16.11.2020 - 10:58

#besondereHelden "Tolle Aktion" oder "Propaganda"? Das sind die Reaktionen auf die "Nichtstuer-Spots" der Bundesregierung!

Auf der Couch sitzend zum Helden werden? Die neuen Corona-Videos der Bundesregierung zeigen genau das. Doch die Reaktionen auf die "Nichtstuer-Spots" fallen unterschiedlich aus...

Foto: iStock.com/gradyreese

Auf der Couch sitzend zum Helden werden? Die neuen Corona-Videos der Bundesregierung zeigen genau das. Doch die Reaktionen auf die "Nichtstuer-Spots" fallen unterschiedlich aus...

Mit drei Video-Clips ruft die Bundesregierung die Menschen dazu auf, zuhause zu bleiben. Doch kann das funktionieren? Die Reaktionen auf die Videos fallen unterschiedlich aus…

Mitten im Lockdown Light appelliert die Bundesregierung weiterhin an die Menschen, zuhause zu bleiben. Dabei bedient man sich erneut einer Formulierung, an die wir uns noch von der ersten Welle der Pandemie im Frühjahr erinnern: "Helden" sollen die sein, die zuhause bleiben und so dazu beitragen, Neuinfektionen zu verhindern – zumindest laut den neuen "Corona-Videos" der Bundesregierung. Die Spots preisen das Nichtstun als Heldentat. Doch kommt diese Rhetorik nach mittlerweile einem Dreivierteljahr Pandemie bei den Leuten immer noch so gut an?

Corona-Videos der Bundesregierung: Wenn einen Nichtstun zum Helden macht

Regierungssprecher Steffen Seibert teilte am Wochenende drei Video-Clips auf Twitter – versehen wurden diese mit dem Hashtag "#besonderehelden". In den Clips, die im Jahr 2080 spielen, erzählen zwei Männer und eine Frau von ihrer Jugend während der Corona-Pandemie 2020 – und davon, wie sie während der zweiten Welle zu Helden wurden.

#besondereHelden: Corona-Spot der Bundesregierung 1

Der Clou: Die Leistung der drei fiktiven ehemaligen Jugendlichen bestand darin, dass sie "nichts" taten, "absolut gar nichts". "Wir waren faul wie die Waschbären", erinnert sich ein älterer Herr namens Anton Lehmann, der laut Untertitel 2020 in Chemnitz "im Einsatz" war, im ersten Corona-Video. Er gibt zu, dass das als 22-Jähriger alles andere als leicht war: "22, in diesem Alter will man doch feiern, studieren, jemanden kennenlernen, all sowas, oder mit Freunden einen trinken gehen" – doch "das Schicksal hatte andere Pläne mit uns".

#besondereHelden: Corona-Spot der Bundesregierung 2

Neben Anton Lehmann, der den Lockdown offensichtlich überwiegend liegend und Fastfood schnabulierend verbrachte, zeigt ein weiterer Spot den faulen Zocker "Tobi Schneider", der sein alltägliches Verhalten kein bisschen veränderte und dennoch zum Helden wurde. In einem dritten Spot erinnert sich "Luise Lehmann", Anton Lehmanns Frau, an die Anfangszeit ihrer Beziehung zu Anton – auch diese war während des Lockdowns offensichtlich gewöhnungsbedürftig.

So unterschiedlich sind die Reaktionen auf den Nichtstuer-Spot

Die Corona-Videos polarisieren stark. Auf Twitter erhält die Bundesregierung Lob und Zuspruch für die Spots, erntet aber auch Unverständnis und Wut.

Während die einen darauf hinweisen, dass man die deutschen Videos in anderen Ländern feiert und vermutlich auch die Deutschen selbst diese humorvoller nehmen würden, wenn sie aus einem anderen Land kämen, kritisieren andere die "Kriegsrhetorik", die durch Formulierungen wie "im Einsatz" oder das Salutieren der Protagonisten bedient wird und bezeichnen die Videos gar als "lupenreine Propaganda".

Andere Nutzer erkundigen sich nach den Kosten für den Werbespot und merken an, dass man das Geld besser in das Gesundheitssystem oder Bildungseinrichtungen hätte investieren sollen – schließlich gibt es an den meisten Schulen immer noch kein funktionierendes Hygiene-Konzept.

Der Hauptkritikpunkt ist jeodch, dass die Videos an der Lebensrealität vieler Menschen vorbeigehen. Zwar richten sich die Clips offensichtlich vor allem an junge Leute, denen es besonders schwerfällt, einfach zuhause zu bleiben. Nichtsdestotrotz finden viele, dass die Videos eine Situation verharmlosen, die viele Menschen an den Rand ihrer Belastungsgrenze bringt, zum einen weil sie den Spagat zwischen Home Office, Kinderbetreuung und Psychohygiene meistern müssen, zum anderen, weil sie durch die Corona-Krise in finanzielle Not geraten sind:

Weiterhin fühlen sich viele durch die Verklärung des Zuhausebleibens nicht gesehen. Schließlich befindet sich nicht jeder in der privilegierten Position, einfach zuhause bleiben und nichts tun zu können. Viele müssen nach wie vor jeden Tag das Haus verlassen, um zur Arbeit zu gehen – und sich dafür teilweise auch dem überfüllten öffentlichen Nahverkehr aussetuen. Insbesondere gegenüber Ärzten, Krankenpflegern und anderen Personen, die im medizinischen Bereich tätig sind, empfinden viele die Videos als Hohn – schließlich befänden sich diese tatsächlich "im Einsatz", nicht jene, deren "Front die Couch" sei.

Weitere Informationen und Neuigkeiten über das Coronavirus finden Sie auf unserer Themenseite. Hier erfahren Sie unter anderem, mit welcher Immunreaktion der Körper gegen das Coronavirus kämpft. Ebenfalls interessant: Die Spanische Grippe ist eigentlich noch gar nicht zu Ende.

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