Aktualisiert: 01.09.2020 - 19:01

Erneut großes Minus Hartz-IV-Empfänger bekommen zu wenig Geld für Strom

Der ab 2021 geltende Hartz-IV-Satz beinhaltet zu wenig Geld für Strom.

Foto: iStock-com/dstaerk

Der ab 2021 geltende Hartz-IV-Satz beinhaltet zu wenig Geld für Strom.

Im Hartz-IV-Regelsatz ist ein gewisser Prozentsatz für Strom enthalten. Dieser deckt die tatsächlichen Stromkosten allerdings nicht…

Jeder, der Hartz IV bezieht, hat das Recht auf eine menschenwürdige Wohnung. Das bedeutet: eine Wohnung, die sowohl beheizt als auch beleuchtet ist. Zu diesem Zweck benötigt man Strom. Die Kosten für Strom werden allerdings nicht pauschal vom Amt übernommen, nur ein bestimmter Prozentsatz des Hartz-IV-Regelsatzes ist für "Energie und Wohninstandhaltung" eingeplant. Alles, was darüber hinaus geht, muss trotzdem vom Regelsatz bezahlt werden und fehlt dadurch woanders, beispielsweise bei Körperpflege, Lebensmitteleinkauf oder Freizeitgestaltung. Und das ist offenbar keine Seltenheit: Das Vergleichsportalsunternehmen Verifox hat festgestellt, dass der Hartz-IV-Satz für 2021 erneut zu wenig Geld für Strom enthält.

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Hartz IV: Regelsatz für 2021 enthält zu wenig Geld für Strom

Im Januar 2021 sollen die Hartz-IV-Sätze angehoben werden. Alleinlebende erhalten dann monatlich 7 Euro mehr, ihr Regelsatz steigt damit auf 439 Euro im Monat. Laut der Einkommens- und Verbrauchsstichprobe (EVS), auf die Verivox sich beruft, sind davon 35,30 Euro zur Begleichung der Stromkosten vorgesehen. Tatsächlich ist das deutlich zu wenig: Laut dem Unternehmen hat der durchschnittliche Haushalt einer alleinlebenden Person monatlich Stromkosten von 43,17 Euro – das bedeutet, dass jeden Monat ein Defizit von beinahe 8 Euro entsteht, das sind 94 Euro im Jahr.

Wie groß die Differenz zwischen dem für Stromkosten angedachten Betrag und dem, was tatsächlich dafür draufgeht, ausfällt, ist regional sehr unterschiedlich. Am meisten berappen Alleinstehende, die in Schleswig-Holstein leben, sie zahlen mit 51,75 Euro monatlich 47 Prozent mehr als vorgesehen. Bremer hingegen kommen im Vergleich der Bundesländer am besten weg – sie haben ein Minus von "nur" 25 Prozent.

Hohe Stromkosten bei Hartz IV: Kann ein Anbieterwechsel helfen?

Diejenigen, die ihren Strom aus der Grundversorgung beziehen, zahlen sogar noch mehr drauf: 13,50 Euro im Monat, das entspricht ungefähr 161 Euro im Jahr. Für jemanden, der Hartz-IV bezieht, ist das eine erhebliche Summe. Doch woran liegt das? Die Antwort ist einfach: Die Grundversorgung bezeichnet den Energieversorger, der in einem Gebiet die meisten Haushalte mit Strom oder Gas versorgt, es handelt sich dabei also sozusagen um den "Standard-Anbieter". Dieser ist aber nicht automatisch auch der günstigste.

Das Perfide dabei: Laut Verifox könnte ein Anbieterwechsel dabei helfen, die Stromkosten zu senken. Statt der Grundversorgung oder dem aktuellen Anbieter könnten Betroffene nach einem günstigeren Anbieter suchen. Allerdings ist ein Anbieterwechsel Hartz-IV-Empfängern häufig nicht möglich, da viele Anbieter diese wegen ihrer finanziellen Situation ablehnen.

Dezentrale Warmwasserversorgung: Kann ich das geltend machen?

Eine Wohnung sollte nicht nur beleuchtet und beheizt sein, sondern auch über warmes Wasser verfügen. Normalerweise wird Wasser zentral über die Heizungsanlage aufgewärmt, die Kosten für Warmwasser zählen damit laut "hartziv.org" zu den warmen Nebenkosten. Aber: Es gibt auch Haushalte, in denen das Wasser dezentral erwärmt wird, beispielsweise über einen Boiler – und das sind gar nicht mal so wenige. Der Website zufolge erwärmt jeder fünfte Haushalt sein Wasser dezentral.

Durch die dezentrale Erwärmung steigen die Stromkosten noch einmal ordentlich: Laut Verivox verbraucht diese Methode monatlich 750 Kilowattstunden zusätzlich. Dieser Mehrbedarf für Strom kann beim Amt geltend gemacht werden, dafür benötigen Hartz-IV-Empfänger allerdings einen schriftlichen Antrag sowie ein Schreiben des Vermieters, in dem dieser die dezentrale Warmwasserversorgung bestätigt. Der Satz, der für Strom eingeplant ist, wird dann bei Alleinlebenden um 2,3 Prozent angehoben. Das entspricht ungefähr 10 Euro – doch wieder ist der Betrag zu niedrig: Verivox zufolge müssten es 20 Euro sein. Wer sein Wasser dezentral erhitzt, zahlt monatlich also noch einmal 10 Euro drauf.

Ab 2021 gibt es mehr Geld für Hartz-IV-Empfänger! Informieren Sie sich hier! Was man auch im Kopf behalten sollte: Gerade in Situationen wie der aktuellen Corona-Krise stehen Hartz-IV-Empfänger vor großen Problemen, beispielsweise wenn es um das Anlegen von Vorräten geht.

Ebenfalls interessant für viele: Bald wird endlich der langersehnte Corona-Kinderbonus ausgezahlt. Diese Familien bekommen ihn zuerst.

Weitere wichtige Informationen zu Hartz IV und vielen anderen Themen lesen Sie auf unserer Seite Ratgeber Recht.

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