Aktualisiert: 07.10.2020 - 21:04

Es hat sich ausgefeiert... Berliner Senat beschließt strenge Corona-Regeln

Friedrichshain-Kreuzberg und Mitte sind zwei der vier Berliner Bezirke, die kürzlich von zwei Bundesländern als Risikogebiet ausgewiesen wurden. Jetzt hat der Berliner Senat strenge Corona-Regeln erlassen...

Foto: imago images/Rolf Kremming

Friedrichshain-Kreuzberg und Mitte sind zwei der vier Berliner Bezirke, die kürzlich von zwei Bundesländern als Risikogebiet ausgewiesen wurden. Jetzt hat der Berliner Senat strenge Corona-Regeln erlassen...

In Berlin erreichten die Corona-Zahlen zuletzt besorgniserregende Höhen. Jetzt greift der Senat durch: Strenge Corona-Regeln sollen die Party-Hauptstadt in ihre Schranken weisen…

Berlin hat genug von Corona – so jedenfalls der Eindruck, der im Rest Deutschlands vorherrscht. Zugegeben: Die Zahlen sprechen eine klare Sprache. Laut "berlin.de" liegt die durchschnittliche 7-Tage-Inzidenz bei 44,2, das bedeutet, es gab in den letzten 7 Tagen 44,2 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner.

In einzelnen Bezirken ist die Lage noch kritischer: So liegt die 7-Tage-Inzidenz in Tempelhof-Schöneberg derzeit bei 57,3, in Mitte bei 62,7, in Friedrichshain-Kreuzberg bei 61,6 und in Neukölln sogar bei 87,3. Aufgrund dieser Werte haben Schleswig-Holstein und Rheinland-Pfalz diese Bezirke kürzlich sogar zu Risikogebieten erklärt. Jetzt hat der Berliner Senat strenge Corona-Regeln erlassen, die dem Infektionsgeschehen Einhalt bieten sollen…

Das sind die neuen Corona-Regeln in Berlin

Die neuen Corona-Regeln sind streng und erinnern an den Frühling dieses Jahrs. So gibt es zum einen eine Sperrstunde: Bars, Restaurants und Geschäfte (auch Spätis) müssen in Zukunft um 23 Uhr schließen und dürfen erst um 6 Uhr wieder öffnen. Tankstellen sind zwar nicht von der Regelung betroffen, dürfen nachts aber keinen Alkohol mehr verkaufen.

Außerdem greifen Kontaktbeschränkungen: In geschlossenen Räumen dürfen nur 10 Leute aus unterschiedlichen Haushalten oder Leute aus zwei verschiedenen Haushalten zusammenkommen. Während der Sperrstunde dürfen auch im Freien lediglich 5 Personen aus unterschiedlichen Haushalten oder eine unbegrenzte Anzahl an Personen aus zwei verschiedenen Haushalten zusammenkommen.

Die Regelungen gelten ab Freitag, den 9. Oktober, um Mitternacht. Vorerst gelten sie bis zum 31. Oktober. Wer dagegen verstößt, wird zur Kasse gebeten – und zwar nicht zu knapp. Es kann ein Bußgeld von bis zu 5.000 Euro verlangt werden.

Bereits letzten Samstag traten waren einige neue Corona-Regeln in Kraft getreten: Neben einer Maskenpflicht in Bürogebäuden und im Parlament wurden private Feiern im Freien mit mehr als 50 Personen verboten.

Sind die Party-Gänger schuld an den steigenden Zahlen?

Die Einführung einer Sperrstunde und die Beschränkung des Alkoholverbots zeigen klar auf, wo man den Grund für die steigenden Zahlen vermutet: Das Feierfolk muss schuld sein, die jungen Leute, die in Kneipen sitzen und in den Parks und den Außenbereichen von Clubs tanzen, als gäbe es keine Pandemie. Doch ist das wirklich so?

Die ZEIT weist darauf hin, dass sich die Feier-Situation in Berlin im Grunde nicht groß verändert hat: Den ganzen Sommer über fanden dort Open-Air-Partys und –Veranstaltungen statt, dennoch blieben die Infektionszahlen niedrig. Das Magazin zitiert den Leiter des Gesundheitsamts von Berlin-Reinickendorf, Patrick Larscheid, der sagt: "Im Freien passiert praktisch nichts." Das deckt sich mit früheren Erkenntnissen, nach denen die Ansteckungsgefahr im Freien deutlich geringer ist. In Anbetracht dessen scheint es etwas zu kurz gedacht, die Schuld an den steigenden Infektionszahlen allein den Feten in den Parks und den Clubs mit geöffnetem Außenbereich zuzuschreiben.

Superspreading-Events finden drinnen statt

Stattdessen verweist Larscheid auf Veranstaltungen in geschlossenen Räumen wie Familientreffen und Hochzeiten. Dort finde klassischerweise das Infektionsgeschehen statt, nicht draußen in der frischen Luft. Er fordert deshalb Kontaktbeschränkungen – die jetzt ja auch umgesetzt wurden.

Es stellt sich allerdings die Frage, inwiefern diese Wirkung zeigen werden. Es ist gut denkbar, dass gerade nach dem Sommer die Leute diese Beschränkungen nicht mehr ohne Weiteres hinnehmen werden. Wäre es da in Anbetracht der Erkenntnisse zur Übertragung des Virus an der frischen Luft nicht klüger, zumindest die Draußenbereiche von Bars und Co von der Sperrstunde auszunehmen? Es ist zu befürchten, dass sich die Leute ansonsten andere Treffpunkte suchen werden – vermutlich in den eigenen 4 Wänden, wo sich Teilnehmerzahlen schwerer überprüfen lassen und die Infektionsgefahr deutlich höher ist. Außerdem: Intensivieren lassen sich Regeln schließlich immer…

Mehr Informationen und Neuigkeiten zum Coronavirus finden Sie auf unserer Themenseite. So empfiehlt beispielsweise der Virologe Christian Drosten eine "Vorquarantäne" vor Familienfeiern. Ebenfalls interessant, wenn Sie innerhalb Deutschlands verreisen möchten: Corona: Herbstferien in DIESEN Regionen sollten Sie besser überdenken! Außerdem wurden die Deutschen befragt, wie sie zu einer Maskenpflicht im Freien stehen.

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