Aktualisiert: 01.11.2020 - 19:50

Hilferuf Gewalt erkennen: Dieses Handzeichen sollten Sie kennen!

Eine kleine, simple Geste kann etwa im Videochat auf Gewalt im Haus aufmerksam machen.

Foto: iStock.com/petekarici

Eine kleine, simple Geste kann etwa im Videochat auf Gewalt im Haus aufmerksam machen.

Leben auf engem Raum fördert Reibereien. Das kann schnell zu häuslicher Gewalt führen. In Kanada wurde jetzt ein Handzeichen als Hilferuf in Videochats eingeführt, das sich weltweit etablieren sollte.

Wir sehen uns wieder einer Zeit bevor, in der Familien auf engstem Raum ausharren müssen. Schon im Frühjahr, als der erste Lockdown stattfand, kam es zu vermehrter Gewalt in Familien. Gleichzeitig fehlen die sozialen Kontakte – Flucht ist kaum möglich. Doch Betroffene können sich bemerkbar machen. Derzeit verbreitet sich ein Handzeichen, das auf Gewalt aufmerksam machen soll. Es lässt sich etwa via Videotelefonie anwenden.

Lebensrettende Geste: Handzeichen weist auf Gewalt hin

Die Geste ist klein, nahezu unauffällig – und zwar mit Absicht. Sie soll dem Gegenüber im Videochat auffallen – nicht jedoch demjenigen, von dem das Gewaltpotenzial ausgeht. Sie ist ein Hilferuf.

Etwa jede dritte Frau in Deutschland ist bereits Opfer psychischer oder sexueller Gewalt geworden. In vielen Fällen steckt der eigene Partner dahinter. Und auch umgekehrt passiert Gewalt ausgehend von der Partnerin gegen den Mann erschreckend oft – rund 19 Prozent der Männer sind laut einer Kriminalistischen Auswertung zur Partnerschaftsgewalt des Bundeskriminalamts betroffen.

Doch es fällt schwer, um Hilfe zu bitten. Besonders in Zeiten, in denen man mit dem gewaltbereiten Partner auf engstem Raum lebt und sich nicht aus dem Weg gehen kann. In denen aufgrund der beengten Lage besonders oft Reibereien entstehen. Was also tun, wenn man noch weniger als sonst um Hilfe bitten kann?

Das kleine Zeichen kann andere im Videochat darauf aufmerksam machen, dass etwas im Argen liegt. Überlegt hat sich die Geste die kanadische Stiftung für Frauen (Canandian Women's Foundation). Mit ihr können Frauen (aber auch Männer und Kinder) im Videochat zeigen, dass sie dringend Hilfe benötigen.

Und so sieht das Handzeichen aus:

Handzeichen gegen Gewalt

Handzeichen: So machen Sie auf Gewalt aufmerksam

  1. Heben Sie die Hand senkrecht nach oben, als würden Sie Ihrem Gegenüber winken wollen – mit der Handinnenfläche nach vorne.
  2. Knicken Sie dann den Daumen nach innen ein, so dass er auf der Handinnenfläche liegt.
  3. Dann legen Sie die anderen vier Finger langsam über den Daumen zur Faust.

Was tun, wenn ich das Zeichen sehe

Wenn Sie selbst mit jemandem per Video telefonieren und Ihr Gegenüber macht das Zeichen, ist das also ein klarer Hilferuf an Sie. Handeln Sie zwar sofort, aber bitte mit Bedacht, um Ihr Gegenüber nicht unnötig zu gefährden – oder Sie sich selbst.

Die kanadische Stiftung rät dazu, dem Gegenüber dann kurze Fragen zu stellen, die sich mit "Ja" oder "Nein" beantworten lassen. So lässt sich das Risiko möglicherweise reduzieren, dass der gewalttätige Partner etwas vom Gesprächsinhalt mitbekommt. Wichtig dafür ist natürlich, dass die um Hilfe bittende Person Kopfhörer trägt.

Folgende Fragen schlagen die Verantwortlichen von der Stiftung vor:

  1. "Soll ich den Notruf für dich rufen?"
  2. "Soll ich in deinem Namen jemanden von der Schutzstelle anrufen?"
  3. "Soll ich jemanden anrufen, der dir helfen und dich zurückrufen kann?"

Wichtig: In Kontakt bleiben

Solange der Täter keinen Zugang zum Smartphone des Opfers hat, lässt sich über Messenger oder Social Media Kontakt halten. Dort lassen sich Fragen nach dem aktuellen Befinden stellen – wie kann man weiterhelfen, soll man sich regelmäßig melden?

Bei Gewalt: Anlaufstelle für Opfer

Egal ob Frau oder Mann, Opfer von Gewalt können sich, sofern Zugang zu einem Telefon oder dem Internet besteht, an diverse Stellen wenden. Frauen können sich anonym melden bei der Stelle "Gewalt gegen Frauen", die auch rund um die Uhr unter der 08000 116 016 erreichbar ist. Hier gibt es auch Dolmetscherinnen. Männer können sich unter der Rufnummer 0800 123 99 00 melden, wenn sie von häuslicher oder sexueller Gewalt betroffen sind.

Betroffene Frauen können sich bei Gewalt auch an ihre Gynäkologen wenden. Die sollen extra dafür geschult werden, Zeichen von Gewalt zu erkennen.

Mehr Infos: Gewalt gegen Frauen: Das Hilfetelefon ist im Notfall da

Schon im Frühjahr wurde aufgrund der Corona-Krise mit mehr Gewalt gegen Frauen gerechnet. Um Opfern zu helfen, wurde damals auch ein Geheim-Code als Hilferuf in der Apotheke etabliert.

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