Aktualisiert: 17.08.2020 - 18:30

Paprikasauce Ungarische Art Sprachdebatte: Knorr benennt "Zigeunersauce" um

Die "Zigeunersauce" ist ein echter Klassiker – und das bleibt sie auch weiterhin. Nur unter neuem Namen: Knorr benennt das beliebte Produkt um.

Foto: imago images/Sascha Ditscher

Die "Zigeunersauce" ist ein echter Klassiker – und das bleibt sie auch weiterhin. Nur unter neuem Namen: Knorr benennt das beliebte Produkt um.

Die "Zigeunersauce" ist ein echter Klassiker – und das bleibt sie auch weiterhin. Nur unter neuem Namen: Knorr reagiert auf Diskriminierungsvorwürfe und benennt das beliebte Produkt um.

Sprache beeinflusst Wahrnehmung – das lernen wir schon früh, beispielsweise, wenn wir im Kindergarten mit einem unschmeichelhaften Spitznamen aufgezogen werden. Noch schlimmer: Wenn Bezeichnungen nicht nur unhöflich, sondern außerdem diskriminierend oder rassistisch sind. In Deutschland gibt es bereits seit Längerem eine Debatte um rassistische Sprache. Genauer gesagt darum, ob Worte, die früher nicht hinterfragt wurden, von denen wir heute aber wissen, dass ihre Verwendung rassistische Stereotype zementiert, aus unserem Sprachgebrauch verbannt werden sollten – auch nachträglich. Beispiele dafür sind die viel diskutierte Umbenennung des U-Bahnhofs "Mohrenstraße" in Berlin sowie die geplante Umbenennung des Hotels "Drei Mohren" in Augsburg. Doch auch ein anderes Produkt soll deshalb jetzt bald unter einem neuen Namen erhältlich sein: Knorr plant eine Umbenennung der beliebten "Zigeunersauce".

Rassismusdebatte: Knorr ändert Namen von Zigeunersauce
Rassismusdebatte: Knorr ändert Namen von Zigeunersauce

Knorr benennt "Zigeunersauce" um – Deshalb ist der Begriff problematisch

Bereits seit über 100 Jahren beschreibt der Begriff "Zigeunersauce" in mehreren europäischen Küchen, beispielsweise der deutschen, der französischen und der italienischen, eine Sauce, die unter anderem aus Tomaten, Paprika, Zwiebeln, Weinessig, Weißwein und Champignonfond besteht. Die Varianten der "Zigeunersauce", die Sie heute im Supermarkt kaufen können, stellen meist eine stark vereinfachte Version der ursprünglichen Rezeptur dar. Die "Zigeunersauce" von Knorr enthält unter anderem Tomatenmark, Branntweinessig, Zwiebeln, Zucker, Paprika, Gewürze und Aromen.

Doch warum ist die Bezeichnung "Zigeunersauce" eigentlich problematisch? Der Grund dafür ist, dass das Wort Zigeuner, das die Volksgruppen der Sinti und Roma bezeichnet, negativ konnotiert ist. Es wird häufig mit abwertenden oder romantisierenden Stereotypen in Verbindung gebracht. Zwar wurde der Begriff in Deutschland noch bis in die 1980er-Jahre hinein auch von offiziellen Institutionen verwendet, es handelt sich dabei jedoch um eine Fremdbezeichnung, die den Sinti und Roma von außen zugedacht wurde. Sie selbst lehnen diese Bezeichnung größtenteils ab, da diese als diskriminierend empfunden wird.

Ganz abgesehen davon habe die Sauce gar keine Wurzeln in der Küche der Sinti und Roma, sondern eher in der ungarischen Küche – das sagte Regardo Rose, Vorsitzender des Forums für Sinti und Roma aus Hannover, der bereits 2013 mit einem anwaltlichen Schreiben von mehreren Herstellern die Umbenennung der "Zigeunersauce" forderte.

So reagieren Verbraucher auf die "Paprikasauce Ungarische Art"

Noch 2013 stieß diese Bitte auf taube Ohren – bis heute trägt die Knorr-Sauce das Label "Zigeunersauce". Die Hersteller wiesen den Vorschlag einer Umbenennung damals mit dem Verweis auf die lange Tradition des Namens sowie auf die Gewöhnung der Verbraucher zurück. Seitdem kam die Debatte nie wieder so ganz zum Erliegen – jetzt waren die Vorstöße der Befürworter der Umbenennung endlich erfolgreich: Wie Unilever, der Mutterkonzern von Knorr, verkündete, wird die "Zigeunersauce" in ein paar Wochen als "Paprikasauce Ungarische Art" im Handel erhältlich sein.

Die Reaktionen auf dieses Eingeständnis sind – wie sollte es auch anders sein? – gespalten. Der Zentralrat der Deutschen Sinti und Roma begrüßt die Umbenennung, der Vorsitzende Romani Rose gesteht aber auch ein, dass es dringlichere Probleme gibt, insbesondere den erstarkenden Antiziganismus in Deutschland.

In den sozialen Medien hingegen diskutieren die Menschen erbittert. Während die einen denjenigen, die glauben, dass die Änderung von Begrifflichkeiten einen Beitrag zur Abschaffung von Rassismus leiste, Dummheit und Naivität vorwerfen, verteidigen andere die unternehmerische Freiheit des Konzerns. Viele stellen sich auch die folgende Frage: "Über 100 Jahre lang war es kein Problem, 'Zigeunersauce' zu sagen. Warum ist das jetzt auf einmal rassistisch?"

Zumindest diese Frage – denn als Argument lässt sich der Verweis darauf, dass es "schon immer so war" kaum bezeichnen – sollte sich mit einem kurzen Blick auf die Geschichte entkräften lassen. Schließlich galt das meiste, auf das wir heute mit Schaudern und Unverständnis zurückblicken, in der Vergangenheit als "normal" – und das in den meisten Fällen sogar für lange Zeit.

Knorr ist nicht der einzige Konzern, der mit der Umbenennung von Produkten auf die Debatte um rassistische Sprache und Symbolik reagiert. Auch Uncle Ben’s ändert sein Logo wegen rassistischer Stereotype.

Sie würden gern mehr über Rassismus lernen? Diese Filme handeln von Polizeibrutalität, Justizwillkür und Rassismus.

Familie und Leben

Familie und Leben

Alles rund um Haus & Garten, Wissenswertes aus dem Alltagsleben und Ratgeberthemen sehen Sie in den Videos.

Beschreibung anzeigen
Eine Webseite der FUNKE Mediengruppe