Aktualisiert: 08.09.2020 - 13:58

Sie krabbeln jetzt auch in Deutschland Wespenspinnen auf dem Vormarsch: Geht von ihnen Gefahr aus?

Der Name der Wespenspinne kommt nicht von ungefähr, wie man sieht. Aber sind die Krabbeltiere auch gefährlich?

Foto: iStock.com/Tree4Two

Der Name der Wespenspinne kommt nicht von ungefähr, wie man sieht. Aber sind die Krabbeltiere auch gefährlich?

Wespenspinnen breiten sich immer mehr in Deutschland aus. Mit ihren schwarz-gelben Körpern machen die Krabbeltiere einen durchaus gefährlichen Eindruck. Aber sind sie es auch?

Falls Sie einen gelb-schwarz gestreiften Insektenkörper in Ihrem Garten, auf Ihrem Balkon oder gar in Ihrem Haus entdecken, muss er nicht zwangsläufig Flügel aufweisen: Es kann sich auch um eine Argiope bruennichi handeln, zu deutsch: eine Wespenspinne! Wie gefährlich die Tiere sind, lesen Sie hier.

Wespenspinnen auf dem Vormarsch

2001 wurde sie zur Spinne des Jahres gewählt: Die Wespenspinne, auch Tigerspinne, Zebraspinne oder Seidenbandspinne genannt, mag Fans der Krabbeltiere mit ihrem auffälligen Äußeren entzücken – Arachnophobiker werden eher in Panik verfallen. 23,5 Millimeter Körpergröße, mit Beinen sogar bis zu fünf Zentimeter, machen es nicht gerade besser. In diesem Falle sind es tatsächlich einmal die weiblichen Tiere, die mit dieser Größe und Farbenpracht ausgestattet sind. Die Männchen sind deutlich kleiner und einfarbig graubraun.

Mithilfe ihres nahezu unsichtbaren Netzes fängt und frisst sie vor allem Insekten, gerne auch mal größere wie Heuschrecken oder Hautflügler, etwa Bienen und alle möglichen Wespenarten. Wespenspinnen selbst wiederum sind beliebte Beute für Singvögel.

Nicht gefährlich, aber recht grausam ist der vom Weibchen praktizierte Sexualkannibalismus: Wie die Schwarze Witwe oder die Gottesanbeterin tötet es häufig das Männchen nach der Paarung und saugt es dann aus.

Sind Wespenspinnen giftig?

Giftig sind die Wespenspinnen, ja. Aber nicht gefährlich für den Menschen. Zum einen ist die menschliche Haut in der Regel zu dick für die Giftklauen, sie könnten nur an sehr dünnen und zarten Hautstellen eindringen. Zum anderen gilt das Tier als friedlich und beißunlustig, ein Giftbiss müsste also regelrecht provoziert werden – etwa, indem man die Spinne auf die Hand nimmt, sie weiterkrabbelt und in Panik zubeißt.

Kommt es dazu, kann der Biss selbst durchaus schmerzhaft sein, ähnlich einem Bienenstich. Schwellungen, Rötungen und leichte Schmerzen können die Folge sein. Allergiker könnten unter Umständen etwas heftiger reagieren.

Dieses Umfeld bevorzugt die Wespenspinne

Wer jetzt zahlreiche Besucher in seinem Umfeld fürchtet, kann erst einmal aufatmen: Die Wespenspinne braucht zwar warme, sonnige und geschützte Bereiche, um überleben zu können. Sie bevorzugt aber ungenutzte Flächen, auf denen keine oder kaum Landwirtschaft betrieben wird, beispielsweise Sandheide oder Trockenrasen, lückig bewachsenes Ödland oder Feuchtwiesen.

Die Tiere werden sehr ungern gestört und verziehen sich, wenn das andauernd der Fall ist. Ideal sind auch niedrige bis halbhohe Vegetation sowie ein hohes Heuschrecken-Aufkommen. Häufig gemähte Wiesen sind für den Fortbestand der Spinnen ebenfalls ungünstig.

Etwa von Mai bis September kann man die Wespenspinne in freier Natur beobachten. Zunächst sind junge Spinnen anzutreffen, von Juli bis August dann die erwachsenen Tiere. Im September sind vornehmlich noch Weibchen unterwegs.

Ist der Klimawandel am vermehrten Auftreten der Wespenspinnen schuld?

Ursprünglich war die Wespenspinne nur im Mittelmeerraum verbreitet, weil sie eigentlich zu den wärmeliebenden Spinnenarten gehört. Doch in den letzten hundert Jahren hat sie sich immer weiter nach Norden ausgebreitet. Da liegt die Vermutung durchaus nahe, der Klimawandel könnte daran zumindest mit schuld sein.

Sie wäre nicht das erste Krabbeltier, das aufgrund der zunehmenden Wärme und der damit einhergehenden milden Winter bei uns heimisch zu werden scheint: Auch die tropische Hyalomma-Zecke, die Asiatische Riesenhornisse und die Braune Hundezecke sind mittlerweile bei uns eingewandert.

Wissenschaftler der Universität Greifswald haben allerdings zu Beginn des Jahres 2020 herausgefunden, dass Mikroben, also Bakterien in Zellen und Gewebe der Wespenspinne dazu beigetragen haben könnten, dass sie sich leichter in nördlicheren, kälteren Gefilden ausbreiten kann.

Warum auch immer die Wespenspinne sich mittlerweile bei uns wohlfühlt: Fakt ist, sie tut es. Und wir werden wohl mit ihr leben müssen. Was bei einem eher harmlosen Geschöpf wie diesem eigentlich auch kein Problem ist. Die ein oder andere Person wird vielleicht ein wenig an ihrer Spinnen-Phobie arbeiten müssen...

Quellen: wissenschaft.de, wespenspinnen.de, schleswig-holstein.nabu.de, planet-schule.de

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Noch fliegen sie, die namensgebenden schwarz-gelben Plagegeister. Schauen Sie mal, wie Sie sie vertreiben können:

So werden Sie Wespen los
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Auch diese Spinnen krabbeln munter durch unsere Gefilde:

Dabei sind es ja auch nur Tiere. Dennoch wird jeder selbsternannte Tierfreund bei der folgenden Frage vermutlich an seine Grenzen kommen: Würden Sie eine verletzte Spinne pflegen? Diese Frau hat's getan!

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