Aktualisiert: 16.09.2020 - 19:32

Skandal um "Mein Indianerheft" Verlag benennt Schulbuch nach Rassismus-Vorwürfen um

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Auch in der Schule entbrannte aktuell eine Rassimusdebatte, und zwar aufrund eines Schulheftes. Die Hintergründe.

Foto: iStock.com / Evgen_Prozhyrko

Auch in der Schule entbrannte aktuell eine Rassimusdebatte, und zwar aufrund eines Schulheftes. Die Hintergründe.

In einer Hamburger Grundschule beschwerten sich Eltern über rassistische Stereotypen in einem Schulheft. Warum der Verlag es jetzt umbenennt.

Diskussionen um Alltagsrassismus und politische Korrektheit gab es in den vergangenen Jahren reichlich. Was genau ist ein rassistisches Stereotyp, und haben diese Stereotypen heutzutage überhaupt noch Platz in unserer Gesellschaft?

Eine Hamburger Schule griff das Thema aktuell wieder auf. Eltern von Schülern beschwerten sich über Rassismus in einem Schulbuch – der Verlag reagierte prompt und änderte sogar den Namen des Hefts.

Rassismus in Schulbuch? Verlag benennt "Mein Indianerheft" um

Worum genau geht es? In der Hamburger Grundschule Lutterothstraße im Stadtteil Eimsbüttel wurden die Schüler mit dem Mathe-Übungsbuch "Mein Indianerheft" unterrichtet. Die Hefte des Ernst-Klett-Verlags gibt es für die Schulfächer Mathematik, Deutsch und Sachkunde in den Farben rot, gelb, grün und blau, sie sind seit dem Jahr 2013 auf dem Markt. Auf dem Titel zu sehen ist ein amerikanischer Ureinwohner, der stereotypisch gezeichnet ist.

Genau dieser "Indianer" stieß einigen Eltern übel auf. Sie beschwerten sich direkt beim Verlag. Eine Mutter machte laut "Abendblatt" ihrem Ärger sogar bei Instagram Luft und schrieb: "Eine andere Mutter und ich haben schon letzten Herbst angemerkt, dass wir es nicht in Ordnung finden, dass das ‚Indianerheft‘ in der Schule benutzt wird. Weil es rassistische Stereotype reproduziert." Lesen Sie hier mehr darüber, wie Prinz Harry zum gemeinsamen Kampf gegen Rassismus aufruft.

So äußert sich der Klett-Verlag

Und tatsächlich folgte umgehend eine Reaktion des Verlages. Es handele sich bei "Mein Indianerheft" um Restbestände. Die neuen Hefte wurden umbenannt und werden bereits unter dem Titel "Mein Anoki-Heft" an Schüler ausgegeben. Übrigens: Das Unternehmen Knorr hat ebenfalls reagiert und kürzlich den Namen der "Zigeunersauce" angepasst. Und Knorr ist nicht der einzige Konzern, der mit der Umbenennung von Produkten auf die Debatte um rassistische Sprache und Symbolik reagiert. Auch Uncle Ben’s ändert sein Logo wegen rassistischer Stereotype.

Weiter teilte der Klett-Verlag mit: "Mit der Übungsheftreihe war es nicht unsere Absicht, die Geschichte der indigenen Bevölkerung Amerikas zu ignorieren."

Ab Januar 2021 wolle man das Heft dann visuell überarbeitet verkaufen, und zwar ohne Bezug zur indigenen Bevölkerung. Der Klett-Verlag weiter: "Wir teilen die Ansicht, dass sich Schülerinnen und Schüler heute kritisch mit den Themen (Post)Kolonialismus, Rassismus, Diversität und Migration auseinandersetzen müssen. Dazu gehört auch die Ausbildung eines Bewusstseins für historische Bilder, die auf kolonialen Weltbildern basieren."

Schulbehörde befürwortet Umbenennung des Hefts

Bereits vor anderthalb Jahren gab es in Hamburg eine Diskussion um politische Korrektheit und eine Auseinandersetzung mit dem Stereotyp des "Indianers": Damals wurde in einer Kita ein Verbot von Indianerkostümen zum Fasching ausgesprochen – was deutschlandweit aber auch auf Kritik gestoßen war.

Im aktuellen Fall befürwortete die Hamburger Schulbehörde die Umbenennung des Schulheftes. Gegenüber der "MOPO" sagte Pressesprecher Peter Albrecht: "Die Übungen für den Bereich Mathematik sind zeitgemäß, aber warum ein Indianer auf dem Buch abgebildet ist, erschließt sich uns nicht."

Sie möchten sich weiter zum Thema Rassismus informieren? Diese Filme handeln von Polizeibrutalität, Justizwillkür und Rassismus.

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