12.11.2020 - 11:03

So ist die Rechtslage Bankkarte verloren – wer haftet beim kontaktlosen Bezahlen?

Kontaktlos zu bezahlen ist so einfach! Das finden vermutlich nicht nur Sie. Wer haftet, wenn die Bankkarte mal verloren geht?

Foto: iStock.com/jacoblund

Kontaktlos zu bezahlen ist so einfach! Das finden vermutlich nicht nur Sie. Wer haftet, wenn die Bankkarte mal verloren geht?

Kontaktloses Bezahlen ist praktisch, gerade in Zeiten der Pandemie. Doch leider können auch Diebe die einfachste aller Zahlungsmethoden ausnutzen…

Noch unkomplizierter als kontaktlos mit der Bankkarte lässt es sich kaum bezahlen: kein aufwändiges Kramen nach Bargeld, kein Eintippen der PIN (wobei man sich, je nach Zustand des Gerätes, auch gerne mal vertippt), keine hastig auf unebenem Grund hingekritzelte Unterschrift… Stattdessen hält man einfach die Bankkarte vor das Lesegerät und die Sache ist erledigt. So praktisch!

Das einzige Problem: Nicht nur wir, sondern auch Diebe könnten von den Vorteilen des kontaktlosen Zahlens Gebrauch machen. Da bei Beträgen bis zu 25 Euro keine PIN eingegeben werden muss, kann theoretisch auch jemand, der sich unrechtmäßig eine solche Karte verschafft hat, fröhlich damit shoppen gehen. Doch müssen Sie in diesem Fall tatsächlich für die Ausgaben aufkommen? Wer haftet, wenn ein Unbefugter die Bankkarte zum kontaktlosen Bezahlen nutzt?

Europäischer Gerichtshof entscheidet: Beim kontaktlosen Bezahlen haftet die Bank

Karteninhaber, die die Möglichkeit der kontaktlosen Zahlung nutzen, dürfen sich über gute Nachrichten freuen: Für den Europäischen Gerichtshof ist die Sache klar. Wie die Tagesschau berichtete, urteilte dieser im Fall der Deniz Bank in Österreich gerade erst, dass der Kunde, nachdem er den Verlust der Karte gemeldet hat, nicht für die durch Unbefugte entstandenen Schäden haften muss.

Das Urteil steht im Einklang mit der Rechtslage in Deutschland: Nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch (§ 675v BGB) ist es Banken verboten, die Haftung für derartige Schäden auf den Kunden umzulegen – nicht einmal dann, wenn dies in den AGBs festgehalten wird. Die Begründung, eine Sperrung der kontaktlosen Zahlung sei nicht möglich, weshalb der Kunde weiterhin für die abgebuchten Beträge aufkommen müsse, ist laut dem Europäischen Gerichtshof unzulässig.

Nicht vergessen: Verlust sofort melden

Gut zu wissen, dass Sie als Kunde beim Diebstahl oder Verlust Ihrer Bankkarte nicht für den entstandenen Schaden haften müssen. Zwar mögen 25 Euro verschmerzbar sein, es muss allerdings auch bedacht werden, dass der Dieb oder unehrliche Finder der Karte eine solche Transaktion nicht nur einmal, sondern gleich mehrmals durchführen kann. Da kann schon eine ganz ansehnliche Summe zusammenkommen.

Was jedoch wichtig ist: Sie müssen den Verlust Ihrer Bankkarte der Bank unverzüglich melden. Schieben Sie den Anruf nicht vor sich her, sondern erledigen Sie ihn sofort, wenn Sie bemerken, dass die Karte nicht mehr dort ist, wo sie sein sollte. Schließlich wissen Sie nicht, ob nicht just in diesem Moment jemand fröhlich mit Ihrer Karte durch die Geschäfte zieht. Und solange Sie den Verlust nicht gemeldet haben gilt: Sie haften – für sämtliche Beträge.

Mehr Informationen und Neuigkeiten zum Verbraucherschutz finden Sie auf unserer Themenseite Ratgeber Recht. Hier erfahren Sie außerdem, ob es erlaubt ist, den Kugelschreiber aus dem Büro mitzunehmen. Ebenfalls lesenswert: 644 Euro: Experten fordern mehr Hartz IV!

Familie und Leben

Familie und Leben

Alles rund um Haus & Garten, Wissenswertes aus dem Alltagsleben und Ratgeberthemen sehen Sie in den Videos.

Beschreibung anzeigen
Eine Webseite der FUNKE Mediengruppe