07.12.2020 - 12:01

Symbole des Hasses Jüdischer Arzt behandelt Corona-Patienten mit Hakenkreuz-Tattoo

Ärzte und Pfleger leiden besonders unter den Auswirkungen der Corona-Pandemie. Eine besonders aufwühlende Episode seines Arbeitsalltags schilderte Taylor Nichols auf Twitter: Der jüdische Arzt behandelte einen Corona-Patienten mit Hakenkreuz-Tattoo. (Symbolbild)

Foto: Getty Images / Visoot Uthairam

Ärzte und Pfleger leiden besonders unter den Auswirkungen der Corona-Pandemie. Eine besonders aufwühlende Episode seines Arbeitsalltags schilderte Taylor Nichols auf Twitter: Der jüdische Arzt behandelte einen Corona-Patienten mit Hakenkreuz-Tattoo. (Symbolbild)

Würden Sie jemandem das Leben retten, dem Ihres vermutlich egal wäre? Mit diesem Gedanken sah sich ein amerikanischer Arzt konfrontiert.

Taylor Nichols ist Arzt. Er arbeitet in der Notaufnahme eines Krankenhauses im US-Bundesstaat Kalifornien und behandelt jeden Tag Corona-Patienten. Auf Twitter berichtet er über seinen Arbeitsalltag, erzählt, welche Auswirkungen die Pandemie auf Ärzte und Pfleger hat und bittet die Öffentlichkeit darum, das Virus ernst zu nehmen. Besonders eine Episode, die er vor einigen Tagen auf der Plattform wiedergab, erfuhr große Aufmerksamkeit: Der jüdische Arzt erzählte, wie er einen Corona-Patienten mit Hakenkreuz-Tattoo behandelte.

Taylor Nichols: Der jüdische Arzt, der einen Corona-Patienten mit Hakenkreuz-Tattoo behandelte

Die Behandlung von Corona-Patienten ist für Taylor Nichols mittlerweile zur traurigen Routine geworden. Ständig werden neue Covid-19-Erkrankte in das Krankenhaus, in dem er arbeitet, eingeliefert. Kürzlich war das erneut der Fall: "Er kam im Krankenwagen und litt unter Atemnot", schreibt der Arzt auf Twitter. Der Patient habe bereits Unterstützung beim Atmen erhalten, dennoch "fiel es ihm offensichtlich schwer. Er sah krank aus. Unwohl. Ängstlich."

Das Team um Taylor Nichols brachte ihn zur Trage, zog sein Shirt aus, um ihm stattdessen ein Krankenhaushemd anzuziehen – dann der Schock: Der Körper des Patienten war mit Nazi-Tätowierungen bedeckt, auf seiner Brust prangte ein riesiges Hakenkreuz.

"Wir alle sahen die Symbole des Hasses"

Der Patient, der wegen seines jahrelangen Methamphetamin-Konsums all seine Zähne verloren hatte, flehte den Arzt an: "Lassen Sie mich nicht sterben, Doc." Taylor Nichols versicherte ihm, dass das Team hart arbeiten würde, um auf ihn aufzupassen und alles tun würde, was in seiner Macht stehe, um ihn zu retten – das Team, das aus einer schwarzen Krankenpflegerin, einem asiatischen Beatmungsspezialisten und einem jüdischen Arzt bestand. Sie alle sahen die "Symbole des Hasses" auf dem Körper des Patienten, die seine Ansichten verkündeten. "Wir wussten alle, was er von uns dachte. Wie er unsere Leben wertschätzte."

"Ein Kreislauf aus Angst und Isolation"

"Und doch: Wir alle waren hier, arbeiteten reibungslos, um sicherzugehen, dass wir ihm die beste Überlebenschance gaben, die wir ihm geben konnten.", schreibt Taylor Nichols. Sie alle trugen Masken, Schutzanzüge, Schutzvisiere und Handschuhe – ein Bild, das ihm zufolge die Situation des Krankenhauspersonals perfekt wiederspiegelte: "Wir existieren in einem Kreislauf aus Angst und Isolation." Angst, krank zu werden, ihre Familien anzustecken und den Patienten nicht helfen zu können. Isolation, um andere nicht anzustecken und weil Außenstehende die Situation nicht wirklich verstehen könnten.

"Vielleicht geht es mir nicht so gut"

Wie der Arzt berichtet, war er schon häufiger mit rassistischen oder antisemitischen Patienten konfrontiert. Auch die Nazi-Symbole waren nicht neu für ihn. Jedes Mal hatte ihn das aufgewühlt – doch jedes Mal hatte er seine Emotionen besiegt und seine Professionalität beibehalten. Bis jetzt. "Zum ersten Mal merkte ich, wie ich zögerte, im Zwiespalt war." Der Grund dafür war die Frage: "Wie sehr hätte er sich um mein Leben gekümmert, falls die Rollen vertauscht gewesen wären?"

Er spricht auch darüber, dass die Gesellschaft sich nicht an die Sicherheitsmaßnahmen hält. Die Pandemie nicht ernst nehmen, nicht zu Hause bleiben, keine Maske tragen. "Stattdessen nennen sie die Pandemie einen Schwindel und uns Lügner."

Der Twitter-Bericht des Arztes endet mit der Erkenntnis, dass die Pandemie ihn zermürbt hat. Dass sein Mantra der Professionalität im Moment nicht so gut wirkt wie sonst. "Vielleicht geht es mir nicht gut.", so sein Urteil.

Mehr Neuigkeiten und Informationen über das Coronavirus finden Sie auf unserer Themenseite. Erst neulich hatte ein anderer amerikanischer Arzt ähnliches über seinen Arbeitsalltag berichtet. Dieser Arzt war wegen eines Fotos berühmt geworden, auf dem er einen Corona-Patienten umarmte. Hier finden Sie auch News zum Corona-Impfstoff: Ja, Pfizer liefert nur die Hälfte – aber das ist nichts Neues!

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