Aktualisiert: 25.09.2020 - 20:37

Büchlein mit Gedichten Rentner schreibt über Corona: Mit Reimen komme ich kurz und prägnant auf den Punkt

In Zeiten der Corona-Krise macht sich so ziemlich jeder hie und da Gedanken darüber, wie es mit der Menschheit, der Erde und dem Virus wohl weitergeht. Jürgen Albiez hat dazu ein Büchlein mit vielen Gedichten geschrieben.

Foto: iStock.com/sinseeho

In Zeiten der Corona-Krise macht sich so ziemlich jeder hie und da Gedanken darüber, wie es mit der Menschheit, der Erde und dem Virus wohl weitergeht. Jürgen Albiez hat dazu ein Büchlein mit vielen Gedichten geschrieben.

Jürgen Albiez hat die ersten Monate der Corona-Krise dazu genutzt, seine vielen Gedanken dazu in Form von Gedichten zu Papier zu bringen. Daraus ist ein Büchlein geworden. Mit BILD der FRAU hat der Rentner darüber gesprochen.

"Ich übe mich in Verzicht und reiche sie dir nicht, meine Hand. Zu riskant!" So beginnt eines der vielen Gedichte, die Jürgen Albiez im Frühjahr dieses Jahres verfasst hat, als die Corona-Krise uns immer fester in ihren unheilvollen Bann genommen hat. Buchstäblich, denn wie alle anderen auch musste sich der Rentner viel zu Hause aufhalten, um nicht mit dem gefährlichen Coronavirus infiziert zu werden.

Grund genug, um sich Gedanken rund um diese schwierige Situation und das Leben zu machen – genau das hat Jürgen Albiez in seinem Büchlein "Covid 19 – Kassiber" getan. Über seine manchmal heiteren, manchmal ernsthaften, aber immer rund um das Leben in Zeiten des Coronvirus kreisenden Gedichte hat er im Interview mit BILD der FRAU gesprochen.

Interview mit Jürgen Albiez zu seinem Büchlein "Covid 19 – Kassiber"

Lieber Herr Albiez, was hat Sie dazu bewogen, zum Thema Covid-19 ein Büchlein zu verfassen?

Jürgen Albiez: Ursprünglich habe ich in der Zeit von Februar bis April 2020 versucht zu begreifen, welche Gefahr von dem Virus ausgeht und wie die Menschheit sich davor schützen kann. Meine Gedanken und Gefühle habe ich mit Fortschreiten der Pandemie tageweise zu Papier gebracht und sie meinen WhatsApp-Kontakten zur Kenntnis gegeben, um sie zu teilen.

Aus dieser Gruppe heraus kam die Anregung, die einzelnen Gedichte zu einem Gedichtband zusammenzufassen und zu veröffentlichen.

Warum haben Sie sich für die Lyrik entschieden?

Schon als Jugendlicher habe ich mich für Lyrik interessiert, bin aber
bei meinen Freunden auf keine Gegenliebe gestoßen. Das
Gemeinschaftserlebnis bei Sport und Spiel war wichtiger.

Heute verstehe ich Paarreime als Denksportaufgabe (Gehirnjogging), mit denen ich kurz und prägnant ein Thema auf den Punkt bringen kann, egal ob nachdenklich, humorvoll oder auch satirisch. Mir bereitet es Freude – und meinen LeserInnen hoffentlich auch.

Was hat es mit dem Titel "Covid 19 - Kassiber" auf sich?

Das Gedicht "Santa Fu" thematisiert die uns auferlegte Isolation. Der
Kassiber, eine unerlaubte und verschlüsselte Nachricht, geschmuggelt in die Außenwelt, ist ein Hilferuf ("holt uns hier raus!") an "Robbi" (meint die Nachfolger des Robert Koch, Wegbereiter der Mikrobiologie) und an "Angela" (meint die Gesamtheit unserer Volksvertreter).

Santa Fu

Wie bei den schweren Jungs in Santa Fu,
ist auch hinter mir die Türe zu.
Bin ich straffällig geworden,
im Zusammenhang mit Nötigung und Morden?

Ich doch nicht, nimmernie!
Habe auch ein Alibi.
Sitze fest,
im Arrest.
Nicht in Strafhaft, wie ihr denkt,
lediglich in Schutzhaft, das ist Trend.
Dank Gesetzteskraft, wie man es nennt.
Bin auch nicht in Beugehaft,
die mir Zeit für Ausflüchte verschafft.
Nur für den Hofgang öffnet sich mir das Tor.
Wer will, sieht mich dann im Himmelmoor..
Doch warnen muss ich all die Jungen und die Alten:
Abstand halten!

Eine Chance für Besinnung auf das Wesentliche

Welche ganz persönlichen Erfahrungen haben Sie in der Zeit der Corona-Krise gemacht?

Das Gedicht "Termine" beschreibt einen "Normalzustand", wie ihn die Mehrheit der Bevölkerung wahrgenommen hat, einschließlich meiner Person. Ich möchte es als Zeit der Verunsicherung und Ängste, aber auch als Chance für Besinnung auf das Wesentliche im Leben, beschreiben.

"Was ist mir wichtig, was eher nichtig?" fragt das Gedicht "Aufruf". Es ist nie zu spät, sich dieser Frage zu stellen.

Was war das schlimmste Erlebnis für Sie in dieser Zeit?

Enttäuschend war die Verschiebung der Konfirmation meines Enkelsohnes von Mai 2020 nach Februar 2021.

Schmerzlich hingegen war, dass ich einen guten Freund auf seinem letzten Weg nicht begleiten durfte.

Und was das schönste?

Die Erkenntnis, dass die Pandemie mit ihren Restriktionen dem
Zusammengehörigkeitsgefühl in der Familie und dem Freundes- und
Bekanntenkreis nichts anhaben konnte. Das Gegenteil ist eingetreten. Ein Hauch von gegenseitiger Fürsorge wurde spürbar.

Meine Eltern haben mich gelehrt, immer an das Gute im Menschen zu glauben

Wer ist Ihr Vorbild? Und warum?

Meine Eltern dienen mir als Vorbild. Sie haben mich gelehrt, niemals den Glauben an das Gute im Menschen zu verlieren.

In der Covid-Zeit wird deutlich, wie viele Menschen, und insbesondere Frauen, das Herz auf dem richtigen Fleck tragen und sich als Säulen unserer Gesellschaft bewähren.

Was ist Ihr persönliches (Lebens-)Motto?

Leben und leben lassen, zum Lachen nicht in den Keller gehen!

Was wollen Sie unseren LeserInnen gerne mit auf den Weg geben?

Es würde mich sehr freuen, wenn meine dargelegten Gedanken und Gefühle bei den LeserInnen zur Selbstreflexion führen und dadurch die individuelle Lebensform hinterfragt wird: Das Gedicht "Der Weg" soll dazu animieren.

An dieser Stelle möchte ich noch ein Wort zur Gender- und diversityfreundlichen Kommunikation einflechten: Die geschlechtergerechte Formulierung ist mir wohlbekannt und wird von mir auch vollumfänglich anerkannt. Doch beim Reimen geht mir das nicht so leicht von der Hand. Deswegen bitte ich Euch um Nachsicht, seid bitte tolerant. Danke.

Ein Gedanke zum Schluss: Das Gedicht "Covid-19 Shèngming" (Vita) bringt einen möglichen und vor allen Dingen wünschenswerten bzw. lebensnotwendigen und globalen Wertewandel ins Gespräch: Können wir den Fortschritt nachhaltig neu aufgleisen? Diese Frage quält auch mich weiterhin. Es gibt so viele "Baustellen" auf unserem noch blauen Planeten...

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Wie sehr sich das Leben vieler Menschen durch die Corona-Krise geändert hat, erzählt unter anderem die Büroleiterin eines Haustechnik-Betriebs – und ob der corona-bedingte Ausfall zu stemmen ist. Eine Heilpraktikerin und Yoga-Trainerin erzählt: "Man wird kreativ." Und auch eine Kassiererin hat uns von ihrem Corona-Alltag erzählt.

Über alles Wichtige rund um das Coronavirus informieren wir Sie auf unserer Themenseite.

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