Aktualisiert: 13.10.2020 - 18:22

Gut oder schlecht? Anhebung der Verdienstobergrenze: Bald bis zu 600 Euro durch Minijob?

Die Beschäftigung als Reinigungskraft wird oft als Minijob ausgeübt. Falls eine Anhebung der Verdienstobergrenze für Minijobs kommt, dürfen Minijobber in Zukunft bis zu 600 Euro verdienen.

Foto: imago images/photothek

Die Beschäftigung als Reinigungskraft wird oft als Minijob ausgeübt. Falls eine Anhebung der Verdienstobergrenze für Minijobs kommt, dürfen Minijobber in Zukunft bis zu 600 Euro verdienen.

Die Große Koalition diskutiert derzeit einige Veränderungen. Unter anderem ist im Gespräch, die Verdienstobergrenze für Minijobs anzuheben. Eine gute Idee? Hier scheiden sich die Geister…

Wer den Begriff "Minijob" hört, denkt unweigerlich an Zeitungen austragen, Regale einräumen, Kellnern und Co – und an junge Leute. Kein Wunder: Besonders bei Schülern und Studenten sind die Jobs, bei denen weder Steuern noch Sozialversicherungsabgaben gezahlt werden müssen, beliebt. Da diese Personengruppen meist entweder noch bei ihren Eltern wohnen oder aber von diesen finanzielle Unterstützung oder Bafög erhalten, kommen Sie mit dem Maximalgehalt von 450 Euro gut zurecht. Jetzt hat die CDU vorgeschlagen, die Verdienstobergrenze für Minijobs zu erhöhen: Könnte man in diesen schon bald bis zu 600 Euro monatlich verdienen?

FDP und CDU wollen Anhebung der Verdienstobergrenze für Minijobs

Wie das Redaktionsnetzwerk Deutschland berichtete, nannte der sozialpolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Pascal Kober, eine Anhebung der Verdienstübergrenze "längst überfällig". Der Grund dafür sei der steigende Mindestlohn. Während dieser in den letzten Jahren stetig gestiegen ist, liegt die Verdienstobergrenze für Minijobs bereits seit 2013 bei 450 Euro.

Das Resultat: Minijobber dürfen bei gleichem Verdienst weniger Stunden arbeiten. Das wiederum ist problematisch für die Arbeitgeber, die die anfallenden Arbeitsstunden anderweitig abdecken müssen. Laut Kober müsse es bei der Verdienstobergrenze "eine Koppelung an den Mindestlohn geben, damit die Erhöhung des Mindestlohns nicht mit einer zwangsweisen Reduzierung von Arbeitszeit bei Minijobs einhergehe".

Minijobs: Auf direktem Weg in die Altersarmut?

Der Vorschlag, die Verdienstobergrenze zu erhöhen, stieß in der Großen Koalition auf starken Gegenwind. Tatsächlich ist es so, dass Minijobs mitnichten allein den Schülern und Studenten vorbehalten sind. Auch viele reguläre Arbeitnehmer sind dazu gezwungen, ihr geringes Gehalt mit einem Minijob aufzubessern, das Gleiche gilt für Rentner. Gleichzeitig melden viele Arbeitgeber Personal gezielt als Minijobber an, da dies für sie billiger ist.

Für die Angestellten wiederum ist das ein Problem. Viele kommen aus der "Minijob-Falle" nicht mehr heraus. Sie erwerben während ihrer Beschäftigung nur einen sehr geringen Rentenanspruch, es droht Altersarmut. Weiterhin kann für Minijobber kein Kurzarbeitergeld beantragt werden – gerade während der Corona-Krise verloren deshalb viele Minijobber ihre Jobs. Im Falle eines Jobverlusts erhalten Minijobber allerdings auch kein Arbeitslosengeld.

Aus diesem Grund sprach sich auch Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) gegen eine Anhebung der Verdienstobergrenze aus. Ähnlich sah das DGB-Vorstandsmitglied Anja Piel. Sie sagte: "Wir müssen endlich Anreize dafür schaffen, mehr Minijobber in sozialversicherungspflichtige Jobs zu holen, statt den Rahmen für diese prekäre Beschäftigung auch noch auszuweiten."

Eine Sackgasse gerade für Frauen

Die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Linksfraktion Susanne Ferschl wies insbesondere auf die Bedeutung der Minijobs für Frauen hin. Für diese seien Minijobs besonders häufig eine "Sackgasse".

Wie "correctiv.org" aufzeigte, gehen Frauen nicht nur häufiger einem Minijob als einzigem Job nach, sie üben diesen auch länger aus als Männer. Laut Enzo Weber vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung in Nürnberg ist im Westen das "Zuverdienermodell" verbreitet. Das bedeutet, dass Männer Vollzeit arbeiten, während Frauen sich um den Haushalt und die Kinder arbeiten – und nebenbei vielleicht noch einem Minijob nachgehen.

Gerade Frauen rutschen häufig in die Altersarmut ab. Warum die Altersvorsorge gerade für Frauen wichtig ist.. Und warum Altersarmut leider auch und vor allem ein Frauenthema ist, erläutert unsere Kolumnistin Renate Zott.

Sie sind in Rente, fühlen sich aber noch fit und würden gerne einer geringfügigen Beschäftigung nachgehen? Dann lesen Sie auch diesen Artikel: Hinzuverdienst zur Rente: Diese Jobs lohnen sich.

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