Aktualisiert: 15.10.2020 - 20:29

Schluss mit faulen Ausreden Unter #IchWill fordern Frauen eine Frauenquote für Vorstände

Frauenquote? Ja, bitte! In einem Video fordern prominente Frauen und Männer, die Quote auf die Vorstände von Unternehmen auszuweiten. Unter dem Hashtag #IchWill posten Frauen Gründe dafür...

Foto: imago images/Steinach

Frauenquote? Ja, bitte! In einem Video fordern prominente Frauen und Männer, die Quote auf die Vorstände von Unternehmen auszuweiten. Unter dem Hashtag #IchWill posten Frauen Gründe dafür...

An der Frauenquote scheiden sich die Geister – und das nicht erst seit gestern. In einem Video fordern prominente Frauen nun, die Quote auf Unternehmensvorstände auszuweiten.

Wurden Sie schon einmal wegen Ihres Geschlechts, Ihrer Hautfarbe oder Ihrer Religionszugehörigkeit im Beruf diskriminiert? Nein? Glückwunsch – sehr vielen Menschen geht es in dieser Hinsicht anders. Gerade für Frauen ist die Karriereleiter selbst im Jahr 2020 immer noch deutlich schwieriger zu erklimmen als für Männer. Und warum? Weil der Großteil der Führungsetagen immer noch überwiegend männlich besetzt ist. Warum sollte gerade ein Unternehmensvorstand, der komplett aus weißen Männern besteht, die Interessen von Frauen oder Minderheiten auf der Agenda haben?

Einflussreiche Frauen wie die Schauspielerinnen Maria Furtwängler und Natalia Wörner, die Unternehmerin Sara Nuru oder die Klimaaktivistin Luisa Neubauer wollen das ändern: In einem Video-Clip mit dem Hashtag #IchWill fordern sie die Bundesregierung dazu auf, die Frauenquote auf die Vorstände deutscher Unternehmen auszuweiten.

#IchWill: Weiblichere und diversere Führungsetagen

Das Video beginnt mit Fragen, die für sich sprechen. "Wusstest du, dass in Deutschland gerade mal 10 Prozent Frauen in Unternehmensvorständen sind? Wusstest du, dass die Vornamen Thomas und Michael bei den CEOs von deutschen Unternehmen jeweils fünfmal häufiger vorkommen, als Frauen auf dem Chefsessel sitzen?" Ganz klar: Von Ausgeglichenheit lässt sich hier kaum sprechen. Deshalb stellen die prominenten Frauen sowie einige Männer, beispielsweise der Moderator Pierre M. Krause, in diesem Video eine klare Forderung: "Die Regierung muss Unternehmensvorstände gesetzlich verpflichten, bei Neueinstellungen mindestens eine Frau zu berücksichtigen."

Ansonsten bekämen alle, die nicht weiß und männlich sind, keine Chance und die Arbeitswelt werde niemals vielfältiger. Oder anders gesagt: "Wenn wir die Bundesregierung nicht davon überzeugen können, dass Thomas' Schwester genau dieselben Chancen verdient hat wie Thomas, dann haben Esra, Tarik und Kübra oder Menschen, die sich nicht als Mann oder Frau definieren, erst recht keine Chance."

Tatsächlich ist die im Video gestellte Forderung nicht neu. Ein Gesetzesentwurf zur Ausweitung der Frauenquote liegt der Bundesregierung bereits vor, fraglich ist nur, ob dieser zeitnah umgesetzt wird – denn in der Wirtschaft ist der Widerstand groß. Offenbar widerstrebt es nicht wenigen hochrangigen Unternehmen, auch nur eine Frau in den Vorstand zu holen…

Online teilen Frauen Diskriminierungserfahrungen

Eine Antwort fällt auf die Frage, warum denn keine Frau im Vorstand sitze, übrigens besonders häufig: "Die Frauen wollen gar nicht!" Dass es sich dabei wohl eher um eine faule Ausrede handelt, beweisen die Erfahrungen, die Frauen online unter dem Hashtag #IchWill teilen. Dazu wurde am Schluss des Videos aufgerufen. So schreibt eine Userin, sie wolle nie mehr hören, dass man jetzt, wo sie verheiratet sei, nicht mehr über ihre berufliche Entwicklung sprechen müsse – schließlich arbeite sie jetzt doch sowieso bald in Teilzeit.

Andere Frauen berichten von Diskriminierungserfahrungen aufgrund ihrer Mutterschaft – und zeigen, dass für Väter heutzutage immer noch andere Standards gelten…

Eine andere Frau erzählt, wie Ihr mit der Begründung, sie sei zu jung, dreist die Leitung eines Projekts verwehrt wurde – für einen Auftrag, den sie an Land gezogen hatte. Den Auftrag selbst habe das Unternehmen aber natürlich gern übernommen.

"Argumente" gegen die Frauenquote

Natürlich finden sich auch in der Diskussion unter diesem Hashtag die 1.000 mal gehörten Kritikfloskeln: Es wird bemängelt, dass die Frauenquote Männer diskriminieren würde und es ja wohl nicht zielführend sein könne, Frauen allein wegen ihres Geschlechts einzustellen, sondern dass die Kompetenz im Mittelpunkt stehen müsse.

Dabei geht es bei der Frauenquote in keiner Weise darum, Frauen allein deshalb einzustellen, weil sie Frauen sind. Stattdessen geht es darum, bei einem männlichen Bewerber und einer weiblichen Bewerberin mit den gleichen Qualifikationen solange die weibliche Bewerberin vorzuziehen, bis der Anteil an männlichen und weiblichen Arbeitnehmern ausgeglichen ist – anstatt sie von Vorneherein auszusieben, weil sie ja beispielsweise schwanger werden könnte.

Und was die Kompetenz angeht: Alle Kompetenz der Welt ist nutzlos, wenn sich die Männer im Vorstand nun mal einig darüber sind, dass sie lieber einen Mann einstellen würden. Um derartige, verkrustete Strukturen aufzubrechen und die gläserne Decke, an der der Aufstieg der Frauen so oft aufhört, einzuschlagen, braucht es eine Quote.

Mehr über starke Frauen finden Sie auf unserer Themenseite. Lesen Sie zum Beispiel einen Nachruf auf die großartige Schriftstellerin und Auschwitz-Überlebende Ruth Klüger, die vor Kurzem gestorben ist. Ebenfalls interessant: Eine Bloggerin zeigt, mit welchen Tricks sich viele schön schummeln.

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