Aktualisiert: 28.11.2020 - 22:12

Der Schauspieler im Interview Lars Eidinger: "Ich sehe gern aus wie ein Clown"

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Lars Eidinger ist einer der bekanntesten Schauspieler Deutschlands.

Foto: imago images / Andre Lenthe

Lars Eidinger ist einer der bekanntesten Schauspieler Deutschlands.

An ihm kommt keiner mehr vorbei – im Kino, im TV oder auf der Theaterbühne. Der 44-Jährige gehört zu Deutschlands besten Schauspielern. Einer, der gern mal provoziert und immer bewegt.

Lars Eidinger wurde am 21. Januar in Berlin geboren. Seit 1999 gehört er zum Ensemble der "Schaubühne" in Berlin. Seinen ersten Filmerfolg feierte er mit "Alle anderen" (2009). 2012 spielt er erstmals Kai Korthals in "Tatort: Borowski und der stille Gast", ein zweiter Teil folgte 2015, gerade wird der dritte Teil gedreht. Seit 2017 spielt er in der TV-Serie "Babylon Berlin". Im Kino war er unter anderem in den Filmen "Die Blumen von gestern" (2016), "25 km/h" (2018) und "Persischstunden" (2020) zu sehen. Mit Ehefrau Ulrike (Opernsängerin) hat er Tochter Edna (14).

Im Interview mit BILD der FRAU verrät Lars Eidinger mehr darüber, was Lebensfreude für ihn bedeutet und seinen Modemut.

Lars Eidinger über seine Rolle im Kinofilm "Schwesterlein"

BILD der FRAU: Für Ihre Rolle in "Schwesterlein" mussten Sie sich mit Tod und Krankheit auseinandersetzen. Genießt man das Leben nach Drehschluss dann umso mehr, Herr Eidinger?

Lars Eidinger: Ich glaube, dass das ein Klischee ist, dass jemand, der dem Tod entkommt, von da an in jedem Tag ein Geschenk sieht. Ich glaube, das verliert sich. Es ist eher so: Man verdrängt den Tod und die Krankheit. Ich glaube, wir würden es gar nicht aushalten, wenn wir uns immer vor Augen führten, wie zerbrechlich unser Leben ist. Es ist wichtig, dass man Vertrauen hat. Ins Leben. Und darin, dass alles gut wird.

Haben Sie dieses Vertrauen?

Ich denke schon.

Was ist für Sie der Inbegriff absoluter Lebensfreude?

Da gibt es so viel... Musik und Tanzen gehören dazu. Und Stille ist ein paradiesischer Zustand. Wenn eine Sehnsucht oder ein Bedürfnis gestillt ist. Und ansonsten ist es wohl so: Ich glaube, die schönsten Momente waren die, in denen es mir an nichts gefehlt hat. Als Künstler fühle ich mich am wohlsten, wenn ich mich ausdrücken kann und auf der Bühne stehen darf. Das ist Glück.

"Bevor ich sterbe " heißt es in den letzten Minuten des neuen Films. Wie würden Sie diesen Satz fortsetzen?

Bevor ich sterbe, halte ich einen Monolog. Ernsthaft: Ich würde nicht behaupten, dass ich einer von denen bin, die jeden Tag leben, als wäre es ihr letzter, aber so ein bisschen habe ich schon die Tendenz dazu. Ich habe das Gefühl, dass ich mir die Sachen erfülle, die ich schon immer machen wollte. Früher habe ich immer gesagt, als Schauspieler muss man ein Haus bauen, einen Baum pflanzen, "Hamlet" spielen und ein Kind zeugen. Da würde mir tatsächlich nur noch das Haus fehlen.

"Als Jugendlicher war ich wahnsinnig ängstlich"

Das klingt machbar! Ich muss noch Ihren Mode-Mut ansprechen: Wo kommt der her?

Mut hört sich komisch an. Mut zur Hässlichkeit...

So ist das nicht gemeint. Es fällt nur auf, dass Sie sich sehr kreativ kleiden.

Ich habe schon immer ein Faible für Kleidung gehabt und auch für eine Form von Kostümierung. Oft versuche ich auszusehen wie ein Clown -nicht, weil ich mich lustig mache, sondern weil ich einen Clown attraktiv finde. Ich gehe auch viel in Geschäfte und gucke mir die Kleidung nur auf dem Ständer an, wie in einer Kunstausstellung. Als Jugendlicher war ich wahnsinnig ängstlich. Ich hatte immer so eine Vision davon, wie ich gerne aussehen würde, aber ich habe mich überhaupt nichts getraut. Vielleicht hole ich das alles heute nach.

Gibt's Tabus für Sie?

Es gibt Sachen, bei denen es mich Überwindung kostet, überhaupt damit rauszugehen, weil ich mich angreifbar mache. Ich weiß noch, als ich angefangen habe, kurze Hosen zu tragen, waren wir auf einem Gastspiel in Shanghai und da hat gleich der erste Lichttechniker gesagt: "Lars, du hast was vergessen." "Ja, was denn?""Deine Hose." Es gibt immer wieder Leute, die versuchen, einen zu dämpfen. Heute lasse ich mich davon nicht mehr so beeindrucken.

"Meine Frau ist auch modisch meine größte Inspiration"

Auch nicht daheim? Von Ihrer Frau oder Ihrer Tochter?

Nein, meine Frau ist da sehr großzügig. Sie ist tatsächlich auch modisch meine größte Inspiration, meine Frau ist auch sehr mutig.

Aber die Teenager-Tochter?

Neulich habe ich gefragt, ob das nicht zu aufreizend ist, was sie anhat. Das war so ein sehr kurzes Shirt. Daraufhin meinte sie: "Papa, du läufst mit Hotpants rum und malst dir die Fingernägel an." Im Grunde freuen wir uns alle aneinander.

Wäre da nicht der nächste Schritt eine eigene Lars-Eidinger-Kollektion?

(Lacht) Aber erst nach der Schmuckkollektion.

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Auf unserer Themenseite Interviews plaudern die Stars und Sternchen aus dem Nähkästchen. Lesen Sie hier, wie Janine Kunze versucht mit zwei Pubertieren im Haus die Nerven zu behalten oder wie Samu Haber mit "Derrick" Deutsch gelernt hat.

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