10.11.2020 - 10:47

Echt perfide "Querdenker" und Co: So wollen Corona-Leugner Kinder manipulieren

Kinder verfügen noch nicht über viel Lebenserfahrung und sind deshalb besonders verletzlich. Das machen sich Verschwörungstheoretiker zunutze: Corona-Leugner versuchen, Kinder zu manipulieren und für ihre Zwecke einzuspannen. Die Kontaktaufnahme erfolgt entweder digital – oder ganz klassisch auf dem Schulweg.

Foto: iStock.com/Imgorthand

Kinder verfügen noch nicht über viel Lebenserfahrung und sind deshalb besonders verletzlich. Das machen sich Verschwörungstheoretiker zunutze: Corona-Leugner versuchen, Kinder zu manipulieren und für ihre Zwecke einzuspannen. Die Kontaktaufnahme erfolgt entweder digital – oder ganz klassisch auf dem Schulweg.

Verschwörungstheoretiker sind gefährlich. Umso mehr, wenn ihre Manipulationsversuche auf jene abzielen, die besonders verletzlich sind: Kinder.

Das Spektrum der Corona-Skeptiker ist breit: Manche haben schlicht Angst und wählen den Weg der Verdrängung, da sie sich die ungeheure Bedeutung der Pandemie nicht eingestehen möchten. Andere wittern hinter dieser eine Weltverschwörung und verteidigen und verbreiten ihre Überzeugungen voller Hass. Manche schrecken auch vor drastischen Taten nicht zurück: Das beste Beispiel dafür ist der Anschlag auf das Robert-Koch-Institut in Berlin.

Fest steht: Corona-Leugner sind gefährlich – insbesondere dann, wenn sie ihre Fehlinformationen nicht an Ebenbürtige richten, sondern an jene, die noch nicht so viel Lebenserfahrung haben und deshalb umso anfälliger für Propaganda sind: Offenbar versuchen Corona-Leugner in letzter Zeit verstärkt, Kinder und Jugendliche zu manipulieren.

Fangen Corona-Leugner Kinder auf dem Schulweg ab?

Der Schulweg war schon immer eine Sorgenquelle vieler Eltern. Nicht nur durch Gefahren im Straßenverkehr, sondern auch aufgrund von Horrorszenarien wie dem berühmten Fremden, der die Kleinen mit Geschichten von niedlichen Hundewelpen in sein Auto lockt. Geht die neue Gefahr im Jahr 2020 von Corona-Leugnern und ihrer Anti-Masken-Propaganda aus?

Wie der Bayerische Rundfunk berichtete, gab es in der Vergangenheit bereits Vorfälle, bei denen Masken-Skeptiker Schüler auf dem Schulweg ansprachen und sie davon zu überzeugen versuchten, dass die Mund-Nasen-Bedeckungen gefährlich seien. Auch am letzten Wochenende berichteten verschiedene Medien, unter anderem das ZDF, über eine mutmaßliche Aktion der Initiative "Querdenken 711". Offenbar plante diese, Kinder auf ihrem Schulweg anzusprechen, sie von der Schädlichkeit und Unwirksamkeit von Mund-Nasen-Bedeckungen zu überzeugen und weitmaschige Masken ohne Schutzwirkung zu verteilen.

Corona-Leugner richten Telegram-Kanäle für Kinder und Jugendliche ein

Neben der klassischen Annäherung in Schulnähe setzen die Corona-Leugner auch auf andere Wege der Kontaktaufnahme. Unter anderen nutzen sie laut dem Bayerischen Rundfunk auch den Messenger-Dienst Telegram, der, spätestens seitdem sich Szene-Stars wie Attila Hildmann dort etabliert haben, als Lieblings-Kommunikationsmedium der Verschwörerszene bekannt ist.

Wie der Sender berichtete, werden immer häufiger Minderjährige in Telegram-Kanälen angeworben, beispielsweise in dem Channel "Youngsters" des Predigers Samuel Eckert, der inzwischen von seiner Freikirche mit einem Auftrittsverbot belegt wurde. Der Kanal, der mittlerweile um die 200 Mitglieder hat, ist vorgeblich dazu gedacht, dass sich Schüler intern über für sie relevante Corona-Themen austauschen können, beispielsweise über die Maskenpflicht im Unterricht.

In der Realität treten aber immer häufiger minderjährige Mitglieder dieser Gruppen später auch auf den Demonstrationen der Corona-Skeptiker auf und halten dort Reden. So werden nicht nur weitere Menschen manipuliert – schließlich gelten Kinder als besonders ehrlich –, auch die Heranwachsenden selbst werden ausgenutzt.

Aufklärung ist das A und O

Ob die angeblich geplante Anti-Masken-Aktion der Querdenker schlussendlich tatsächlich stattfand, ob sie durch die Berichte und Warnungen verhindert werden konnte oder ob das Ganze von Anfang an eine Fehlinformation war, ist noch unklar. Verschiedene Behörden zeigten sich im Vorfeld alarmiert und riefen Eltern und Schulen dazu auf, ihre Kinder vor derartigen Kampagnen zu warnen und mit ihnen über die Schutzwirkung der Masken zu sprechen.

In jedem Fall ist es sinnvoll, mit Kindern ein Aufklärungsgespräch zu führen, sie vor Manipulationsversuchen durch Corona-Leugner zu warnen und gemeinsam zu überlegen, wie sie auf Kontaktversuche reagieren können – egal, ob diese auf dem Schulweg oder im digitalen Raum stattfinden. "Kinder sagen am besten laut und deutlich 'Nein, ich will von Ihnen nicht angesprochen werden' und gehen weiter, um ihren Schulweg fortzusetzen", empfiehlt etwa Uwe Kamp vom Deutschen Kinderhilfswerk gegenüber dem ZDF.

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