Aktualisiert: 04.09.2020 - 20:47

Wie viel kann die Erde noch verkraften? Waldbrände weltweit nehmen immer mehr zu: Was das bedeutet

In Russland wüten Waldbrände: Sibirien ist extrem betroffen, viele gab es auch auf der Tschuktschen-Halbinsel im äußersten Nordosten des Landes.

Foto: imago images / ITAR-TASS

In Russland wüten Waldbrände: Sibirien ist extrem betroffen, viele gab es auch auf der Tschuktschen-Halbinsel im äußersten Nordosten des Landes.

Immer häufiger, immer dramatischer: Waldbrände nehmen weltweit zu und dringen auch in nördliche Gegenden der Welt vor. Was das für das Klima und damit die Menschen bedeutet.

An jährliche Waldbrände überall auf der Welt haben wir uns ja fast schon gewöhnt – Kalifornien, Australien und auch Brandenburg sind den meisten wohl noch aus den letzten Jahren in Erinnerung geblieben. Doch Anzahl und Ausmaß verheerender Brände weltweit nehmen dramatisch zu: Momentan brennt es in Andalusien, aber auch die Amazonas-Region, Savannen-Gebiete in Afrika, ja sogar Alaska und Sibirien sind betroffen.

Waldbrände weltweit nehmen immer mehr zu

Im spanischen Andalusien ist jetzt eine Fläche von 10.000 Hektar Land verbrannt, mehr als 3000 Menschen mussten vorübergehend ihre Häuser verlassen. In Kalifornien sind es bereits mehr als 5000 Quadratkilometer bislang, und die Zahl der Waldbrände im brasilianischen Amazonas-Regenwald hat den zweithöchsten in zehn Jahren erreicht.

Doch die Waldbrände dringen immer weiter in Regionen vor, die bislang als zu kalt oder zu feucht dafür galten. Schuld daran ist der Klimawandel, der auch auf der Nordhalbkugel der Erde neben der Eisschmelze auch riesige Wälder brennen lässt. Dass diese beiden zerstörerischen Umwelt-Phänomene auch unmittelbar zusammenhängen erläutert Dr. Gunnar Spreen vom Institut für Umweltphysik der Universität Bremen und MOSAiC-Forscher im Meereis-Team gegenüber "Heidenheimer Zeitung": Weniger Eis bedeute nämlich auch weniger Reflektion der Sonnenenergie. Die Folge: Noch mehr Erwärmung und Brände innerhalb des Polarkreises.

Wie "wetteronline.de" berichtet, ist bei Wald- und Buschbränden in den nördlichen Regionen der Erde bis Ende August bereits mehr Kohlendioxid (CO2)freigesetzt worden als im gesamten Vorjahr. Allein bei den Feuern am Polarkreis seien 244 Megatonnen CO2 in die Atmosphäre gelangt – vor allem die flächendeckenden Waldbrände in Sibirien seien dafür verantwortlich.

Was die Waldbrände für uns bedeuten

Mit den abgebrannten Waldflächen gehen gewaltige CO2-Speicher verloren, denn eigentlich nehmen Bäume eine große Menge an Kohlendioxid, aber auch andere Treibhausgase wie Kohlenmonoxid oder Schwefeldioxid auf und stoßen im Gegenzug wertvollen Sauerstoff aus. Die verbrannten und ausgetrockneten Flächen können kaum CO2 aus der Atmosphäre entfernen und binden, was die globale Erwärmung massiv voranschreiten lässt.

Aber auch Torfböden können besonders viel Kohlendioxid speichern – und die verbrennen in hohem Maß in Russland. Denn die Hitze und Trockenheit lässt auch die oberste Bodenschicht abbrennen. Die Brände sind auch noch aus einem anderen Grund besonders gefährlich, wie Tatiana Vasilieva, Aktivistin und Sprecherin der Umweltorganisation Greenpeace, der "Heidenheimer Zeitung" sagt: "Weil sie neben CO2 auch schwarzen Kohlenstoff (Rußpartikel) freisetzen. Schwarzer Kohlenstoff ist nach CO2 der zweitgrößte Faktor, der zur Klimaveränderung beiträgt."

Der gefährliche Rauch aus Waldbränden hat akute gesundheitliche Folgen: Laut dem "National Geographic" tötet er Schätzungen zufolge weltweit jedes Jahr 339.000 Menschen. Er lässt Asthmaanfälle um ein Zehnfaches ansteigen, kann ins Atemsystem vordringen und dort das Blut gerinnen lassen sowie zähflüssigen Schleim bilden. Das enthaltene Kohlendioxid kann auch dauerhafte Herzschäden verursachen.

Außerdem werden immer mehr Menschen durch die Brände bedroht, verlieren zumindest vorübergehend ihre Bleibe, wenn nicht gar für immer. Laut WMO-Generalsekretär Petteri Taalas erwärmt sich die Arktis besonders schnell. Enorme Waldbrände dort nehmen dramatisch zu. Das sei aber eben nicht nur ein Problem der Artikis: "Die Pole beeinflussen Wetter und Klima in niedrigeren Breitengraden, wo hunderte Millionen Menschen ­leben."

Die Lösung? Was die Waldbrände angeht, sagt Greenpeace-Sprecherin Tatiana Vasilieva in Bezug auf Russland, was sich aber sicher auch auf andere Regionen übertragen lässt: Löschen aller Feuer, unabhängig davon, wo sie sich befinden. Es müsse Schluss sein mit dem Sparen, wenn es um den Schutz der Wälder gehe!

Eine schnell greifende Lösung gibt es ansonsten nicht, doch dass der Klimawandel sofort gestoppt werden muss, liegt auf der Hand. Und dafür sind wir alle mit verantwortlich: mehr Umweltbewusstsein, mehr Nachhaltigkeit, das können wir alle noch viel mehr in unseren Alltag integrieren. Denn wie lange unsere Erde, die uns umgebende Atmosphäre mit den gewaltigen Massen an Kohlendioxid noch umgehen können, wie viel davon sie noch vertragen – wer weiß.

Raten Sie mal, was Milch eigentlich kosten müsste, um Umweltschäden zu vermeiden. Was Lebensmittelverpackungen angeht. So können Sie Müll im Alltag vermeiden . Und kennen Sie schon den Fair-Fashion-Guide für nachhaltige Mode?

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