Aktualisiert: 18.08.2020 - 19:03

Hunde müssen schlimm leiden Illegaler Welpenhandel: So mies ist das Geschäft mit den Tieren

Jungtiere, die für den Handel bestimmt sind, werden
viel zu früh von ihren Müttern getrennt und sind in der Regel kränklich und schwach, wie das Tierheim Berlin mitteilt. Woran Sie illegalen Welpenhandel erkennen.

Foto: iStock.com/DogoraSun

Jungtiere, die für den Handel bestimmt sind, werden viel zu früh von ihren Müttern getrennt und sind in der Regel kränklich und schwach, wie das Tierheim Berlin mitteilt. Woran Sie illegalen Welpenhandel erkennen.

Der illegale Welpenhandel boomt seit Beginn der Corona-Pandemie. Schlimm, denn die Tiere müssen oft sehr leiden. Mit welchen Tricks die Händler arbeiten und worauf Käufer unbedingt achten sollten.

Seit vielen Monaten ist das Coronavirus Dauerthema, die Folgen der Pandemie begleiten uns seit März. Eine davon ist die Einsamkeit, die für viele Menschen durch den Lockdown entstanden ist. Und die hat dazu geführt, dass die Nachfrage nach Haustieren sprunghaft in die Höhe gestiegen ist. Jetzt sind Tierschützer in Alarmbereitschaft, denn wie das Tierheim Berlin mitteilt, blüht damit auch der tierquälerische illegale Welpenhandel enorm auf.

Weil Hunde möglichst klein und damit süß sein sollen, um die Verkaufschancen zu erhöhen, werden sie ihrer Mutter meist viel zu früh entrissen, in enge Kisten gepfercht und ohne Wasser und Futter zum Verkauf gefahren. Oft sind die Welpen todkrank – überleben sie, bleiben sie häufig verhaltensgestört. BILD der FRAU hat beim Tierheim Berlin zum Thema illegaler Welpenhandel nachgefragt.

Das miese Geschäft mit illegalem Welpenhandel: Händler nutzen Gutgläubigkeit der Käufer aus

Woran liegt es, dass der Welpenhandel gerade so boomt?

Pressesprecherin Beate Kaminski: Zum einen sind Welpen einfach immer noch viel zu leicht verfügbar. Jeder, der möchte, kann sich im Prinzip ein Tier im Internet "besorgen". Neben verantwortungsvollen Züchtern tummeln sich dort leider viel zu viele schwarze Schafe, Hobby-Vermehrer und illegale Händler.

Da seit Beginn der Corona-Welle offenbar bei sehr vielen Menschen der Wunsch nach einem Welpen gewachsen ist bzw. sie auch mehr Zeit hatten oder auch noch haben, stieg dann auch die Nachfrage bei Züchtern. Doch verantwortungsvolle Züchter richten ihre Zuchtmenge nicht nach Anzahl der Anfragen, sondern lassen ihre Tiere trotzdem nur so oft werfen, wie es vorgeschrieben und vertretbar ist. Ergo gibt es lange Wartelisten. Und jeder, der nicht warten will, greift dann eben leider gern mal auf fragwürdige Anbieter zurück.

Warum fallen so viele Menschen auf Betrüger bzw. schlimme Händler herein?

Leicht fallen ihnen gerade die Menschen zum Opfer, die es eigentlich gut meinen und auf deren Mitleid es die Welpenhändler abgesehen haben. Sie möchten leidende Tiere retten, kurbeln damit aber natürlich den Welpenhandel weiter an.

In letzter Zeit geschah es auch, dass sich Händler als ausländische "Tierschutzorganisation" tarnten und die Menschen ihnen so gutgläubig auf den Leim gingen. Generell sind dubiose Händler immer schwerer an ihren Internetangeboten zu erkennen, weil sie sich immer besser tarnen.

Tieren werden sogar Aufputschmittel gespritzt, damit sie bei der Übergabe munter wirken

Worunter haben die Welpen beim Online-Handel zu leiden?

Gerade Berlin ist seit Jahren ein florierender Umschlagplatz für die osteuropäische Welpenmafia. Die betroffenen Hunde stammen nicht von seriösen Züchtern, sondern aus Vermehrer-Tierfabriken in Osteuropa. Zuchttiere verbringen ihr Leben unter abscheulichen Bedingungen: auf engstem Raum eingepfercht, schlecht versorgt und im eigenen Unrat dahinvegetierend. Die Jungen, die für den Handel bestimmt sind, werden viel zu früh von ihren Müttern getrennt, sind in der Regel kränklich und schwach.

Illegale Hundehändler schrecken auch nicht davor zurück, kranken Welpen vor der Übergabe an die neuen Besitzer Aufputschmittel wie beispielsweise Adrenalin zu spritzen. Wenn dann die Wirkung nachlässt und das eben noch so muntere Tierchen auf einmal teilnahmslos wird und Krankheitsanzeichen zeigt, sind die Betrüger längst mit dem Geld der Kunden verschwunden.

Ist von jedem Online-Welpenhandel abzuraten?

Jein. Wenn ein seriöser Züchter im Internet Tiere anbieten sollte, kann man das unter Umständen ja über einen Züchterverein abklären. Auch gibt es natürlich Privatpersonen, die aus akuten Gründen ihr Tier abgeben müssen und dann im Internet nach Abnehmern suchen. Deshalb ist es umso wichtiger, nicht blindlings drauf einzugehen, sondern sich alles genau anzuschauen und zu hinterfragen. Im Zweifel empfiehlt es sich, Experten hinzuzuziehen.

Daran erkennen Sie, ob Sie es mit illegalem Welpenhandel zu tun haben

Auf welche Kriterien sollten Käufer unbedingt achten?

Absolute Vorsicht ist geboten, wenn:

  • mehrere unterschiedliche Rassen von einem Anbieter angeboten werden
  • sehr viele und sehr häufig Welpen vom gleichen Anbieter annonciert werden
  • Interessenten keine Fragen hinsichtlich ihrer Tierhaltung, ihres Wohnumfelds und ihrer Lebensumstände gestellt werden
  • keine Wohnadresse, sondern öffentliche Orte zur Übergabe genannt werden und wenn die Übergabe nicht in, sondern vor einem Haus, auf einem Parkplatz o. ä. stattfinden soll
  • man dem Interessenten die Elterntiere nicht zeigen kann oder möchte
  • das direkte Umfeld, die Schlaf- und Wohnstätten der Tiere unsauber und nicht gesichert und geeignet erscheinen
  • kein ordentlicher Schutzvertrag abgeschlossen werden soll
  • Fragen bezüglich der Welpen und ihrer Elterntiere nicht beantwortet werden können
  • es sich um einen Auslandshund unter der 16. Lebenswoche handelt (Hintergrund ist, dass Welpen erst ab der 12. Lebenswoche gegen Tollwut geimpft werden dürfen und dann mindestens 21 Tage nach der Impfung vergehen müssen, bevor sie in ein anderes Land transportiert werden dürfen. Tiere unter der 16. Lebenswoche aus anderen Staaten einzuführen, verstößt also immer gegen Reise- bzw. Einfuhrbestimmungen. Wird ein solcher Verstoß von Veterinärämtern festgestellt, werden die Tiere amtlich sichergestellt und auf Kosten des Besitzers vier Wochen quarantänisiert.)

Ein sehr wichtiger Punkt: Laut Berliner Hundegesetz, §16, Absatz 3 und 4, dürfen Hundewelpen (Hunde bis zu einem Jahr) ausschließlich von Personen verkauft/verschenkt/weitergegeben werden, die über einen Sachkundenachweis nach §11 Tierschutzgesetz verfügen. Das heißt: Jeder, der einen Hundewelpen erwirbt, ohne sich diesen Sachkundenachweis in Kopie aushändigen zu lassen, verstößt gegen das Berliner Hundegesetz und macht sich damit strafbar. Im Fall einer Kontrolle wird Ihnen das Tier entzogen. Sie erhalten keinerlei Entschädigung und haben mit einem Ordnungswidrigkeitsverfahren zu rechnen.

Interessenten müssen deshalb in Berlin und auch anderen Bundesländern immer nach dem Sachkundenachweis fragen und sich eine Kopie aushändigen lassen!

Gelten die Gefahren des Online-Handels auch für andere Jungtiere, etwa Katzen, Kaninchen, Vögel...?

Im Grunde ja, denn leider bekommt man, wenn man will, ja fast alle Tiere inzwischen relativ leicht im Internet. Sie werden gehandelt wie Ware – sehr traurig.

Aber natürlich sprechen gerade Katzen- und Hundewelpen sowie Kleintiere wie Kaninchen das Niedlichkeitsradar der meisten Menschen besonders an.

Es müssen nicht zwingend Welpen sein: Geben Sie doch ausgewachsene(re)n Tieren eine Chance!

Warum sollten auch erwachsene(re) Hunde in Betracht kommen? Machen Sie doch mal Werbung für sie!

Erwachsene Tiere sind meist schon erzogen und machen den Start in ein Leben mit einem Hund oft deutlich einfacher. Sie kennen meist schon alle Kommandos, sind stubenrein und sind ans Zusammenleben mit dem Menschen gewöhnt. Welpen brauchen deutlich mehr Aufmerksamkeit als viele denken. Sie sind wie Kleinkinder, müssen ständig beaufsichtigt werden, kennen noch kein Gassigehen, sind nicht stubenrein. Das ist viel Arbeit und Stress, auch wenn es niedlich ist. Diese Geduld muss man haben, sonst hat das alles wenig Sinn. Welpen und Junghunde sind lebhaft und brauchen viel Betreuung und Erziehung.

Ein sicherer Weg ist es, einem Tier aus einem Tierheim ein neues Zuhause zu geben, zum Beispiel aus dem Tierheim Berlin. Viele Tiere warten dort sehnsüchtig auf ein Zuhause. Auf unserer Internetseite www.tierschutz-berlin.de können Interessenten unseren Bestand durchforsten und sich bei Interesse bei uns melden. Man kann auch gezielt nach Welpen fragen, da diese nicht immer gleich online auf unserer Seite abgebildet werden. Unsere Mitarbeiter sind gern bereit, ausführlich zu beraten und persönliche Termine zu vereinbaren. Vielleicht ergibt sich aus der Schilderung der Lebensumstände dann doch, dass es ein erwachsenes oder etwas älteres Jungtier wird.

Wer sich einen Welpen woanders holt, sollte sich vorher gut informieren und sich im Internet über entstehende Kosten einlesen – Tierarzt, Impfung, evtl. Kastration … das geht ins Geld!

Wer sich hingegen für einen Hund aus dem Tierschutz entscheidet, sollte den Tierpflegern vertrauen – sie kennen ihre Tiere, machen das ja schließlich hauptberuflich – und unter Umständen auch warten können. Vielleicht gibt es gerade kein passendes Tier, das sieht einige Tage später aber vielleicht schon ganz anders aus. Sich ein Tier anzuschaffen, muss gut überlegt und sollte kein Schnellschuss sein – und das kann eben auch mal ein bisschen dauern. Dafür wird’s dann umso schöner.

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Welpen bei Ebay zu kaufen, ist natürlich keine gute Idee, das ist spätestens seit diesen Ausführungen der Tierheim-Expertin klar. Nadine F. (38) aus Hamburg hat es getan – und berichtet von ihren schlimmen Erfahrungen.

Auch Petra M. hat ähnliche Erlebnisse gemacht – sie berichtet, wie sie auf die Katzenmafia hereingefallen ist.

Sie haben es ja gerade gelesen: Im Tierheim Berlin warten viele Tiere darauf, endlich ein Zuhause für immer zu finden. Etwa Hund Buddy, ein Schäferhund-Mischling. Oder Kater Olli:

Eine zweite Chance für Tierheimbewohner: Das ist Olli
Eine zweite Chance für Tierheimbewohner: Das ist Olli

Auf unserer Themenseite Haustier gibt es noch mehr interessante Tiergeschichten zu lesen. Etwa diese: Hündin Maggie wurde grausam entstellt, ist blind und hat nur ein Ohr. Heute darf sie in einem liebevollen Zuhause leben. Und auch Ratgeber finden Sie dort, zum Beispiel, wie Sie Ihrem Hund helfen können, wenn's ihm zu heiß wird.

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