Aktualisiert: 18.11.2020 - 21:41

Reisen trotz Corona So läuft Strandurlaub mitten im Lockdown

Urlaub im Lockdown? Unsere Reporterin hat Strandurlaub trotz Corona gewagt... (Symbolbild)

Foto: iStock.com/tataks

Urlaub im Lockdown? Unsere Reporterin hat Strandurlaub trotz Corona gewagt... (Symbolbild)

Im Lockdown soll man zuhause bleiben. Doch unsere Reporterin wollte in die Sonne, buchte trotz Corona einen Strandurlaub. Ihr Erfahrungsbericht.

Der 3. November: der Tag, der den düsteren Corona-Winter in Deutschland einläutete. Nach langem Hin und Her wurde das öffentliche Leben runtergefahren. Touristische Hotelübernachtungen sind seitdem nicht mehr möglich, Restaurants mussten schließen, immer mehr Menschen arbeiten aus dem Homeoffice und schränken soziale Kontakte ein.

Gerade erst berieten Bund und Länder darüber, die Maßnahmen sogar noch zu verschärfen. Von Lockerungen kann keine Rede sein. Bundeskanzlerin Angela Merkel appellierte mehrfach an die Bevölkerung: "Bitte bleiben Sie, wenn immer möglich, zu Hause." Und sagte erst gestern: "Jeder Kontakt, der nicht stattfindet, ist gut."

Wenige Tage nach diesen Worten buchten wir einen All-inclusive-Urlaub am Meer.

Unverantwortlich, gefährlich, rücksichtslos? Wie ist es wirklich, Urlaub während des Lockdowns zu machen – zu einer Zeit, in der sich alle einschränken sollen, um Covid-19 einzudämmen? Sonne satt statt Novemberregen zu Corona-Zeiten – ein Erfahrungsbericht.

Strandurlaub trotz Lockdown: So läuft das Reisen im Corona-Winter

Zugegeben: Es gibt durchaus bessere Zeitpunkte, um in den Urlaub zu fliegen. Zumal es in Europa kaum ein Land mehr gibt, das nicht als Risikogebiet eingestuft worden ist. Doch die Gründe lagen für meinen Freund und mich auf der Hand: Die letzte "richtige" Reise ging im November 2019 nach Madeira, seitdem arbeiteten wir mehr oder weniger pausenlos durch.

Drei Wochen hatten wir uns im November freigeschaufelt und Mitte des Jahres waren wir überzeugt davon, problemlos in den Urlaub fahren zu können. Hach, wie schön!

Wenn weg, dann weit! Diese Reisetrends erwarten uns 2021.

Dann stiegen die Zahlen und die Ziele auf unserer Karte wurden immer weniger. Südafrika oder Thailand? Schön wär's! Nach England oder Schottland? Keine Chance! Mit dem Auto nach Italien? Zum Vergessen! Ein Hotel mit Therme in Bayern oder an der Ostsee? Eine Ferienwohnung im Harz? Bei Verwandten in Darmstadt unterkommen? Irgendwas?!

Entscheidung gefallen: Ab auf die Kanaren!

Kurz vor Urlaubsbeginn am 6. November sind wir verzweifelt. Wo können wir bloß noch hin? Wollen wir die hart erarbeiteten drei Wochen Urlaub wirklich in unserer Zwei-Zimmer-Wohnung mitten in der Innenstadt in direkter Nähe zu einer Großbaustelle verbringen?

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Eine Chance gibt es noch: die Kanaren. Nach Spanien? Ja, tatsächlich. Das ganze Land hat mit hohen Zahlen zu kämpfen und gilt als Risikogebiet – mit Ausnahme der Inselgruppe im Atlantik. Bis zum 14. November ist die Einreise sogar ohne Coronatest möglich.

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Doch mein Gewissen meldet sich schnell. Wollen wir wirklich einen fast fünfstündigen Flug in Kauf nehmen für ein klein bisschen Sonne und Erholung? Kann man das wirklich verantworten für unsere Gesundheit und für die unserer Liebsten?

Großer Koffer sorgt für Schuldgefühle

Trotz Zweifel entscheiden wir uns für eine Pauschalreise: neun Tage All-inclusive-Urlaub auf den Kanaren inklusive Corona-Versicherung. So ist sichergestellt, dass man zum Beispiel im Falle einer Erkrankung beim Aufenthalt zusätzliche Nächte im Hotel oder auch den Rücktransport bezahlt bekommt. Vor Reiseantritt muss man ein Dokument der spanischen Regierung ausfüllen und einen QR-Code generieren, den man bei Einreise vorzeigen muss. Alles super einfach.

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Mit dem Zug ging es zum Flughafen nach Hannover. Ich fühle mich schuldig mit meinem großen Koffer auf dem Weg durch die Stadt zum Bahnhof. Vereinzelt starren Personen einen an, vielleicht bilde ich es mir auch nur.

Experten sind der Meinung, dass die Ansteckungsgefahr im Flugzeug nicht sehr hoch ist – auf dem Flughafen hingegen schon. Das Bild, dass sich uns am Flughafen Hannover bietet, ist an Skurrilität nicht zu überbieten: Ganze drei Flieger sollen an einem Tag abheben: München, Fuerteventura, und wieder München. Der gesamte Airport wie ausgestorben – bis auf die Check-in-Schalter 301 bis 304. Dort tummelten sich schätzungsweise 150 bis 200 Personen, die wie wir dem Lockdown in Richtung Süden entkommen wollen. Der Flieger entsprechend: rappelvoll.

Strenge Regeln im Ferienflieger

Der Flug gibt keinen Anlass für große Besorgnis. Obwohl jeder Platz besetzt ist, trägt jeder Passagier gewissenhaft Mund-Nasen-Schutz. Wer etwas trinken will, wird durchweg aufgefordert, bargeldlos zu zahlen. Eine Frau in der Reihe hinter uns mit gebrochenem Bein will den Sitz wechseln. Darf sie nicht, weil jeder Passagier aus Sicherheitsgründen auf seinem gebuchten Platz identifiziert werden muss – falls es einen Corona-Ausbruch geben sollte.

Auf Fuerteventura angekommen, geht es im Bus des Reiseveranstalters noch anderthalb Stunden über die Insel zum Hotel. Hier wird es mit der Maskenpflicht nicht ganz so ernstgenommen wie zuvor im Flugzeug. Manch einem hängt die Maske unterhalb der Nase, anderen baumelt sie locker von einem Ohr. Gute Lüftung im Bus? Eher nicht.

Maskenpflicht und überall Desinfektionsmittel

Im Hotel fühlt man sich zu Beginn des Urlaubs gut aufgehoben: Das Hotel ist nur zu rund einem Drittel ausgelastet, etwa 1000 Gäste könnte es eigentlich beherbergen. Es sind vor allem Touristen aus Deutschland. Überall Desinfektionsmittel, die Mitarbeiter achten anfangs penibel darauf, dass Gäste es benutzen. Liegen werden regelmäßig gereinigt, Markierungen am Boden zeigten an, in welche Richtung Räume betreten werden dürfen und wo diese wieder verlassen werden sollen, um Abstände einzuhalten.

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Auf den Kanaren herrscht auch im Freien Maskenpflicht, alle Hotelgäste halten sich auf den Wegen rund ums Hotel und den Außenbereich auch daran. Lediglich beim Spaziergang am Strand darf sie abgenommen werden. Insgesamt ein sehr positiver Eindruck, man lebt zwischenzeitlich wie in einer Blase, in der es Corona gar nicht zu geben scheint. Ich denke an meine Familie und Freunde in Deutschland, die bei Novemberwetter in ihren vier Wänden ausharren und beneide sie nicht. Und frage mich: Warum zum Teufel hatte ich überhaupt Zweifel an dieser Reise?

Viele Gäste halten Abstände nicht ein

Doch mit den Tagen zeichnet sich im Hotel leider ein anderes Bild ab. Es kommen immer mehr Gäste, laut Personal sind es zwischenzeitlich über 500. Und das merkt man nicht zuletzt am Büffet zum Frühstück und Abendessen. 1,50 Meter Abstand hält kaum noch jemand ein, die Tische im Restaurant werden voller. Viele wiegen sich offenbar in trügerischer Sicherheit. Beispiel: Obwohl der Fahrstuhl nur von einer Person oder den Gästen, die sich ein Zimmer teilen, benutzt werden darf, wollen sich manche Gäste hineindrängen. Auf die Bitte, dass man doch den nächsten Fahrstuhl nehmen solle, kommt man sich wie der Spielverderber vor.

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Und auch sonst rückt die Pandemie wieder mehr in den Fokus. Wo man auch hinhört, am Pool gibt es bei den Gästen nur ein Gesprächsthema: Corona. Viele telefonieren mit Angehörigen in der Heimat, fragen nach aktuellen Infektionszahlen und Risikogebieten. Manche Pärchen schlürfen gemeinsam Aperol Spritz – und tauschen sich aus, wo es in ihrer Heimat noch Test-Möglichkeiten gibt.

Fazit nach neun Tagen Urlaub im Lockdown

Unser Urlaub neigt sich dem Ende zu, die Kanaren sind weiterhin kein Risikogebiet. Wir kommen wahrscheinlich ohne Corona-Test und Quarantäne davon. So viel Glück hatten nicht viele Touristen in den vergangenen Monaten. Es war sicher ein Spiel mit dem Feuer, während eines Lockdowns in den Urlaub ins Ausland zu reisen – doch wir würden es wieder machen, solange es nicht zu viele Hotelgäste gibt und sich alle an die Regeln halten.

Eines muss aber klar sein: Trotz Sonne, Strand und Meer ist Corona vor allem in den Köpfen allgegenwärtig – und wird es bei den nächsten Reisen wohl auch weiterhin sein.

Sehnen Sie sich auch nach erholsamen Tagen? Auf unserer Themenseite Urlaub werden Sie fündig nach spannenden Artikeln. Und schauen Sie auch auf unserer Themenseite Coronavirus vorbei, um mehr über die Pandemie und den aktuellen Lockdown zu erfahren.

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