Aktualisiert: 27.08.2020 - 21:07

Hasserfüllte Worte "Unhate Women": Diese Initiative prangert Hass-Reden gegen Frauen an!

Was genug ist, ist genug! "Unhate Women" engagiert sich gegen Hate-Speech über und gegenüber Frauen.

Foto: iStock/South_agency

Was genug ist, ist genug! "Unhate Women" engagiert sich gegen Hate-Speech über und gegenüber Frauen.

Fühlen Sie sich auch oft unbehaglich, wenn Sie irgendwo aktuelle Rap-Songs hören? Kein Wunder: Frauen kommen in diesen oft überhaupt nicht gut weg…

"Heutzutage können Frauen nix, außer wie ein Opfer mit Shisha Schlauch und Filter in der Fresse Selfie Videos machen .. Und dann wundert ihr euch, das man euch auf eure Titten und Arsch reduziert ?! Ihr könnt doch sonst garnix !!" Läuft Ihnen bei Aussagen wie dieser des Rappers Bonez MC (34) auch ein kalter Schauer über den Rücken, und zwar nicht nur wegen der eigenwilligen Rechtschreibung und Grammatik? Fühlen Sie sich unangenehm berührt, wenn Sie so etwas lesen?

Falls ja, sind Sie damit nicht allein. Aber verspüren Sie auch den Drang, gegen so etwas vorzugehen? Vermutlich nicht – schließlich sind Aussagen wie diese mittlerweile schon ziemlich "normal". Tatsächlich ist diese Tirade des Rappers sogar noch relativ harmlos im Vergleich zu anderen Texten. Das sollte nicht so sein: Die Initiative "Unhate Women" der Frauenrechtsorganisation Terre des Femmes setzt sich gegen "Hate Speech" (deutsch: Hass-Rede), also hasserfülltes, menschenverachtendes Sprechen über Frauen ein.

"Unhate Women" gegen Hass-Rede: Auch verbale Gewalt ist Gewalt

Hass gegen Frauen ist weltweit ein Problem. Der furchtbare Höhepunkt: Femizide, d.h. die Tötung von Frauen und Mädchen wegen ihres Geschlechts. Insbesondere Mexiko und die Türkei machten durch hohe Femizid-Zahlen zuletzt traurige Schlagzeilen. Doch Frauenhass fängt nicht erst bei physischer Gewalt an – auch verbale Gewalt ist Gewalt. Und diese wird, wie auf der Website von "Unhate Women" zu lesen ist, "millionenfach gehört, geliked und gefeiert".

Das können Sie sich nicht vorstellen? Ist aber so: Verbale Gewalt gegen Frauen kommt nicht nur in Gesprächen von Angesicht zu Angesicht vor. Auch Wutausbrüche wie der des Rappers Bonez MC sind nur der Anfang. Unzählige Texte erfolgreicher deutscher Rapper, die von Millionen von Leuten gehört werden, enthalten Hassreden gegen Frauen. Kostprobe gefällig? Auf der Website von "Unhate Women" finden sich einige dieser Texte, eindrucksvoll auf Plakaten inszeniert.

Diese Texte seien Teil des Rap-Spiels, argumentieren viele, man solle sie nicht so ernst nehmen. Da sei auch eine gehörige Portion Ironie dabei. Vernachlässigt wird bei dieser Argumentation, dass Rap gerade von vielen jungen Leuten gehört wird, die dazu neigen, solche Texte zu verinnerlichen – und zwar ganz ohne Ironie. Dagegen möchte "Unhate Women" ein Zeichen setzen.

Deshalb muss verbale Gewalt ernstgenommen werden

Nun könnte man fragen: Warum ist Sprache überhaupt so wichtig? Physische Gewalt ist immerhin viel schlimmer, oder? Schließlich haben Worte noch nie zu einem gebrochenen Knochen oder einem blauen Auge geführt. Das stimmt natürlich. Doch man muss kein Sprachwissenschaftler sein, um zu verstehen, dass Sprache unser Bewusstsein formt und damit auch unser Handeln beeinflusst. Frauenverachtende Sprache mag vielleicht nicht direkt zu gewalttätigen Handlungen führen, begünstigt dieses aber indirekt: Wer Frauen jahrelang als "Fotzen" bezeichnet und sie damit verbal entmenschlicht, wird wahrscheinlich auch sein Verhalten ihnen gegenüber ändern. Gut möglich, dass einem dann eben doch mal leichter "die Hand ausrutscht"…

Bonez MC hat sich übrigens für seinen wütenden Text entschuldigt. Sehr umsichtig – doch schlussendlich ist diese Entschuldigung nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Und wie glaubwürdig ist eine solche Entschuldigung überhaupt, wenn er in seinen Texten, von denen einer ebenfalls auf der Website von "Unhate Women" zu finden ist, Gewalt gegen Frauen weiterhin besingt?

Leider hört Gewalt gegen Frauen nicht bei Hate-Speech auf. Die meisten Frauen wurden in ihrem Leben mindestens einmal Opfer von sexueller Belästigung. Joko und Klaas gaben im TV einen Einblick in die schlimme Realität von Frauen. Ein weiteres Problem ist häusliche Gewalt. Gynäkologen können hier hilfreich sein.

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