17.11.2020 - 10:46

Bedrohliche Aussichten Kommt bei Quarantäneverstößen jetzt das Jugendamt?

Wenn ein Kind in Quarantäne muss, ist das für die ganze Familie eine belastende Situation. Wenn dann noch die Aussicht hinzukommt, die Behörden könnten das Kind seinen Eltern wegnehmen, wächst der Sorgenberg ins Unerträgliche.

Foto: iStock.com/Gargonia

Wenn ein Kind in Quarantäne muss, ist das für die ganze Familie eine belastende Situation. Wenn dann noch die Aussicht hinzukommt, die Behörden könnten das Kind seinen Eltern wegnehmen, wächst der Sorgenberg ins Unerträgliche.

Kann das Jugendamt bei Verstößen gegen die Quarantäne-Auflagen Kinder aus ihren Familien nehmen? Amtliche Schreiben legen das nahe…

Die zweite Welle der Corona-Pandemie rollt über Deutschland hinweg. Durch strenge Sicherheitsmaßnahmen wird versucht, der Pandemie Einhalt zu gebieten – das bedeutet aber nicht, dass alle Maßnahmen freudig akzeptiert werden. Oft herrscht Verwirrung, Ratlosigkeit und Skepsis darüber, ob bestimmte Regeln wirklich verhältnismäßig sind. So auch bei den Briefen, durch die deutsche Behörden in der letzten Zeit von sich reden machten: Laut Berichten können die Behörden bei Verstößen gegen die Quarantäne-Auflagen Eltern ihre Kinder wegnehmen.

Wie weit geht die Quarantäne? Können Behörden Eltern ihre Kinder wegnehmen?

Es stimmt: Wer in Quarantäne muss, muss sich an die von den Behörden angeordneten Auflagen halten. Personen, die sich isolieren sollen, erhalten für gewöhnlich ein Schreiben. Sind minderjährige Kinder betroffen, richtet sich dieses Schreiben an die Eltern oder sonstige Erziehungsberechtigte.

Nun sind die Bescheide deutscher Behörden nicht gerade berühmt für ihre Einfühlsamkeit und aufbauenden Worte. Wie die Augsburger Allgemeine Zeitung vor Kurzem berichtete, sind die Quarantäne-Briefe da keine Ausnahme. Der Ton ist knapp und amtlich – und mit Sicherheit nicht dazu geeignet, verunsicherte Eltern zu beruhigen. Vor allem nicht in Anbetracht der Tatsache, dass zu dem militärischen Ton noch ein bedrohlicher Inhalt dazukommt…

"Zwangsweise Absonderung" ist möglich

Nicht nur wird den Kindern verboten, ohne Genehmigung des Gesundheitsamtes das Haus zu verlassen und die Eltern angewiesen, zweimal täglich Fieber zu messen. Laut der Augsburger Allgemeinen können die Kinder dem Schreiben einer Behörde zufolge auch "zwangsweise in einer geeigneten geschlossenen Einrichtung abgesondert werden", sollte man den Anordnungen nicht nachkommen. Die Entscheidung darüber obliege einem Familiengericht.

Nun ist die Lage von Eltern, deren Kinder in Quarantäne müssen, ohnehin keine leichte. Zu viele Fragen und Unklarheiten zieht die ungewohnte Situation nach sich: Müssen Geschwister auch in Quarantäne? Und was ist mit den Eltern selbst? Und selbst, wenn für die Eltern keine offizielle Quarantäneanordnung vorliegt, dürfen sie trotzdem der Arbeit fernbleiben, um sich um das isolierte Kind zu kümmern? Muss der Arbeitgeber Verständnis zeigen und muss mit einem Verdienstausfall gerechnet werden? Wenn dann auch noch die Angst dazukommt, eventuell die eigenen Kinder zu verlieren – und sei es auch nur zeitweise – wächst der Sorgenberg schnell ins Unerträgliche.

Kinderschutzbund kritisiert Drohbriefe

Die Praxis der Jugendämter wurde bereits von mehreren Seiten stark kritisiert. Unter anderem geht der Kinderschutzbund mit seinem Präsidenten Heinz Hilgers den Drohbriefen nach. Die Organisation hatte sich bereits im August an Gesundheitsminister Jens Spahn gewandt und gefordert, die unverhältnismäßigen Maßnahmen zu überdenken. Schließlich sei die Quarantäne-Situation für Familien bereits ohne die beängstigenden Briefe und die Aussicht auf Trennung belastend genug.

Vorerst war keine Reaktion des Gesundheitsministers erfolgt, dies könnte sich nun aber bald ändern. Die Grünen-Bundestagsabgeordnete Ekin Deligöz, die gleichzeitig Vizepräsidentin des Kinderschutzbundes ist, sprach den Minister direkt auf das Thema an. Dieser habe daraufhin zugesagt, die Angelegenheit zeitnah beim Treffen mit den Ministerpräsidenten zu besprechen.

Vermutlich hofft fast jeder, dass es bald einen zuverlässigen Impfstoff gibt und sich die Pandemie endlich dem Ende zuneigt. Gute Nachrichten gibt es jetzt von Moderna: Der Impfstoff des Unternehmens soll fast 95 Prozent Wirksamkeit haben. Ebenfalls heiß diskutiert wird nach wie vor die Frage, ob man nach einer Coronavirus-Infektion immun ist – und wenn ja, wie lange.

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