02.11.2020 - 14:13

Risikogruppen schützen Tübingen auf schwedischem Sonderweg: Besserer Corona-Schutz für Senioren

Um der Corona-Pandemie Einhalt zu gebieten, setzt Tübingen auf den Schutz von Senioren und Risikogruppen. Damit nimmt sich die Stadt ein Beispiel an Schweden.

Foto: iStock.com/Nikolaj Alexander

Um der Corona-Pandemie Einhalt zu gebieten, setzt Tübingen auf den Schutz von Senioren und Risikogruppen. Damit nimmt sich die Stadt ein Beispiel an Schweden.

Nach wie vor ist die der schwedische Umgang mit der Corona-Pandemie umstritten. Dennoch nimmt sich Tübingen das skandinavische Land jetzt zum Vorbild.

Viele hatten zu Beginn der Corona-Pandemie gefordert, man möge die Situation doch so handhaben wie in Schweden. Das skandinavische Land setzt auf Herdenimmunität durch "Durchseuchung", statt auf Einschränkungen und Verbote setzt man auf Eigenverantwortung. Ältere Menschen und Menschen, die einer Risikogruppe angehören, sind dazu angehalten, öffentliche Verkehrsmittel zu meiden und soziale Kontakte zu reduzieren.

Der "schwedische Weg" ist umstritten: Zum einen, da man nicht weiß, welche Langzeitfolgen eine Erkrankung an Covid-19 auch bei leichten Verläufen mit sich bringen kann. Zum anderen, da noch gar nicht feststeht, ob das Konzept der Herdenimmunität tatsächlich funktioniert. Trotz dieser Kritikpunkte nimmt sich eine deutsche Stadt jetzt ein Beispiel an Schweden – zumindest teilweise: Tübingen setzt auf besseren Corona-Schutz für Senioren.

So will Tübingen seine Senioren vor Corona schützen

Ältere Menschen erkranken oft schwerer an Covid-19 als jüngere. Je mehr schwere Verläufe es gibt, desto mehr Todesfälle gibt es und desto höher ist die Auslastung der Krankenhäuser und Intensivstationen. Aus diesem Grund setzt Tübingen verstärkt auf den Schutz von Risikogruppen. In einem "Tübinger Appell" auf der Website der Stadt Tübingen gibt Oberbürgermeister Boris Palmer (48, Die Grünen) folgende Maßnahmen bekannt:

  • Alle Senioren sind dazu angehalten, die Stadtbusse nicht mehr zu benutzen. Stattdessen wird zum Fahrrad als Transportmittel geraten. Weiterhin haben Menschen über 65 bereits seit April die Möglichkeit, ein Anrufsammeltaxi zum Bustarif zu nutzen.
  • Ein spezielles Zeitfenster soll Risikogruppen beim Einkaufen schützen: Bürger unter 65 Jahren und ohne Vorerkrankungen sind dazu aufgerufen, nicht zwischen 09.30 und 11 Uhr einkaufen zu gehen, sondern diese Zeit den Risikogruppen zu überlassen.
  • Allen Menschen ab 65 Jahren werden kostenlos medizinische FFP2-Masken zur Verfügung gestellt.
  • Bereits seit September wird das Personal in Alten- und Pflegeheimen regelmäßig getestet. In Zukunft sollen Schnelltests eingesetzt werden, um auch die Besucher von Pflegeeinrichtungen auf Corona testen zu können und das Virus so aus den Heimen fernzuhalten.

Tübingen setzt auf Eigenverantwortung

Es war Tübingens Oberbürgermeister selbst, der den Vergleich mit Schweden zur Sprache brachte. Gegenüber der BILD sagte er: „Der Tübinger Appell setzt wie Schweden auf Eigenverantwortung und besonderen Schutz der Alten.“

Selbstverständlich sind aber auch alle anderen Bürger dazu angehalten, sich verantwortungsbewusst zu verhalten: Der Tübinger Appell ruft auch dazu auf, sich bei jedem Kontakt zu fragen, "ob er nötig ist" und die Corona-Warn-App herunterzuladen.

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