Aktualisiert: 01.12.2020 - 21:55

Zurück ins Leben Nach langer, grausamer Gefangenschaft: Der einsamste Elefant der Welt fliegt endlich in die Freiheit

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Abflug in ein besseres Leben! Kavaan geht auf große Reise. Das hat der arme Elefant schon alles erdulden müssen.

Foto: imago images / Xinhua

Abflug in ein besseres Leben! Kavaan geht auf große Reise. Das hat der arme Elefant schon alles erdulden müssen.

Das ist die Geschichte von Kaavan, einem 35 Jahre alten männlichen Elefanten, der lange Jahre auf schrecklichste Art in einem Zoo ausgestellt wurde. Das glückliche Ende einer furchtbaren Gefangenschaft.

Es gibt auch gute Nachrichten. Diese ist eine davon. Es ist die Geschichte von Kaavan, einem asiatischen Elefanten, der 35 Jahre auf kleinstem Raum angekettet dahinvegetieren musste. Tierschützer haben nun einen beeindruckenden Sieg errungen und Kaavan konnte in die Freiheit fliegen. Aber auf Anfang...

Nach grausamer Gefangenschaft: Ein Elefant fliegt endlich in die Freiheit

Das ist der 35-jährige Kaavan, der sein ganzes Leben auf engstem Raum in einem pakistanischen Zoo leben musste. Er wurde weltberühmt, leider aufgrund der ganz und gar unwürdigen Bedingungen unter denen er leben musste. Die Welt wurde durch die miserablen Lebensbedingungen im Zoo der pakistanischen Hauptstadt Islamabad auf den Dickhäuter aufmerksam. Jahrelang war er in einem winzigen Gehege angebunden.

Dieses Leid hatte jetzt ein Ende, wie focus.de berichtete. Tierschützer hatten jahrelang um ihn gekämpft und nun gesiegt. Pakistans Behörden sperrten sich häufiger gegen das Vorhaben, die Richter in Islamabad urteilten aber im Mai, dass Kaavan in einem Schutzgebiet untergebracht und der Zoo geschlossen werden sollte. Das von Leid geplagte Tier wurde nun endlich in sein neues Zuhause, in ein Reservat in Kambodscha, ausgeflogen. Und so kompliziert waren die Vorbereitungen.

DIESER Superstar kämpfte für Kavaan

In den letzten Monaten wurde der Elefant von vielen Helfern auf seinen Flug nach Kambodscha vorbereitet. Sogar Superstar Cher flog nach Pakistan, um Kaavan beizustehen. Seit vier Jahren hatte sich die Sängerin bereits mit einer Kampagne für seine Freiheit engagiert. Sie hatte auch die Hälfte der Reisekosten übernommen. Insgesamt eine Viertelmillion Euro musste für den Flug in seine neue Heimat aufgebracht werden. Der Rest der Reise wurde von der Organisation Vier Pfoten bezahlt.

Tierschützer der Organisation waren es auch, die Kaavan schon im September auf seine Reisetauglichkeit überprüft hatten, denn bevor der "einsamste Elefant der Welt" in der Nacht zum Montag endlich ausreisen durfte, musste er noch einige Herausforderungen meistern.

Die psychischen Probleme, die der arme Elefant aufgrund seiner miserablen Haltungsbedingungen entwickelt hatte, waren eine Herausforderung, so der Tierarzt Amir Khalil von der Tierschutzorganisation Vier Pfoten. Frank Sinatras Klassiker hätten ihn beruhigt und vertrauensvoll gemacht.

Ein dann eigens eingeflogener deutscher Elefantentrainer sollte Kavaan für seinen ungewöhnlichen Tripp vorbereiten. Dieser wurde mit Obst und Gemüse an die Transportbox gewöhnt, seine schnelle Lernfähigkeit und seine Freundlichkeit waren dabei von Vorteil. Warum das Training? Die Experten wussten, dass man einen Elefanten für einen mehrstündigen Flug nicht einfach betäuben konnte, auch damit das ungewöhnlich schwere Tier die Bewegungen im Flugzeug ausgleichen könnte. Somit musste Kaavan also wach und bei vollem Bewusstsein bleiben, Tierärzte sollten während des Fluges auf den friedlichen Passagier aufpassen und ihn mit Nahrung und Wasser versorgen.

Elefant musste auf Diät gesetzt werden

Tierarzt Khalil, der seinem Schützling in den letzten Wochen nicht von der Seite gewichen war, hatte die undankbare Aufgabe, den armen Dickhäuter vorab auf Diät zu setzen. Peu à peu wurde die tägliche Ration von 200 auf 30 Kilogramm Zuckerrohr heruntergesetzt. Das Ergebnis: Der gutmütige Graue erschlankte um mehrere Hundert Kilo, um seinen Weg in die Freiheit endlich antreten zu können.

Was er zurückließ? Eine schreckliche Gefangenschaft und das traurige Bild der noch verbliebenen Tiere: Dazu zählten vor der Abreise des Elefanten ein Reh, einige Affen und zwei Bären, die jetzt den Weg nach Jordanien antreten sollen. Und was war mit all den anderen Tieren geschehen? Die meisten waren aufgrund der katastrophalen Haltungsbedingungen gestorben. Nach 35 langen Jahren durfte nun auch Kaavan als einer der Letzten den Zoo des Grauens verlassen.

"Entschuldigen uns, dass wir uns nicht gut um ihn kümmern konnten"

So hieß es dann am Sonntag Abschiednehmen. Der bald "glücklichste Elefant der Welt" musste für den Aufbruch in sein neues Leben in eine Transportbox, die dann mit einem Kran aus dem Gehege gehievt wurde. Senator Faisal Javed sprach die Abschiedsworte: "Wir entschuldigen uns dafür, dass wir uns nicht gut um ihn kümmern konnten und verabschieden uns von Kaavan".

Auf ging es ins "Cambodia Wildlife Sanctuary" im Norden des Landes, in dem bereits seit Wochen alles für den Neuankömmling vorbereitet wurde. Dort soll sich der Elefant zunächst in einem kleineren Gehege an seine neue Umgebung und seine neue Familie gewöhnen. Wer wird Kaavan Gesellschaft leisten? Drei Elefantenkühe namens Diploh, Arun Reah und Sarai Mia machen ihn nun zum "Hahn im Korb".

Dieses Leben erwartet den ehemals einsamsten Elefanten

Ein extra für ihn eingerichtetes 3000 Quadratmeter großes Quarantäne-Gebiet inklusive Wasserloch in der Nähe der Elefanten-Damen soll die erste Station sein. Diese sind in einem Areal von 12.000 Hektar unterwegs, das soll im zweiten Stepp auch für Kaavan möglich sein.

Wie lange die Eingewöhnung brauchen wird? Er war als einjähriges Baby in den Zoo gekommen und hatte dort lange 35 Jahre in schrecklichster Isolation verbracht. Schlimme Lebensbedingungen also, die selbst die gutmütigsten Dickhäuter verändern können. Um Verletzungen zu vermeiden, seien die Tiere zunächst durch einen Zaun getrennt. Die Experten gehen aber davon aus, dass sich Kaavan Schritt für Schritt an die neue Situation gewöhnen wird, um dann endlich den direkten Kontakt zu seinen Artgenossinnen pflegen zu können.

Wir wünschen dem tapferen Elefanten alles Gute und freuen uns über den schönen Ausgang einer schrecklich begonnenen Lebensreise. Genieß' die Freiheit, Kaavan!

Sie lieben Tiere? Dann lesen Sie mal, von diesem kleinen Igel ohne Stacheln, dem Husky mit dem teddybraunen Fell und dem dem verletzten Schwan in der U-Bahn, der mit ungewöhnlichen Mitteln gerettet wurde.

Kein Leid mehr für Elefanten! Diese Veränderungen stehen jetzt bei den Zirkussen ohne Elefanten, Bären und Co. an.

Sehr engagiert ist auch Thailands "Elefantenflüsterin", die den Umgang mit den Dickhäutern revolutionieren will.

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