und Wale, die an sehr ähnlichen Viren erkrankt waren. Und da die meisten Meeressäuger soziale Wesen sind, könnten sich Coronaviren durch engen Kontakt untereinander ausbreiten. Heißt also: Ein infiziertes Tier könnte ganze Populationen bedrohen!

Viele der durch Corona gefährdeten Meeressäuger sind ohnehin schon bedroht

Zu allem Überfluss zählen mehr als die Hälfte der Meeressäugetiere, die die Forscher als gefährdet identifiziert haben, zu den weltweit bereits gefährdeten Tierarten.

"Viele dieser Arten sind gefährdet oder sogar vom Aussterben bedroht", sagt Dr. Dellaire. Bei den Tieren, die sich in der Vergangenheit an Viren infiziert hätten, die dem Coronavirus sehr ähnlich sind, wären leichte Krankheiten genauso wie lebensbedrohliche Leber- und Lungenschäden aufgetreten.

→ Hier geht's zur kompletten Studie auf Englisch.

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Im Zusammenhang mit Covid-19 kam kürzlich die Frage nach der Ansteckung durch einen Speisefisch auf: Lesen Sie hier, ob Lachse das Corona-Virus übertragen können.

Schon im Juni wurde übrigens bekannt, dass eine Corona-Meldepflicht für Haustiere ansteht. Was es mit der neuen Verordnung auf sich hat.

Mehr Informationen zum Coronavirus und zum Thema Haustier finden Sie auf unseren Themenseiten.

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