Aktualisiert: 19.11.2020 - 22:31

"Ich wollte mehr Lebensqualität" 43 Jahre übergewichtig: Claudia Mey hat ihr Gewicht halbiert

Sie war 43 Jahre übergeiwchtig: Claudia Mey hat noch vor vier Jahren doppelt so viel gewogen wie heute. Wie sie es geschafft hat, so viel abzunehmen, hat sie BILD der FRAU erzählt.

Foto: Claudia Mey

Sie war 43 Jahre übergeiwchtig: Claudia Mey hat noch vor vier Jahren doppelt so viel gewogen wie heute. Wie sie es geschafft hat, so viel abzunehmen, hat sie BILD der FRAU erzählt.

"Ratschläge habe ich immer als Angriff gesehen", sagt Claudia Mey, die 43 Jahre lang übergewichtig war und sich in 18 Monaten halbiert hat. Mit BILD der FRAU hat sie übers Abnehmen gesprochen – wie sie es geschafft hat und wie es ihr heute geht.

"Ich war 43 Jahre meines Lebens übergewichtig!" Claudia Mey, selbstständige Frisörin aus Berlin, hat schon oft darüber gesprochen, wie es war, so viele Jahre deutlich zu viele Kilos auf den Rippen zu haben. Sogar ein Buch hat die 47-Jährige mittlerweile darüber geschrieben. BILD der FRAU hat sie verraten, was ausschlaggebend war, sehr viel Gewicht –nämlich die Hälfte – zu verlieren, wie sie es geschafft hat und wie sie sich heute fühlt.

43 Jahre zu viel gewogen: Diese Frau hat ihr Gewicht halbiert

"Dick war gestern" heißt das Buch, das Claudia Mey verfasst hat, gemeinsam mit ihrer Bekannten Sabine Richling. Eine Biografie oder auch ein Erfahrungsbericht sei es, sagt sie, "mit viel Selbstironie geschrieben." Sie wolle übergewichtige und adipöse Menschen damit motivieren, das Thema Abnehmen "doch noch einmal mit Willen und Stärke zu versuchen".

Die Frisörin weiß, wovon sie spricht: "Schon in der Kindheit, also von klein auf, hatte ich zu viel auf den Rippen", erzählt sie. Jahr für Jahr sei dann ein bisschen mehr dazu gekommen. Heute weiß sie: Es war schlicht zu viel und nicht das Richtige, was sie gegessen hat. So kamen schließlich 138 Kilo bei 1,66 Meter Körpergröße zusammen.

Dabei wollte Claudia Mey immer Gewicht verlieren. Sie war lange in einem Turnverein – doch das führte nicht zum Gewichtsverlust, "sondern nur dazu, dass ich eine gelenkige Dicke war", schmunzelt sie. Ihre Eltern hätten es bei ihr auf Anraten der Hausärztin auch mit einer Abnehmkur versucht, doch auch das habe einfach nichts gebracht.

Gesundheitliche Probleme? Jede Menge!

Ob ihr denn bei dem Übergewicht ihre Gesundheit Probleme bereitet habe? "Oh ja", sagt Claudia Mey – und zählt auf: "Ich habe schwer Luft, regelrecht Asthma bekommen, tiefe Beinvenen und Thrombose im rechten Fuß – als selbstständige Friseurin hat mir das Stehen dann sehr zu schaffen gemacht! Außerdem habe ich Allergien entwickelt, Bluthochdruck bis fast zum Hirnschlag bekommen, hormonelle Probleme und und und..." Sie winkt ab.

Einer der schlimmsten Momente für sie war dann, "als ich aus einem Stuhl nicht mehr hoch kam, weil ich fest steckte." Ein Stuhl sei auch mal unter ihrem Gewicht kaputt gegangen – das sei sehr peinlich gewesen.

"Mit 40 Jahren fiel mir alles immer schwerer – ich hatte trotz Blutdruckmitteln und maßangefertigter Thrombosestrümpfe das Gefühl, dass ich nicht mehr lange leben werde", erinnert sich die 47-Jährige. Und dann beschließt sie, es noch einmal anzugehen. Diesmal richtig!

71 kg in 18 Monaten – ohne OP und (fast) ohne Qualen

Diesmal war der Wille groß und mächtig: Unbedingt wollte sie abnehmen, sagt Frisörin Claudia Mey. Doch wie sollte sie es angehen? "Diäten waren in der Vergangenheit gescheitert, weil ich immer wieder ins alte Essverhalten zurück gefallen bin", erklärt sie. Das war also definitiv nicht der richtige Weg. Hilfe wollte sie ebenfalls nicht, die habe sie auch nie angenommen.

"Ich wollte auf nichts verzichten, also entschied ich mich für FDH ('Friss die Hälfte', Anm.d. Red.)" – gesagt, getan. Die damals 43-Jährige steckt ihr Ziel nicht so hoch, nimmt sich Etappen vor, um einem Scheitern vorzubeugen: "Mein Ziel war erstmal, zehn Kilo zu tilgen, dann die nächsten." Nach einem Jahr hat Claudia Mey die Portionen noch einmal halbiert – und sich selbst irgendwann schließlich auch. Ohne mehr Bewegung ging das allerdings nicht.

"Mit meiner täglichen Gymnastik habe ich erst nach einer Weile angefangen. Viele Übungen habe ich mir online gesucht, durch meinen Turnverein aus früherer Zeit wusste ich auch noch einiges", erzählt die Berlinerin. Einfach war es nicht: "Auf dem Rücken liegen und Fahrrad fahren in der Luft – puh das war anstrengend", erinnert sie sich an die Anfangszeit. Der Bauch hat ihr wehgetan, aber ein Zurück gab es für Claudia Mey nicht mehr: "Ich habe jeden Tag meine Gymnastik gemacht."

Erfolge haben sich schnell eingestellt

Der sichtbare Erfolg lässt die Frisörin diesmal auch durchhalten: "Nach einem Monat waren vier Kilo weg", sagt sie. Auch ihre Ernährung stellt sie um: Es gibt kein Weizen-, nur noch Dinkelmehl, weniger Zucker, keine Süßgetränke mehr, viel Obst und Gemüse, viele Beeren, eine Hand voll Nüsse täglich. Gelegentlich gönnt sie sich auch mal dunkle Schokolade, "aber nur ein Stück, das lasse ich mit einer Tasse Kaffee im Mund zerschmelzen". Und: Claudia Mey kaut ihr Essen jetzt mehr.

So purzeln die Kilos nach und nach – monatlich etwa vier. Mehr oder vielmehr schnell abnehmen soll sie gar nicht, rät ihr auch ihr Hausarzt, um Herz und Kreislauf nicht zu sehr zu belasten. Doch die Blutdruckmittel kann die Frisörin dann irgendwann absetzen.

Diesmal gab es auch keine Rückschläge während des Abnehmens. "Und es wird auch keine geben", ist Claudia Mey überzeugt. "Ich weiß heute, dass ich nie wieder ins alte Essverhalten zurück fallen werde, und mache weiter jeden Tag 15 Minuten Gymnastik." Warum sie das so genau weiß? Das kann sie beantworten: "Ich will nicht mehr krank sein. Und keine Angst mehr haben müssen, bald zu sterben. Ich wollte mehr Lebensqualität. Ich will leben."

So geht es Claudia Mey heute

Wie sie sich heute fühlt? "Wie neugeboren!", sagt Claudia Mey aus tiefster Überzeugung: "Zum Beispiel beim Laufen: Wahnsinn, ich bin so schnell am Ziel, ich muss keine Pausen mehr machen, weil mir die Luft ausgeht." Einigen übergewichtigen Kundinnen hat sie ihre alten Oberteile vermacht: Blusen in Körpergröße 58. Wenn sie die in ihrem Laden sieht, erzählt die Frisörin, könne sie kaum glauben, dass das mal ihre Kleidung war: "Es ist bis heute noch nicht richtig in meinem Kopf angekommen, aber es ist schön."

Apropos: Schöner und besser sei heute sowieso alles, so das Fazit der 47-Jährigen: "Es macht wieder Spaß, Kleidung zu kaufen. Zu laufen, sich zu bewegen ist kein Problem mehr." Nur noch die üblichen Arztbesuche stünden an, aber sie müsse keine Medikamente mehr nehmen, und Schmerzen in den Beinen habe sie auch nicht mehr. Und das Essen? Es schmeckt ihr immer noch, sagt Claudia Mey, aber sie esse eben "nicht mehr in Massen, nicht mehr aus Frust".

Was ist ihre Botschaft an übergewichtige Menschen? "Was ich gemacht habe, kann jeder. Wer es nicht alleine stemmen will, so wie ich, fragt beim Arzt oder der Krankenkasse nach Möglichkeiten." Und: Man sollte immer ehrlich zu sich selbst sein – vor allem bei der Frage, ob man sich wirklich gut fühlt: "Ich habe die Ratschläge von Ärzten, Freunden und Verwandten immer als Angriff gesehen – ich hätte es nicht so schlimm werden lassen dürfen", sagt Claudia Mey heute rückblickend. Schließlich habe man ja nur dieses eine Leben, und das sei wertvoll und schön. "Ich habe 71 kg abgenommen, für meine Haut mache ich heute noch alle drei Monate Kryolipolyse und lege jede Woche einen Über- und Unterdruckanzug an," sagt sie. Dieser ihr Weg sei auch noch lange nicht zu Ende – aber gelohnt habe er sich allemal!

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Auch diese Frauen haben es geschafft, viel Gewicht zu verlieren:

Letztlich aber ist es wichtig, sich so zu mögen, wie man ist – ob schlank, normal gebaut oder übergewichtig. Das sehen auch diese starken Frauen so:

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