Aktualisiert: 08.10.2020 - 20:33

Rassistische Darstellung Wegen Melchior: Ulmer Münster verzichtet dieses Jahr auf Heilige Drei Könige

Das Ulmer Münster. Wegen der rassistischen Darstellung der Melchior-Figur hat man sich hier dieses Jahr dazu entschlossen, die Krippenfiguren der Heiligen Drei Könige nicht aufzustellen.

Foto: imago images/Arnulf Hettrich

Das Ulmer Münster. Wegen der rassistischen Darstellung der Melchior-Figur hat man sich hier dieses Jahr dazu entschlossen, die Krippenfiguren der Heiligen Drei Könige nicht aufzustellen.

Im evangelischen Ulmer Münster findet Weihnachten dieses Jahr ohne die Heiligen Drei Könige statt. Das ist der Grund dafür…

Das evangelische Münster in Ulm reagiert auf die auch in Deutschland präsente Rassismus-Debatte: In einer Pressemitteilung gab das evangelische Dekanatamt Ulm bekannt, wegen der rassistischen Darstellung des schwarzen König Melchior dieses Jahr auf die Ausstellung der Krippenfiguren der Heiligen Drei Könige verzichten zu wollen. Dies entspräche der Weihnachtsgeschichte nach dem Lukasevangelium – darin kommen die Heiligen Drei Könige nicht vor.

"Stark klischeebehaftete Darstellung" des Melchior: Ulmer Münster will Figuren der Heiligen Drei Könige überdenken

Das Problem mit der Melchior-Figur ist laut Pressemitteilung selbstverständlich nicht die schwarze Hautfarbe des Königs, sondern vielmehr seine rassistische Darstellung. Der Dekan der Münstergemeinde, Ernst-Wilhelm Gohl, erklärt: "Problematisch ist bei der Krippe im Ulmer Münster einzig die aus heutiger Sicht stark klischeebehaftete Darstellung der Figuren, die rassistische Stereotypen bedient."

Die Krippenfiguren, die alljährlich im Ulmer Münster ausgestellt werden, wurden in den 1920er Jahren vom Ulmer Künstler Martin Scheible geschnitzt. Rassistische Stereotype und Darstellungen waren zu dieser Zeit weit verbreitet. Dementsprechend klischeehaft wird auch die Melchior-Figur dargestellt, mit "einer Fratze, wulstigen Lippen, einer grotesken Körperhaltung sowie unschönen Beinen".

Entscheidung über die Krippenfiguren fällt im nächsten Jahr

Die Gemeinde möchte im neuen Jahr eine Entscheidung darüber treffen, wie in Zukunft mit den Krippenfiguren umgegangen werden soll. Denkbar ist unter anderem, die Figuren weiterhin auszustellen, sie aber mit einer Erklärung zu versehen. Für diese Option stimmt auch der württembergische Landesbischof Frank Otfried July.

"So etwas abzuhängen oder wegzustellen oder in einem Museum zu verstecken, halte ich für den schlechteren Weg", so der Landesbischof gegenüber der dpa. Stattdessen vertritt er die Meinung, dass Dinge, die unserer heutigen Überzeugung zuwiderlaufen, erklärt und kritisch bewertet werden sollten.

Heilige Drei Könige kommen im Neuen Testament nicht vor

Tatsächlich kommen die Heiligen Drei Könige in der heute bekannten Form im gesamten Neuen Testament nicht vor. Dort ist lediglich die Rede von "Magiern", bzw. "Sterndeutern", die dem Stern von Bethlehem folgen. Sie werden allerdings nicht als Könige bezeichnet, auch wird ihre Zahl nicht genannt. Diese Informationen entstammen Legenden, die im 3. Jahrhundert langsam Form annahmen, die Namen Caspar, Melchior und Balthasar wurden zum ersten Mal im 6. Jahrhundert erwähnt. Martin Luther verwarf später die Vorstellung von Königen, im Protestantismus ist deshalb von den "Weisen aus dem Morgenland" die Rede. Aufgrund dieser unterschiedlichen Interpretationen variieren auch die Darstellungen der Heiligen Drei Könige, Melchior wird auch nicht überall als schwarz dargestellt.

Wie die Zeit verrinnt – bald ist schon wieder Weihnachten! Doch davor kommt erst einmal der Advent. Diese Bedeutung hat die Zeit. Ebenfalls interessant: So feiert die Welt: Weihnachtsbräuche rund um den Globus.

Neben einer Krippe gibt es natürlich noch viele weitere vorweihnachtliche Deko-Ideen für Ihr Zuhause. Wie wäre es beispielsweise mit einem selbstgebastelten Adventskranz? 2020 könnte der Adventskranz allerdings teurer werden…

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