Aktualisiert: 12.11.2020 - 20:30

Zu dick, zu behaart, zu nackt Zensur! Löscht Instagram Bilder, die nicht dem Schönheitsideal entsprechen?

Da sich der Instagram-Algorithmus am allgemein vorherrschenden Schönheitsideal orientiert, hätte Barbie vermutlich keine Zensur zu befürchten. Es sei denn, sie hätte Nippel. Hätten Sie gedacht, dass Instagram beim Löschen von Bildern so streng ist?

Foto: iStock.com/Baramyou0708

Da sich der Instagram-Algorithmus am allgemein vorherrschenden Schönheitsideal orientiert, hätte Barbie vermutlich keine Zensur zu befürchten. Es sei denn, sie hätte Nippel. Hätten Sie gedacht, dass Instagram beim Löschen von Bildern so streng ist?

Instagram zeigt die Welt der Schönen und Reichen – doch ist es Zufall, dass gerade diese allgegenwärtig zu sein scheinen? Oder liegt es am unfairen Algorithmus?

Nackte Körper kommen in den sozialen Medien gut an, das ist wohl kein Geheimnis. Aber – Überraschung! – nicht jeder Körper ist gleich. Zumindest nicht vor dem Instagram-Algorithmus. Immer wieder heißt es, die Foto-Plattform bevorzuge Fotos von Menschen, die dem gängigen Schönheitsideal entsprechen. Gleichzeitig zensiere Instagram Bilder, die dem Schönheitsideal zuwiderlaufen, also zum Beispiel Fotos von dicken Frauen, Frauen, die Körperhaar zeigen oder sonst in irgendeiner Form aus dem Rahmen fallen. Instagram selbst hält sich bezüglich der Funktionsweise des Algorithmus bedeckt – folgende Beispiele legen jedoch nahe, dass an den Zensurvorwürfen etwas dran ist.

Der Instagram-Algorithmus steht auf Schönheitsideale – und zensiert Bilder von dicken Frauen

Celeste Barber ist mittlerweile den meisten ein Begriff: Die Australierin imitiert Promi-Fotos und zeigt auf diese Weise, wie absurd viele Foto-Posen sind, wenn sie von Frauen eingenommen werden, die nicht den Körper eines Topmodels haben. Vor einiger Zeit lud Celeste Barber ein neues Bild hoch, auf dem sie die Pose des Victoria's-Secret-Models Candace Swanepoel imitierte: Überwiegend unbekleidet, die Brüste mit einer Hand verdeckend. In puncto Nacktheit also zwei vollkommen identische Bilder – tatsächlich zeigt sich Celeste Barber, die einen nudefarbenen Tanga trägt, noch eine Spur bekleideter als Candice Swanepoel.

Das schien den Instagram-Algorithmus allerdings nicht zu interessieren: Während das Original geteilt werden konnte, war dies bei Celeste Barbers Bild nicht möglich. Die Begründung: Das Foto zeige Nacktheit und verstieße deshalb gegen die Community-Regeln. Diese unfaire Behandlung ließen Celeste Barber und ihre Fan-Gemeinde nicht auf sich sitzen. Nachdem sie Instagram öffentlich des Bodyshamings bezichtigt hatte, entschuldigte sich das Team bei ihr. Dass User das Foto nicht teilen konnten, sei einfach ein Fehler gewesen.

Nicht nur dickenfeindlich, sondern auch rassistisch?

Auch die Fotos des Schwarzen Plus-Size-Models Nyome Nicholas wurden mit dem Verweis auf ihre Nacktheit immer wieder gelöscht. Unverständlich – schließlich unterschieden sich ihre Posen durch nichts von den Posen ihrer dünnen, weißen Modelkolleginnen: Oft zeigte sie sich mit entblößtem Oberkörper, während sie ihre Brüste mit der Hand bedeckte.

Auch sie kämpfte gemeinsam mit ihren Fans für eine faire Bewertung ihrer Fotos – und hatte Erfolg: Wie "businessinsider.com" berichtete, bewertet Instagram-Fotos seit dem 28. Oktober anders: Es soll nun offiziell erlaubt sein, auf Bildern die Oberweite mit der Hand zu bedecken. Allzu festes "Grapschen" und das Zusammendrücken der Brüste ist jedoch nach wie vor verboten. Wie schnell und fair diese Richtlinie am Ende durchgesetzt wird, bleibt abzuwarten – Nyome Nicholas zumindest freut sich: Ihr Profil ziert heute der stolze Satz "Changed Instagram Policy" (Deutsch: "Ich habe die Instagram-Richtlinien geändert").

Hallo, Doppelstandards!

Der Umgang mit den Fotos von Celeste Barber und Nyome Nicholas legt klare Doppelstandards offen: Frauen, deren Körper nicht den gängigen Schönheitsidealen entsprechen, werden von Instagram zensiert – auch, wenn sie genau die gleichen Posen einnehmen und genau das Gleiche tragen wie Frauen, deren Äußeres als Ideal gilt.

Dass Instagram so handelt, ist nicht das erste Mal: Bereits früher warfen Kritiker der Plattform vor, attraktiven Menschen mehr Reichweite zu geben. Minderheiten und Menschen, die nicht dem gängigen Schönheitsideal entsprechen, würden hingegen benachteiligt und zensiert. Das trifft nicht nur Menschen, die nicht superschlank sind, sondern auch Menschen, die dem Beauty-Standard auf andere Weise trotzen. Das Buch "Pics or It Didn't Happen! Images Banned from Instagram" des schwedischen Models Arvida Byström sammelt Bilder, die von Instagram gelöscht wurden, zumeist aus nicht nachvollziehbaren Gründen. Mit dabei sind unter anderem verschiedene Bilder, die Frauenkörper – oder Teile davon – mit Körperbehaarung zeigen. Skandalös!

Nippel nicht erlaubt – zumindest 50 Prozent davon

Eine weitere körperliche Eigenschaft, die genau wie Fett oder Falten auf Instagram nicht gern gesehen ist, sind Nippel. Verstößt man gegen diese Richtlinie und lässt doch mal vorwitzig einen Nippel aufblitzen, reagiert Instagram oft gnadenlos: Man kann von Glück reden, wenn nur das Nippel-Bild entfernt wird. Es kann auch vorkommen, dass das Instagram-Konto komplett gesperrt wird.

Nun könnte man in diesem Fall damit argumentieren, dass ja wirklich nicht jeder Körperteil auf Instagram gepostet werden müsse, dass gegen einen gewissen Bekleidungsgrad nicht unbedingt etwas einzuwenden sei, dass es für Nackedei-Fotos sicher eigene Plattformen gebe, und so weiter, und so fort… Da wäre allerdings noch eine Sache, die solchen Argumenten die Luft aus den Segeln nimmt: Nur weibliche Nippel werden bei Instagram zensiert. Männliche Brustwarzen hingegen sind vollkommen in Ordnung.

Verständlicherweise möchten sich viele nicht mit dieser Ungleichbehandlung abfinden. Mit teils kreativen Ansätzen protestieren sie gegen die Nippel-Zensur. So stellt beispielsweise der Account "free the nipple" ein Foto einer männlichen Brustwarze zur Verfügung, das man, sollte man doch mal ein entblößtes Bild posten wollen, einfach über den weiblichen Nippel kleben kann. So praktisch – und vollkommen konform mit den Instagram-Richtlinien.

Auch der Account "genderless nipple" existiert nach wie vor – obwohl dieser sogar ausschließlich Brustwarzen-Bilder postet. Der Clou: Es handelt sich dabei um Nahaufnahmen, die keinen Rückschluss darauf zulassen, ob es sich um einen männlichen oder einen weiblichen Nippel handelt. Das ist für Instagram offenbar in Ordnung.

Sie wollen mehr Geschichten von starken Frauen lesen? Dann sollten Sie unserer Themenseite einen Besuch abstatten. Auch darüber, was sich auf der Foto-Plattform Instagram so abspielt, halten wir Sie auf dem Laufenden. Kennen Sie zum Beispiel schon den neuesten Trend, die Jazz-Beine? Wie Sie die neue Lieblingspose der Influencer nachmachen können. Auch diese Künstlerin ist auf Instagram sehr aktiv: Kerstin Ott: So ein herrliches Leben führt der taube Hund Jakob bei ihr!

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